LUXEMBURG
JEFF KARIER

Was für Manuel Huss die Faszination Weltraum ausmacht

Sonne, Mond und Sterne haben die Menschheit seit jeher fasziniert. Nahezu jede Zivilisation, Kultur und Religion hat sich mit dem Himmel beschäftigt und auf ihre jeweils eigene Art und Weise interpretiert. Für Manuel Huss ist der Himmel mit seinen Körpern ein Kulturgut, eine Konstante, die sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte zieht.

Jedoch wandert unser Blick immer seltener nach oben, um das Schauspiel des Nachthimmels zu genießen. Etwas, das Manuel Huss sehr bedauert. Er beschäftigt sich seit Jahren mit dem Weltraum und ist Astrofotograf. Wir seien durch unseren Lebensstil so sehr abgelenkt, dass wir den direkten Bezug zu den Sternen verloren hätten. „Hinzu kommt, dass wir durch die Lichtverschmutzung immer weniger vom Himmel sehen“, bedauert er. Je nach Region der Erde erkennt man nachts nur noch den Mond, aber keinen Stern mehr am Firmament.

Unendlich und doch so nahe

Die Faszination für das Weltall wurzelt bei Huss in seiner Kindheit. „Solange ich zurückdenken kann, habe ich mich dafür interessiert“, meint Huss. Dabei spielte sein Großvater eine große Rolle. Der sammelte Briefmarken. Auf einigen waren Satelliten und Planeten abgebildet. „Er hat mir immer die Geschichten dazu erzählt. Seitdem bin ich vom Weltall fasziniert.“

Aus heutiger Sicht ist es vor allem das Gigantische, der Kontrast zu unserem alltäglichen Leben, der für ihn den Reiz ausmacht. „Der Weltraum ist unendlich und doch so nahe. Denn wir müssen nur warten, bis es dunkel ist, bis wir die Sterne und anderen Dinge sehen, über die wir immer noch sehr wenig wissen. Das Rätselhafte ist das, was fasziniert.“ Hinzu kommen die Fragen, die sich einem stellen, wenn man sich mit Sternen, Nebeln und anderen Himmelskörpern beschäftigt.  

Die Vorstellung, dass die Sterne, die wir sehen, beziehungsweise deren Licht, zum Teil Millionen Jahre unterwegs war, bevor es in unsere Augen fällt, gibt einen Eindruck von der Größe und dem Ausmaß des Universums. „Außerdem bedeutet das, dass der Himmel zeigt, was vor Tausenden oder Millionen von Jahren war.“ Zu seinem Bedauern stellt Huss auch immer wieder fest, dass selbst eigentlich gebildete Menschen kaum etwas über den Weltraum wissen. „Manche kennen nicht einmal den Unterschied zwischen einem Planeten und einem Stern.“ Er wünscht sich, dass sich wieder mehr Menschen für Astronomie begeistern und dass dieses bereits in den Schulen vermittelt würde.

Lëtzebuerger Journal
astrofotografie

Den Sternen ganz nahe

Astrofotografie, also das Fotografieren des Weltraums und allen Himmelskörpern, ist ein sehr breites Feld. „Wenn man nachts mit dem Handy ein Landschaftsfoto samt Mond macht, kann man bereits von einer Art Astrofotografie sprechen“, meint Huss. Wer erste Schritte in diesem Bereich machen möchte, der kann dies mit einer Spiegelreflexkamera sowie einem Weitwinkelobjektiv und einem Stativ tun. „Hierbei stellt man dann eine Belichtungszeit von beispielsweise zehn bis 20 Sekunden ein“, erklärt der Astrofotograf.
Wichtig ist, dass man sich einen Ort sucht, der möglichst wenig Lichtverschmutzung aufweist. So könne man bereits ein Foto der Milchstraße machen. Der nächste Schritt wäre die Verwendung eines „Star trackers“. Ein kleines Gerät, das man zwischen Stativ und Kamera befestigt und das die Bewegung des Sternenhimmels ausgleicht. „Dadurch kann man noch längere Belichtungszeiten erreichen, ohne dass die Sterne verschwimmen oder zu Strichen am Himmel werden.“ Durch eine Belichtungszeit von mehreren Minuten kann man tiefere Aufnahmen des Himmels machen. In Kombination mit mehreren Aufnahmen und speziellen Programmen kann man auch Nebel abbilden. „Dann ist man bereits mit einem Bein in der ‚deep sky photography‘“, meint Huss.
Je nachdem, was man fotografieren möchte, braucht man eine andere Ausrüstung, für die man schnell viel Geld ausgeben kann. Bei der „deep sky photography“ verwendet man normalerweise Teleskope. Dann allerdings mit einer speziellen Astrokamera sowie einem recht schweren Stativ und einer Montierung, die ebenfalls die Bewegung des Himmels kompensiert. „Hier arbeitet man mit Brennweiten von 500 Millimeter bis 1,5 Meter.“ Auch hier werden mehrere Bilder gemacht, die anschließend mit einem Programm zu einem Foto zusammengefügt werden.
Wer den Mond fotografieren möchte, der muss ganz anders vorgehen. Denn der Mond ist im Vergleich zu den Sternen sehr hell. Entsprechend muss man hier nicht lange belichten. „Das gilt auch für die Planeten unseres Sonnensystems.“ Hier setzt man idealerweise ein Teleskop ein, das eine Brennweite von über einem Meter hat. „Hinzu kommt eine Planetenkamera, mit der man den Mond oder einen Planeten filmt, und zwar zum Beispiel mit 30 Bildern in der Sekunde“, erklärt Huss. Dann wird eine Aufnahme von zwei bis drei Minuten gemacht, in der man rund 3.000 Fotos sammelt, die von einer Software nach Qualität sortiert werden. „Durch unsere Atmosphäre kommt es zu Turbulenzen, die das Bild beeinträchtigen.“ 20 bis 30 Prozent der besten Bilder werden dann zu einem Foto zusammengerechnet.