INSENBORN
CORDELIA CHATON

Der Präsident der Vereinigung „Les Bucherons du Nord asbl“ Jeannot Huijben über Waldwirtschaft, Holzfäller und das „Bëschfest“

Am Samstag und Sonntag fand das 31. „Bëschfest“ zum zweiten Mal im „Centre nature et forêt Burfelt“ am Stausee unter dem Motto „Ee Bësch fir Jiddereen“ statt. Ursprünglich wurde es 1989 in der Gemeinde Clerf gegründet, um dem Waldarbeiter-Beruf zu mehr Wertschätzung zu verhelfen. Deshalb wurde eigens ein Verein gegründet, die Asbl „Bucherons du nord“. Heute ist das „Bëschfest“ eine Institution - und es geht um weit mehr, wie Vereinspräsident Jeannot Huijben uns erklärt.

Herr Huijben, ist das „Bëschfest“, was es mal war?

Jeannot Huijben Heute geht es längst nicht mehr nur um den Beruf des Waldarbeiters, auch, wenn wir viele Veranstaltungen und Wettbewerbe dazu haben. Im Mittelpunkt steht heute auch der Wald als Lebens- und Erholungsraum, Biodiversität, naturnahe und nachhaltige Waldwirtschaft, Energieholz oder der Erlebnisbereich Wasser, um nur einige zu nennen. Gleichzeitig wollen wir den Wald Familien und Kindern nahebringen. Deshalb wird das Fest nun nicht nur von unserem Verein ausgerichtet, sondern auch von der Natur- und Forstverwaltung und zahlreichen weiteren Vereinen aus dem Natur- und Holzschutz mitgetragen.

Welche Rolle spielen Holzfäller heute?

Huijben Insgesamt arbeiten geschätzt 500 Leute im Wald, die aber längst nicht alle Holzfäller heißen. Bei der Naturverwaltung nennen sie sie „Operateur de l’environement“, weil die Aufgaben weit über die des Holzfällers hinausgehen. Mit den Holzfällermeisterschaften, die wir beim „Bëschfest“ ausrichten, gehen wir auch auf die modernen Aspekte des Berufs ein. Dort geht es ja nicht nur um Kraft, sondern auch um Geschicklichkeit, Präzision oder Kreativität; beispielsweise beim Skulpturen-Schneiden.

In Luxemburg gibt es seit diesem Sommer ein neues Waldgesetz, das das alte von 1617 ablöst. Es sieht auch fünf Prozent der Waldfläche vor, die ungenutzt bleiben. Wie stehen Sie dazu?

Huijben Wir sind alle daran gebunden und finden das gut. Wir üben uns in einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Denn wir nutzen nur einen Teil des Waldes. Die Stilllegung bestimmter Zonen ist für die Biodiversität enorm wichtig. In diesem Kontext ist es sehr wichtig, dass es naturnah genützte Wälder mit verschiedenen Labels gibt, wo dann nicht mehr Ganzwaldnutzung gemacht wird, sondern solche Orte in den so genannten Wirtschaftswäldern bestehen bleiben. Es ist essenziel, das moderner Waldarbeiter sich daran halten. Der Wald ist nicht nur Wirtschaftsfaktor, sondern auch für das Klima, die Biodiversität und die Naherholung sehr wichtig.

In den Wäldern Skandinaviens gibt es Bereiche, in denen nie geschlagen wird und wo das Moos bis zu 20 cm dick ist. Wären so ursprüngliche Ecken hier denkbar?

Huijben Der Unterschied ist erstmal, dass man in Luxemburg fast überall Kulturlandschaft hat. Egal, ob man nun fünf Prozent schützt oder nicht: In allen Flächen des Waldes wurde zuvor schon gearbeitet. Das ist in Skandinavien nicht der Fall. Dort, wo die meisten Leute Natur sehen, sehe ich Kulturlandschaft, die in der Vergangenheit in diversen Formen vom Menschen beeinflusst wurde; beispielsweise die Lohhecken im Ösling. Somit ist die Ausgangsbasis meisten immer noch der Wirtschaftswald. Aber es braucht natürlich eine lange Zeit, bis man solche menschlichen Einflüsse verwischt.

Wie sieht der Zeithorizont bei der Waldwirtschaft aus?

Huijben Das ist von der Baumart und der waldbaulichen Zielsetzung abhängig. Bei Nadelholz liegt die Umtriebszeit bei rund 80 bis 90 Jahren bei naturnaher Bewirtschaftung. Im Laubwirtschaftswald rechnet man bei Buchen mit 120 Jahren und bei Eichen mit 200 Jahren. Das ist der Zeitraum, in dem ein Förster denken muss.

Als Wirtschaftsort wird der Wald für Holz genutzt. Wie ist hier die Preisentwicklung?

Huijben Bis vor kurzer Zeit waren die Preise relativ stabil und nicht schlecht. Jetzt aber sind sie gesunken, weil es zurzeit sehr starken Borkenkäferbefall in den Nadelholzbeständen gibt. Dieser ist bedingt durch langes, trockenes Wetter.

Das trifft allerdings nicht nur uns, sondern auch die Nachbarländer. Übrigens ist die Gefahr noch nicht vorbei, denn selbst wenn wir versuchen, alle befallenen Stämme zu entfernen, kann es noch zu Schaden kommen. Das geschieht vor allem dann, wenn sich das Wetter nochmals bessert.

Wie sehr trifft die Trockenheit den Luxemburger Wald?

Huijben Bäume können generell sehr gut mit klimatischen Unterschieden klar kommen. Das hängt natürlich auch vom Standort ab. Das Ösling mit dem flachen, Schieferboden ist natürlich besonders gefährdet. Das sind komplexe Vorgänge, bei denen nicht nur ein Faktor eine Rolle spielt.