BELVAL
DANIEL OLY

„Mind & Market“-Konferenz erörtert die Möglichkeiten der vierten Industrie-Revolution

Die „Mind & Market“-Plattform soll, wie der Name verrät, schlaue Köpfe und den Markt verbinden - das heißt, die Forschung, Wirtschaft und frische Ideen zusammen zu bringen und gemeinsam besser zu werden. Das Forum geht in diesem Jahr bereits in seine vierte Ausgabe und bot deshalb am gestrigen Donnerstag einmal mehr interessante, frische Konzepte, die einen alteingesessenen Markt aufrütteln könnten. Erneut hatte das Beratungsunternehmen Deloitte Luxemburg gemeinsam mit Luxinnovation, der Uni Luxemburg, dem nationalen Forschungsfonds FNR und dem Industrieverband FEDIL zu dem Forum geladen, das auf dem Universitätscampus in Belval stattfand. In diesem Jahr standen grüne Technologien und die vierte Industrielle Revolution durch Digitalisierung im Mittelpunkt. In nicht weniger als drei Sälen konnten rund 30 Startups ihre neuen Ideen vor Jurymitgliedern aus der Wirtschaft vorstellen und damit bewerten und auf Herz und Nieren testen lassen. So gab es eigene Säle für „Green Tech“, die Industrie 4.0 und „Digital Tech“ und die darin aktiven Startups. Sie trafen hier auf wichtige Entscheidungsträger der Wirtschaft - eine große Chance für die Startups, für ihre Konzepte Anhänger zu finden.

Digitale Effizienzsteigerung

Eine der Fragen, die bereits vor dem Event aufgeworfen wurden: Welchen Mehrwert kann Nachhaltigkeit und die Industrie 4.0 für ein Unternehmen bedeuten? Welche Rolle spielen moderne Technologien, wie die Virtuelle Realität oder „Augmented Reality“ (VR und AR) bei der Entwicklung der Wirtschaft von morgen? Schließlich hatten sich in den drei Sälen etwa Startups wie die Firis SA vorgestellt, die Arbeitgebern die Möglichkeit bieten wollen, ihre Mitarbeiter durch VR-Trainingsmittel und AR-Hilfsmittel aus- und weiterzubilden und ihnen im Arbeitsalltag zu helfen.

Eine pragmatische Antwort: „Industrie 4.0 ist praktisch mit dem Wort der ,Digitalisierung‘ gleichzusetzen“, meinte Michael Neidhöfer, Gründungspartner der Digital Devotion Group. Neidhöfer war Teilnehmer an dem abschließenden Rundtischgespräch über die digitale Industrie. Einer seiner Gesprächspartner, Grégory Nain, CEO des Startups Datathings, sieht das nicht ganz so einfach: „Die Industrie sucht nicht nur nach digitalen Daten, sondern nach den wichtigen Informationen dahinter - um ihre Prozesse effizienter zu gestalten“, erklärte er. „Daher ist Industrie 4.0 für mich vor allem das Zusammenspiel von Technologien, um die Industrie zu verbessern.“ Die Experten waren sich aber sicher: Die Industrie ist eindeutig „ready“. „Die Firmen sind bereit für den Wandel“, erklärte Neidhöfer. „Das Problem ist, dass sie die Technologien wie das Internet der Dinge, die Künstliche Intelligenz oder VR noch nicht vollständig verstanden haben. Der Wille ist da, das Know-How nicht.“ Ein hervorragendes Beispiel sei, wie sehr die Möglichkeit einer Cloud-Dienstleistung oder einem Speichersatz missverstanden werde. „Clouds sind derzeit oft entweder verteufelt oder der Heilsbringer - die Wahrheit liegt dazwischen.“ Nain pflichtete ihm bei: „Daten sollen für die meisten unserer Kunden noch immer im Haus-Netzwerk bleiben“, meint Nain. „Also gibt es auch eine starke Tendenz dazu, alles unter Kontrolle zu wissen.“ Ob das immer besser ist, sei natürlich fraglich. Dabei versprächen Technologien wie AR/VR-Geräte, wie die Microsoft-Brille Hololens, große Vorteile. „Daten, einmal korrekt ausgewertet, können einen großen Mehrwert für Unternehmen bedeuten“, erklärte Nain. „Es bietet eine neue Möglichkeit, mehr darüber in Erfahrung zu bringen, wie die Firma oder einzelne Produktionsschritte funktionieren.“

Wichtig sei daran, dass die Daten selbst „smart“ seien; das heißt konkret, dass nicht blind alles gesammelt werden kann, um den Prozess zu verstehen. „Pure Daten an sich sind nicht wertvoll“, meinte Nain. „Es gibt derart viele Faktoren, dass sie ohne digitale Auswertungsprozesse unmöglich überschaubar sind“, betonte er. „Durch die digitalen Auswertungen bietet das einen echten wirtschaftlichen Vorteil.“ Er warnte aber auch: „Maschinelles Lernen oder andere Technologien sind keine Hexerei - man kann sie nicht mit Daten füttern, und auf dem anderen Ende kommt Mehrwert heraus“, unterstrich er. „Wir müssen selbst weiter smart bleiben - ansonsten kommt dort, wo man Mist hinein wirft, auch nur Mist heraus.“

Der Moderator des Rundtischgesprächs, Paul Wurth Inkubator InCub-CEO Sébastien Wiertz, sieht das ähnlich: „Daten sind nicht das neue Öl - die Auswertung der Daten ist aber sehr wohl der Schlüssel zur effizienteren Zukunft.“ Zum Ende der Veranstaltung wurden zudem die Startups bekannt gegeben, welche die Jury am ehesten überzeugen konnten.