LUXEMBURG
EKKEHART SCHMIDT

Der „Black Friday“ steht wieder bevor, aber auch sonst locken Marketingmanager und Geschäftsinhaber mit Schlussverkäufen, Braderien und Rabatttagen und arbeiten mit allen psychologischen Tricks, um Verbraucher zum Kauf zu verführen. „Sie wollen, dass wir nicht aufhören zu kaufen“, sagt Ekkehart Schmidt von etika, und findet, dass man lernen sollte, dem zu widerstehen.

„Sie stellen Lockvögel in die Auslage und sprechen letztlich ‚niedere‘ Instinkte an: Wo sonst alles so teuer ist, kann Ich viel sparen, vielleicht sogar etwas fast umsonst kriegen… Und dann gehen wir mit den Ladenhütern nach Hause – für ein schnelles Glück. Dabei sind wir nicht nur potenzielle Konsumenten, sondern vor allem Schüler, Beschäftigte oder Rentner, Eltern, Ehemänner und Omas, Hobbysportler*innen, - künstler*innen oder -gärtner*innen. Wir müssen eigentlich gar nicht etwas kaufen, um glücklich zu sein. Vor allem nicht deswegen, weil es ‚billig‘ ist. Das ist nur ein Reagieren auf einen schnellen Reiz, der uns einen kurzfristigen ‚Kick‘ gibt.

Genau dieses Gefühl. dass hier etwas auf die Spitze getrieben wird, sollte uns eher dazu bringen, uns von dieser – natürlich durchaus legitimen – Beeinflussung zu befreien. Die einen nennen es ‚Konsumterror‘, die anderen ‚einmaliges Sonderangebot‘. Der ‚Black Friday‘ wurde vor gut 15 Jahren in den USA erfunden und kam vor einigen Jahren hier an. Dort ist der letzte Freitag im November der Brückentag nach dem Erntedankfest, an dem sich viele frei nehmen und der Handel den Beginn der Weihnachtseinkaufssaison mit vielen Rabatten und Schnäppchen einleitet. Hier ist es der letzte Samstag im November.

Widerstand zu leisten ist zwecklos, schließlich leben wir in einer Marktwirtschaft mit Wettbewerb, in dem Anbieter um die Gunst der Nachfrager buhlen (müssen). Aber widerstehen geht, das wäre übrigens auch eine gute Übung.

Sein Leben auf Konsum auszurichten, lenkt vom Wesentlichen ab: sich auf sich selbst und seine Familie zu besinnen, den wahren Bedürfnissen wie Selbstliebe, Liebe und Freundschaft zu anderen, sowie Anerkennung. Statt jetzt einen coolen Mantel zu kaufen, könnte ich mich fragen, warum ich eigentlich immer neue Kleidung kaufe, obwohl die alte noch tragbar ist. Also nicht besinnungslos, sondern bewusster konsumieren, unsere Verhaltensweisen als Konsumjunkies entgiften, uns von dumpfer Fremdbestimmung befreien und die Autonomie unserer Großeltern zurück gewinnen, die dagegen resistent waren.

Nach dem Vorbild des ‚Veggie Day‘ könnte man genau diesen Samstag einmal nicht konsumieren. Nicht nur auf Fleisch verzichten, sondern auf jeglichen Kauf. Das ist der Gedanke der 1992 vom kanadischen Künstler Ted Dave initiierten Gegenbewegung, des ‚Kauf-nix-Tags‘. In Deutschland wurde der Aktionstag in den 2000er Jahren initiiert. Unvorstellbar? Es geht, ohne ein negatives Gefühl des Verzichts zu erleben, indem man sich klar macht, worin ein Gewinn liegen könnte.

Am wichtigsten ist vielleicht, dass man dadurch eine gewisse Demut und Dankbarkeit erlebt: für das, was sonst ohne unser Zutun und durch anderer Leute Arbeit immer und überall verfügbar ist. Gegen Geld. Und was wir zu oft verschwenden. Da jetzt der Herbst beginnt, könnte ein Einkehren und Innehalten, das Erleben von Ruhe und Gelassenheit bei einem Spaziergang, ja sogar eine Vorbereitung auf den natürlichen Stillstand des Winters durch Aktivitäten wie Einmachen eine gute Alternative sein.“