LUXEMBURGGERHARD KLUTH

Petersburger Orchester gastiert auf dem Kirchberg

Mit dem Orchester des St. Petersburger Mariinski Theaters war einer der ältesten russischen Klangkörper im Großherzogtum zu Gast. An gleich zwei Abenden füllte es unter der Leitung seines Chefdirigenten Valery Gergiev das Grand Auditorium. Für den zweiten Abend hatten sich die Russen Werke aus der dritten und vierten Dekade des letzten Jahrhunderts ausgewählt. Zum einen war dies der Meditationszyklus „L’Ascension“ von Olivier Messiaen aus dem Jahr 1933, zum anderen die siebte Sinfonie, die Leningrader, von Dmitri Schostakowitsch.

Synonym für millionenfaches Leid

Schostakowitschs Opus 7 ist die populärste Sinfonie, die er zu Papier gebracht hat. Drei der insgesamt vier Sätze entstanden in der Heimatstadt des gastierenden Orchesters, die jedoch im Jahre 1941 Leningrad hieß. Jener Stadt also, die vielleicht mehr als andere Orte zum Synonym wurden für das millionenfache Leid, das der zweite Weltkrieg über Europa und die Welt gebracht hatte. Gergiev und seine Musiker verstanden es exzellent, den Ton zu treffen, den der Komponist vorgegeben hat. Wut und Trauer, Euphorie und Verzweiflung, all das ließ die Musik aufflammen. Gergiev klagte an und jubelte, er beweinte und er siegte. Er erinnerte und blickte gleichzeitig voraus. Den Opfern und den Helden wurde hier ein Denkmal gesetzt. Möglich wurde es, weil Gergiev einem Orchester vorstand, das in allen Registern über herausragende Akteure verfügt. Angefangen bei einem Streicherapparat, dessen Farbigkeit ein ums andere Mal staunen ließ, über Holzbläser, die ihre Aufgaben wundervoll meisterten bis hin zu einem Blech, das immer wieder kraftvolle Akzente zu setzen wusste. Bei dieser Musik war dieses Orchester so ganz zuhause, so ganz bei sich.

Anders bei Messiaen. Der Meister selbst maß den vier Meditationen über die Himmelfahrt Christi in seinem Gesamtwerk nur eine marginale Bedeutung zu. Es existiert in zwei Fassungen, einmal für großes Orchester und einmal für Orgel. Und tatsächlich ist, vielleicht auf Grund des durchgängig sakralen Charakters die Orgelfassung die stimmigere. In ihr werden die vielen Farbvariationen deutlicher, die Aussagen lassen sich leichter nachvollziehen. Aber auch handwerklich hatte die Interpretation der Petersburger auf dem Kirchberg einige Mängel. So mangelte es an manchen Stellen doch an der Präzision im Zusammenspiel und auch die fließende Dynamik, die bei Schostakowitsch nach der Pause begeistern sollte, ließ hier so manchen Wunsch unerfüllt. Trotzdem war es ein großer Abend.