LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Lebensmittelverschwendung, sanfte Mobilität, Holznutzung: Wie Luxemburg nachhaltiger konsumieren und produzieren soll

Es dürfte eine der schwierigeren Aufgaben für Luxemburg werden: Nachhaltiger Konsum und Produktion lautet in unserer Serie diesmal das Stichwort. Mit dem zwölften UN-Nachhaltigkeitsziel hat sich die Weltgemeinschaft vorgenommen, bis 2030 eine „nachhaltige Bewirtschaftung und effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen zu erreichen“. Unter dieses „Sustainable Development Goal“ (SDG) fallen ebenfalls der Kampf gegen Nahrungsmittelverschwendung oder die Abfallverringerung.

Doch auch über ein anderes Unterziel wird das Großherzogtum in die Verantwortung genommen. Insbesondere große und transnationale Konzerne, von denen einige ihren Sitz hierzulande haben, sollen dazu „ermutigt“ werden, „nachhaltige Verfahren einzuführen“ und über ihre Nachhaltigkeit Bericht abzulegen. Man denkt dabei an die Forderung von Nichtregierungsorganisation nach einer gesetzlichen Sorgfaltspflicht. Weiteres UN-Unterziel: Die „ineffiziente Subventionierung fossiler Brennstoffe, die zu verschwenderischem Verbrauch verleitet, durch Beseitigung von Marktverzerrungen entsprechend den nationalen Gegebenheiten rationalisieren“. Im Klartext: Diese schädlichen Subventionen sollen irgendwann abgeschafft werden.

Wie will sich Luxemburg dem zwölften UN-Nachhaltigkeitsziel annähern? In den zehn Prioritäten des Entwurfs des dritten nationalen Plans für nachhaltige Entwicklung muss man dafür insbesondere das dritte Kapitel aufschlagen. Wie bereits in vorherigen Teilen dieser Serie angeschnitten, will die Regierung zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks Luxemburgs die Kreislaufwirtschaft zum „Vorbildsektor unserer Wirtschaft und unseres Alltags“ machen.

„Zero Waste“, Sensibilisierung

Einen weiteren Akzent setzt das Dokument - man erinnert sich an die Debatte über „Zero Waste“ im Mai im Parlament - auf die Reduzierung von Verpackungsabfällen. Zur Abwechslung benennt der dritte Entwurf des Nachhaltigkeitsplans zumindest teilweise konkrete Ziele. So sollen bis 2022 mindestens 70 Prozent der Verpackungsabfälle recycled werden, Einwegplastiktüten irgendwann verschwinden und der Gebrauch von leichten Plastiktüten wie jenen im Obstregal „nachhaltig reduziert“ werden. Was die Reduzierung von Lebensmittelabfällen angeht, verweist das Dokument auf Sensibilisierungsarbeit und einen „Solidaritätspakt“ mit - Stand September 2018 - 74 Gemeinden des Landes. Die Kommunen sollen damit vor Ort Maßnahmen zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen ergreifen. Erwähnt wird zudem das Label „Natur genéissen“ für Lebensmittel, die nach nachhaltige Kriterien angebaut und über kurze Wege zu einer gesunden Ernährung in „Maisons relais“ beitragen sollen. Weiter sollen die Verbraucher zu einem saisonalen und regionalen Konsum angeregt werden. Auch die Ressource Holz soll verstärkt zum Einsatz kommen. Von potenziellen 750.000 Kubikmetern jährlich wurden heute nur etwa 500.000 genutzt, hält das Dokument fest. Unter anderem deshalb wurde der „Wood Cluster“ 2016 ins Leben gerufen.

Abgesehen vom Aspekt der „Circular Economy“ findet man in dem Dokument nur sehr wenig zum Thema nachhaltige Produktion. Im Entwurf des Plans heißt es lediglich, die Regierung wolle Innovation im Sinne von nachhaltigen Produktionsverfahren unterstützen.

Im neuen sektoriellen Leitplan „Logement“ werden zudem mehrere Standorte für „innovative und nachhaltige“ Wohnungsprogramme reserviert. Die Wohnungen sollen wenig Fläche und Energie verbrauchen und auf den öffentlichen Transport und die sanfte Mobilität ausgerichtet sein. Was dann zugleich ein weiteres Stichwort oder vielmehr eine Priorität im Entwurf des Nachhaltigkeitsplans ist. Beim Thema Mobilität ist die grobe Marschrichtung bekannt: Mehr öffentliche und sanfte Mobilität.