LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Ex-Polizist muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten

Wegen gefährlicher Körperverletzung und Stalking steht der 28-jährige Arno P. derzeit in Luxemburg vor Gericht. Wie die Luxemburger Staatsanwaltschaft berichtet, hatte der Polizist in der Nacht vom 12. auf den 13. November 2016 in einer Diskothek in Limpertsberg den neuen Partner (33) seiner Ex-Freundin (31) angegriffen und verletzt. Gestern startete der Prozess.

Video im Prozeßsaal

Ein Video zeigt den Zwischenfall im Innern der Diskothek. Das Opfer Roland G. (33) ist ebenfalls Polizist und die Videoaufnahmen dienen ihm vor Gericht als Beweis. Im Video sieht man, dass es plötzlich zum Gerangel kommt, bei dem P. auf G. einschlägt. Auslöser für die Tat war laut Angaben des Angeklagten keine Eifersucht, sondern Rage; die sei über ihn gekommen, als er zufällig seine Ex-Freundin mit dem Polizisten in der Diskothek erblickte.

P. gibt zu Protokoll, an diesem Tag mit zwei weiteren Kollegen seinen Umzug gefeiert zu haben. Dadurch habe er die beiden Kollegen eingeladen, ein bisschen auszugehen. So seien sie in der besagten Disko gelandet, wo P. auf seine Ex-Freundin traf. Die Ex-Freundin gab zu Protokoll, sie wäre nach einem Abendessen mit zwei Freundinnen und ihrem neuen Freund in der Diskothek gelandet. Sie hatte ihm gegenüber am Telefon behauptet, an diesem Tag im Ausland zu sein. Nun sei sie aber mit einem anderen Mann in der Diskothek aufgetaucht. Weil sie ihn belog, stellte P. sie zur Rede.

Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin, ob die Prügel eine Reaktion auf provokantes oder gar aggressives Verhalten des anderen Polizisten waren, antwortete der Angeklagte P. mit einem klaren Nein. P. bestreitet vor Gericht, die Tat geplant zu haben, er hätte das nie beabsichtigt. Das betonte sein Verteidiger Rosario Grasso ebenfalls eindeutig vor Gericht und meinte: „Das Vorgang ist glasklar.“ Die Kriminalkammer Luxemburg will sich in zwei Verhandlungstagen mit dem Fall beschäftigen. Sechs Zeugen sagten gestern aus, wie das Gerangel zustande kam. Alle behaupteten, das Opfer hätte sich nicht gewehrt.

Polizeibeamte waren in der besagten Nacht zu der Schlägerei keine gerufen worden, sagte Hauptkommissar Christian Kieffer der Generalinspektion der Polizei. Niemand habe den Notruf angerufen oder eine Ambulanz. Der Verletzte wurde von seiner Freundin persönlich in die Klinik gefahren. Die Folgen für das Opfer sind fatal: Der Polizist erlitt eine lebensbedrohliche Verletzung am rechten Auge. Heute habe er Probleme, er sieht Bilder doppelt, was als Diplopie bezeichnet wird. Dabei treten die Doppelbilder in der selben Achse horizontal, vertikal oder diagonal zueinander auf.

Vor Gericht erklärt die Rechtsmedizinerin Dr. Daniella Bellmann, sie könne die bleibende Diplopie nicht auf diesen Vorfall zurückführen. Es fehlen ihr drei Jahre medizinische Akten. Das Ganze soll noch einmal medizinisch überprüft werden. Die Vorsitzende Richterin will deshalb ein Zusatzgutachten in Auftrag geben. Das Opfer erlitt weitere Wunden im Gesicht und eine Platzwunde am Hinterkopf. Vor Gericht gab G. zu Protokoll, täglich an Schmerzen zu leiden und in psychiatrischer Behandlung zu sein. Derzeit sei sein Gesundheitszustand stabil.

Der angeklagte P. war nach der physischen Aggression suspendiert worden, inzwischen ist er auf der Suche nach einer neuen Arbeit. „Die einzige Stelle, wo sie nicht hingehören, ist bei der Polizei. Ihnen fehlt die Selbstbeherrschung“, meinte die Vorsitzende Richterin Sylvie Conter.

Die Eifersucht nahm krankhafte Züge an. Irgendwann zog die Freundin endgültig aus, und es begann ein Dauerfeuer an Belästigungen. Praktisch täglich stand P. jetzt in ihrem Büro oder lauerte ihr auf. Wie verzweifelt P. war, lässt sich seinen unzähligen Telefonanrufen, E-Mails und SMS an die Ex-Freundin entnehmen, die dem Gericht teilweise vorliegen. Der Angeklagte meinte, er hätte das alles schlecht verdaut. „Da gibt es Sachen, die ich nie aufgearbeitet habe. Ich habe immer alles verdrängt.“ P., der Antidepressiva nimmt, spricht von einem anderen Selbstwertgefühl und entschuldigt sich formell beim Opfer und seiner Ex-Freundin. In seinem Schlusswort sagt P.: „Ich komme als besserer Mensch aus dieser Sache heraus. Ich habe viel über mich gelernt.“

In der Nebenklage forderte der Anwalt Philippe Penning für seinen Mandanten einen Schadenersatz von insgesamt 102.763 Euro. In einer zweiten Nebenklage fordert Anwalt Marc Lentz für die Ex-Freundin einen Schadenersatz (inklusive Prozedurkosten) von 10.000 Euro.

Der Prozess wird heute um 15.00 fortgesetzt.