LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Im Kino: „Stan & Ollie“ ist eine Hommage an Stan Laurel und Oliver Hardy

Es wundert nicht weiter, wenn man an der Kasse vom „Kinepolis Kirchberg“ nach einem Ticket für „den Décken an den Dënnen“ fragt und der frankophone Kassierer nicht weiß, welchen Film man sehen will. Dass er aber „Laurel et Hardy“ nicht kennt, macht doch stutzig, und man kann sich fragen, was aus der allgemeinen Kulturbildung geworden ist. Handy, Computerspiele, ja, aber wer das beste Komiker-Duo aller Zeiten war, davon hat die Jugend keine Ahnung. 98 Minuten Nachhilfeunterricht bietet der wunderbare Film „Stan & Ollie“ von Jon S. Baird, der die letzte Tournee der beiden Komiker durch Großbritannien auf der Leinwand nachzeichnet.

Fast vergessen

Der Film beginnt 1937. Der Vertrag zwischen Stan Laurel (Steve Coogan) und Oliver Hardy (John C. Reilly) und Produzent Hal Roach (Danny Huston) wird bald auslaufen. Stan regt sich auf, dass Leute wie Charlie Chaplin oder Buster Keaton viel mehr Geld verdienen als sie. Er will mit Roach verhandeln, was Ollie, der von allen „Babe“ genannt wird, aber ablehnt, da er das Geld braucht - er wettet nämlich notorisch bei Pferderennen. So bricht Stan nicht nur mit Roach, sondern auch mit Ollie.

1953. Die fast vergessenen Stan und Ollie sind vom britischen Theaterproduzenten Bernard Delfont (Rufus Jones) engagiert worden, durch Großbritannien zu touren, mit Auftritten in London als Apotheose. Der Kartenverkauf läuft schlecht, und Delfont hat die Idee, die beiden Komiker für Werbezwecke zu benutzen. Durch die Kampagne tauchen die Namen der beiden in allen Medien auf, und bald sind ihre Shows ausverkauft. Stan hofft außerdem, dass ein Produzent ihren neuen Film finanzieren wird. In London treffen auch beider Frauen ein, Ida Laurel (Nina Arianda) und Lucille Hardy (Shirley Henderson).

Beste Freunde

Regisseur Bairds Hauptanliegen ist es, zu zeigen, wie die Freundschaft zwischen den beiden, auf die Probe gestellt wird. Ollie hat wegen seiner Manie, auf Pferde zu wetten, Geldprobleme. Er bricht die Freundschaft wegen seines steten Geldmangels ab und bleibt bei Roach. Stan verlässt den Produzenten, bleibt Ollie aber treu und dreht keinen Film mehr ohne ihn. Er weiß, dass sie nur zu zweit die Leute in den Kinos zum Lachen bringen. Nach einem Streit mit Ollie macht sich in Stans Gesicht die Enttäuschung breit. Und wiederum ist für ihn die Freundschaft wichtiger. Diese Thematik behandelt der Regisseur mit enorm viel Feinfühligkeit, die betroffen macht.

Zu Momenten glaubt man, dass Stan & Ollie wieders
da sind. Das Make-Up-Department hat Großartiges geleistet. Coogan und Reilly sehen den beiden Komikern ähnlich, als wären es ihre Zwillingsbrüder. Die Witze des Original-Duos funktionieren immer noch, selbst nachgespielt. Somit ist „Stan & Ollie“ ein nicht zu verpassender Film, und das sicher nicht nur für eingefleischte Filmkenner.