LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Umweltministerin bestätigt Trockenschäden und erläutert Strategie der Naturverwaltung

Obwohl es seit fast zwei Wochen ziemlich dauerhaft regnet, ist die Gesamtbilanz des Wetters viel zu trocken und das nicht nur in diesem Jahr. Seit drei Sommern hat es in Mitteleuropa zu wenig geregnet. Nicht nur die Landwirte sehen sich unter Druck, langsam aber sicher leiden auch die Wälder erkennbar. Eines unter vielen Symptomen ist die Borkenkäferplage. Die Trockenheit bringt in den Wäldern auch sicherheitsrelevante Probleme mit sich.

Mit Blick auf die Situation in Deutschland, wo Waldwege schon wegen abgestorbener Bäume oder herabfallender Äste gesperrt werden mussten, haben sich die beiden DP-Abgeordneten André Bauler und Max Hahn an Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi Gréng) gewandt, um Auskunft über den Zustand der Luxemburgischen Wälder zu erhalten und wie die Naturverwaltung (ANF) kurz- und langfristig damit umgeht.

Ein kumulativer Effekt

Die Ministerin sieht die Situation in Luxemburg ähnlich. Es sei vor allem der „kumulative Effekt“ der vergangenen drei Sommer, die alle zu trocken waren und die Bäume geschwächt haben. In diesem Jahr hätten die Bäume zahlreiche Früchte getragen, quasi um den Bestand zu sichern, was sie aber weiter geschwächt habe.

An schlecht versorgten Standorten seien einzelne Bäume schon dabei abzusterben, unabhängig von ihrer Art, erläutert die Ministerin. Einzelne Bäume die zu wenig Wasser bekommen, ganze Fichtenbestände die dem Borkenkäfer zum Opfer fallen, oder Buchen auf schwerem Boden. Regional betrachtet sei die Situation im Süden schlimmer als im Ösling.

In Sachen Sicherheit finden regelmäßige Begehungen und Bestandaufnahmen durch die Naturverwaltung statt, in diesem Jahr früher als sonst, aber es habe noch keine längere Sperrung der Waldwege aus Sicherheitsgründen gegeben,
so Dieschbourg.

Aufforstung: Zweischneidige Ergebnisse

Die Aufforstung oder Wiederaufforstung mit jungen Bäumen fällt laut Umweltministerin ganz unterschiedlich aus. Sie sei abhängig von der Topografie und dem lokalen Klima. Im Ösling seien die Ergebnisse „ganz gut“ dort wachsen 85 bis 95 Prozent der gepflanzten Bäume an. Im Rest des Landes liege die Quote erfolgreicher Anpflanzungen zum Teil unter 50 Prozent. Im Grünewald, wo in drei Jahren auf einer Fläche von 120 Hektar junge Bäume gepflanzt wurden, seien 2017 noch 80 Prozent angewachsen, 2019 sei dies nur bei 45 Prozent der Jungpflanzen der Fall gewesen. Besonders schlecht lief die Aufforstung auf Kahlschlagflächen, da die jungen Bäumchen dort der Hitze und Sonneneinstrahlung direkt ausgesetzt waren, was dazu führte das teilweise keine oder nur maximal 30 Prozent der Jungpflanzen angewachsen sind.  Jungbäume, die in Wäldern zwischen den Altbestand gepflanzt wurden, sind dagegen mit einer Erfolgsquote zwischen 60 und 98 Prozent angewachsen.

Die Ministerin wies darauf hin, dass Neuanpflanzungen in den Wäldern aus technischen und finanziellen Gründen nicht bewässert werden. Wälder sind laut Dieschbourg Ökosysteme und keine „künstlichen Vorgärten“. Im Wald sei es wichtig, dass sich die widerstandsfähigen Pflanzen durchsetzen.

Mischwälder statt Fichtenplantagen

Zur Strategie der Naturverwaltung erläuterte Dieschbourg, dass die Bildung von Mischwäldern eine „Tradition“ der Naturverwaltung sei, seit 1999 sei dieses Vorgehen noch intensiviert worden. Das Stichwort lautet „natürliche Verjüngung“. Dabei wurde deutlich kleinflächiger gearbeitet als früher, nach dem Jahr 2000 wurden vermehrt Nadelholzwälder in Mischwälder umgewandelt. Seit 2010 mache sich der Klimawandel bemerkbar. Seitdem sei man dabei Wege zu erarbeiten, die die Wälder widerstandsfähig (Resilienz) machen. So sei die Auswahl der richtigen Baumarten besonders wichtig.
Seit 1991 wurden etwa 80 Hektar Laubmischwald im Rahmen der Beseitigung von Fichten entlang der Bachläufe gepflanzt. Von 2010 bis 2020 wurden für die Schaffung von kommunalen Mischwäldern Zuschüsse für eine Gesamtfläche von 950 Hektar ausgezahlt. Wobei eine starke Steigerung seit 2017 zu vermerken ist.