LUXEMBURG
CHANTAL GARY

Als Drittgewählte auf der Ostliste der „déi gréng“ rückte Chantal Gary im vergangenen Oktober in die Abgeordnetenkammer nach, wo sie den Parlamentssitz ihres Onkels Henri Kox übernahm, der seinerseits in die Regierung wechselte. Besonders am Herzen liegt der 32-Jährigen der Klimaschutz und die Mobilität, derweil Chantal Gary privat viel Freude am Weinbau hat.

„Als Geografin hatte ich die Gelegenheit, viele verschiedene Länder zu besuchen und dabei diverse Lebensräume, Menschen, Kulturen und landwirtschaftliche Anbautechniken kennenzulernen. Ich durfte Erfahrungen sammeln, von unserer lokalen Landwirtschaft - insbesondere dem luxemburgischen Weinbau - über die Selbstversorgung kleiner Bauern in Burkina Faso, Bioplantagen von Fairtrade-Produzenten in Peru bis zur Bauernvertreibung der brasilianischen Agrardekadenz. Durch die Begegnungen mit vielen verschiedenen Bauern habe ich aus erster Hand erlebt, welchen Herausforderungen die jeweiligen Landwirte ausgesetzt sind.

Die größte Gemeinsamkeit dieser Menschen, über alle Kontinente hinweg, ist wohl die Notwendigkeit eines fruchtbaren und produktiven Bodens. Ein gesunder Boden liefert nämlich die nötigen Nährstoffe für Pflanzen, ist ein Lebensraum für Bodenorganismen, sowie auch einer der wichtigsten Kohlenstoffspeicher. Damit können Landwirte einen großen Dienst im Schutz unserer Lebens- und Produktionsgrundlagen Boden, Luft und Wasser leisten. Die Aufgabe der Politik ist es, den Bauern und Winzern zu ermöglichen, ihre Böden möglichst schonend und weniger intensiv zu bewirtschaften, und somit zu gewährleisten, dass unsere natürlichen Ressourcen langfristig gesund und produktiv bleiben. Die Politik muss deutlich den Mehrwert einer biologischen und nachhaltigen Landwirtschaft anerkennen und deren kontinuierliche Entwicklung fördern.

Der kürzlich vorgestellte Bioaktionsplan (PAN Bio 2025) ist ein Kernelement in der Entwicklung der biologischen Landwirtschaft in Luxemburg. Aktuell liegt der Anteil biologischer Landwirtschaft in Luxemburg bei 4,6 Prozent (im Vergleich: 7 Prozent in Europa). Der Plan führt uns zur Umsetzung des Ziels von 20 Prozent Biolandwirtschaft bis 2025. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich die Regierung als Aufgabe gesetzt, einerseits den Bio-Produzenten und den Produzenten in Umstellung verbesserte finanzielle Hilfestellungen zu bieten.

Ganz wichtig ist es auch, dass genügend Begleitung, Beratung und Ausbildung für die Landwirte vorgesehen sind. Um die Attraktivität der Umstellung zu gewährleisten, muss auf der anderen Seite auch der Absatz der Bio-Produkte gesichert sein: Der Konsument soll über die hochwertige Qualität der Produkte informiert und sensibilisiert werden, und der Anteil der biologischen und regionalen Lebensmittel in der staatlich subventionierten Restauration erhöht werden.

Neben einem gesunden und fruchtbaren Boden ist die zweithöchste Abhängigkeit des Produzenten nämlich die Nachfrage des Konsumenten. Somit ist es unabdingbar, dass der Konsument – also jeder einzelne, aber auch der Horesca-Bereich – seinen Konsum möglichst nach bio, fairen und regionalen Produkten ausrichtet.

Nun ist es an uns Abgeordneten, den Bioaktionsplan zu begleiten und dafür zu sorgen, dass die Maßnahmen mit Leben gefüllt werden, und so mit den Landwirten zusammen umgesetzt werden.“