LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Individuelles Maßnahmeprogramm für das Frühstadium geht an den Start

Luxemburg drückt beim Thema Demenz auf die Tube: Der Nationale Demenzplan wurde 2013 vorgestellt und im Laufe des vergangenen Jahres begann die Umsetzung - nun wird ein weiteres Programm eingeleitet: Das Programm Demenz Prävention (PDP), das individuelle Maßnahmen im Frühstadium der Krankheit vorsieht, wenn das demenzielle Stadium mit den Schädigungen des Gehirns noch nicht erreicht ist.

„Demenz ist angesichts der demografischen Entwicklung eines der wichtigsten aktuellen Gesundheitsthemen“, sagte Gesundheitsministerin Lydia Mutsch gestern, als sie das PDP vorstellte. Es ist auch eines der gesundheitspolitischen Hauptthemen der luxemburgischen EU-Präsidentschaft. „Es könnte Modellcharakter für Europa haben, denn bislang gibt es ein solches Angebot nirgends“, sagte Mutsch.

Die Diagnose ist Jahrzehnte vor Ausbruch der Krankheit möglich

Eine Heilung, wenn die Demenz einmal ausgebrochen ist, ist kaum mehr möglich und mit der Entwicklung einer Therapie ist in den nächsten Jahren nicht zu rechnen. Die beiden häufigsten Formen der Demenz, Alzheimer sowie die durch Gefäßveränderungen bedingte vaskuläre Demenz sind aber bereits Jahrzehnte vor dem Ausbruch diagnostizierbar. „Man muss den Leuten die Panik nehmen, die mit einer solchen Diagnose verbunden ist, wir müssen das Tabu brechen, sich der Demenz zu stellen und die Erkenntnis verbreiten, dass frühe Präventionsmaßnahmen helfen, den Krankheitsverlauf abzuschwächen, im besten Fall sogar die Erkrankung zu verhindern“, erklärte Mutsch.

„Die Frühdiagnose ist einfach geworden und sie ist zuverlässig“, sagte Prof. Dr. Tobias Hartmann, Direktor des Deutschen Instituts für Demenzprävention der Universität des Saarlandes und wissenschaftlicher Partner des PDP. „Der Patient darf mit der Diagnose aber nicht allein gelassen werden.“ Auf die ärztliche Diagnose sollte bestenfalls innerhalb von ein bis zwei Stunden ein erstes Gespräch mit einem Memory-Coach folgen, der dann auch die weitere Betreuung übernimmt. Sie beruht auf sechs Säulen: Körperliche Fitness, Diät, vaskuläre Risikofaktoren vermeiden, geistige und soziale Aktivierung, Depressionsbehandlung und die Kontrolle von Medikamenten, die teils Demenz verstärken können.

In den letzten Jahren erst wurden die Methoden für Vermeidung von Demenz-Risikofaktoren entwickelt. Betroffenen und ihren Angehörigen soll ein bestmöglicher Umgang mit der Erkrankung ermöglicht werden. Weiterer Pluspunkt: Der Betroffene kann rechtzeitig und selbstbestimmt seine persönlichen Angelegenheiten regeln. Das Programm läuft über sechs Jahre und wird permanent evaluiert. 2,7 Millionen Euro sind dafür vorgesehen.

www.demenz.lu, Tel.: 27861312