LUXEMBURG
MARCO MENG

Das selbstfahrende Auto wird kommen - Allianz will versichern

Obwohl die Technik-Messe CES in Las Vegas keine Automesse ist, stand dort das selbstfahrende Auto im Mittelpunkt. Auch wenn in Detroit nun ab Montag die North American International Auto Show - eine der wichtigsten Messen der internationalen Autoindustrie - zwei Wochen lang zum Schauplatz für die neuesten Modelle und Branchentrends wird, dürften selbstfahrende Autos das große Thema sei. Daimler-Chef Dieter Zetsche betont gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass es mit diesem Trend ernst wird: Die Selbstfahrer, da ist er sich sicher, werden bald zum Straßenbild gehören.

Der in Las Vegas präsentierte selbstfahrende Mercedes-Prototyp F015 dürfte demnach im nächsten Jahrzehnt regulär auf die Straße kommen. „Wir werden sicher schon in den nächsten Jahren auch mit höheren Geschwindigkeiten auf Strecken wie Autobahnen autonom unterwegs sein“, meint Zetsche. Die wesentlichen Technologien gibt es im Prinzip schon, sie müssen nur noch verfeinert werden.

Wie Europas größter Versicherer Allianz gestern erklärte, werde man auch Versicherungsschutz für selbstfahrende Autos anbieten. „Für uns wird sich dabei allerdings die Risikoeinschätzung ändern. Das Risiko verlagert sich vom menschlichen Fehler seitens des Fahrers oder Verkehrsteilnehmers zum Entwickler“, sagte Allianz-Manager Alexander Vollert dem Nachrichtenmagazin „Focus“.

Neben der Klärung solcher rechtlicher Haftungsfragen gilt es auch, ethische Probleme zu lösen. Wie verhältes sich bei einem Unfall? Es gehe um Situationen, „wenn die einzige Wahl zwischen dem Zusammenstoß mit einem kleinen Auto oder einem großen Lastwagen besteht oder darin, in einen Graben oder in eine Wand zu fahren - oder man riskiert, eine Mutter mit Kinderwagen oder einen 80-jährigen Großvater zu erfassen“. Diese Entscheidungen werden von den Herstellern und dem Gesetzgeber gemeinsam getroffen werden müssen. Obwohl es auch beim selbstfahrenden Auto zu Unfällen kommen kann und wird, werden voraussichtlich die Unfallzahlen aber sinken.

Branche startet in neue Ära

Derweil bereiten sich Autobauer und Zulieferer auf viele Veränderungen durch das autonome Fahren vor. In seiner Vorschau und Analyse für die Detroit Motor Show schreibt der Autospezialist Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen: „Connected cars und automatisiertes Fahren sind die großen Innovationen, die der Branche neue Nachfrage bescheren.“

Mit den Innovationen Connected Cars und automatisiertes Fahren entstehe für die Branche ein neuer Milliarden-Markt, der auch Herausforderung für die Zuliefererbranche stellt, denn neue Anbieter drängen auf den Automarkt. So sei Google zum Beispiel dabei, ein neuer Anbieter für die Software für automatisiertes Fahren zu werden. Bei selbstfahrenden Autos kommt der Funktion, wie Autos miteinander kommunizieren, entscheidende Bedeutung zu.

Wachstumsmärkte werden nach Ansicht des Forschers hier vor allem China und die USA sein. US-Käufer seien IT-Innovationen gegenüber sehr aufgeschlossen und neugierig. Dabei zeichnet sich in den USA laut Diesel Technology Forum (DTF) auch eine weitere interessante Trendwende ab, denn die Verkäufe an Dieselfahrzeuge sind dort im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Stellen Dieselautos dort bislang nur rund drei Prozent der Fahrzeuge, sollen es 2017 nach Schätzungen bereits sieben Prozent sein. Dazu trägt auch die strengere CO2-Regulierung der US-Regierung bei: Der durchschnittliche Verbrauch von 6,7 Liter für 100 Kilometer bis 2016 und von 4,3 Liter bis 2025 wird vor allem durch Dieselmotoren erreicht. US-Hersteller wie Ford, GM und Chrysler gewinnen darum den Dieselmotor allmählich wieder lieb, vor allem aber auch japanische und deutsche Hersteller können davon profitieren, so die Einschätzung.

Der luxemburgische Beitrag

Der Contener Sensorspezialist IEE befindet sich nach eigenen Angaben in der Vorentwicklung entsprechender Technologien, die autonomes Fahren ermöglichen. In einem ersten Schritt ist autonomes Fahren für Autobahnen vorgesehen, in einem zweiten Schritt für Landstraßen und Innenstädte, was freilich etwas komplexer ist. IEE entwickelt hierfür radargestützte Sensoren, die eine 360 Grad Fahrzeugumfeldüberwachung gewährleisten. „Die Sensorik für autonomes Fahren“, erklärt Kai Pabélick, Business Development Manager bei IEE für Fahrerassistenzsysteme, „ist typischerweise eine Kombination aus verschiedenen Technologien wie Radar, Kamera und Laser.“ IEE konzentriert sich aktuell auf Radarmodule, welche vom autonomen Einparken bis zum automatischen Bremsen eine Vielzahl von Funktionen abdecken.“

IEE hat kürzlich den „Prix de l’innovation“ der FEDIL für den Hands-Off-Detector (HOD) gewonnen. Hierbei erkennt ein Sensor im Lenkrad, wenn der Fahrer wieder die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen will. Eine solche Funktionalität ist für Fahrzeuge mit autonomen Fahrfunktionen zwingend vorgeschrieben.

Nicht nur das Auto ändert sich, auch für unsere Städte wird das autonome Fahren einige Änderungen in der Zukunft mit sich bringen; die entsprechende technische Infrastruktur muss hier weitgehend noch erst geschaffen werden.