LUXEMBURG
SVEN WOHL

Spielfokus: Castlevania

Filme dienen oft als Inspirationsstoff für Videospiele. Das ist am einfachsten bei frühen Spielen aus dem Hause Konami zu sehen, wo „Rambo“ und „Predator“ bereits für die „Contra“-Serie Pate standen. Bei „Castlevania“, aus dem Jahr 1986, scheint die Inspirationsquelle reichlich offensichtlich zu sein: Die zahlreichen Dracula-Filme werden hier, den technischen Möglichkeiten entsprechend, neu interpretiert und angereichert.

Horrorstreifen

Es verwundert also nicht, wenn bereits auf dem Startbildschirm eine Filmrolle zu sehen ist, so als würde man einen alten Horrorstreifen sehen. Dabei reduziert „Castlevania“ die typischen Handlungselemente auf das Nötigste: Es gibt ein Schloss, Dracula und einen Helden. Dazu gesellen sich dann och einmal allerlei Monster, die aus zweitklassigen Horrorfilmen des Schwarz-Weiß-Films stammen. Die Mischung hat einen fast satirischen Effekt, trägt allerdings zur Stimmung des Spieles bei. Überraschend ist in dieser Hinsicht jedoch die Peitsche, eine recht ungewöhnliche Waffe für ein Actionspiel, die jedoch der Serie einen Großteil ihrer Originalität spendiert. Denn die Peitsche bringt bei jedem Schlag eine gewisse Verzögerung mit sich, die bei den Kämpfen des Seitwärts-Scrollers eine gewisse strategische Vorausplanung nötig mach.

Das streng lineare Leveldesign ist hierbei genau auf die kleinen Umständlichkeiten der Steuerung angepasst. Die kurze Verzögerung der Peitsche gepaart mit dem vorgeschriebenen Sprungverlauf wirken im Vergleich zu anderen Action-Plattformern jener Zeit geradezu archaisch, aber die Level sind so designt, dass diese Elemente Teil der Spannungskurve werden. So werden diese Schwächen nicht drastisch ausgenutzt, sondern schlicht nuanciert dargestellt. Das heißt nicht, dass das Spiel nicht schwer ist, ganz im Gegenteil, es ist sogar hammerschwer! Jeder gegnerischer Treffer kostet einen viele Lebenspunkte und schleudern einen ein Stück weit zurück, was bei den tiefen und tödlichen Abgründen, die sich überall auftun, schnell in Frustration ausarten kann.

Eine große Hilfe sind da natürlich die Sub-Waffen. Dazu gehören heiliges Wasser, Äxte, Kreuze und eine Stoppuhr. Sie bieten alle jeweils individuelle Fähigkeiten, die es bestens verstehen, die Begrenzungen der Peitsche zu umgehen. Die Axt etwa fliegt in einem hohen Bogen und macht es somit möglich, Gegner zu treffen, die sich über einem befinden. Das heilige Wasser dagegen fliegt in einem flachen Bogen nach unten, schafft jedoch eine Flamme, die kurz verbleibt. Je nach Situation ist die Stoppuhr jedoch am besten, sie stoppt nämlich die Zeit und hält damit alle Gegner an.

Gruseliger Grafik und Soundtrack

Wer heute dem Titel noch eine Chance gibt, der wird sich eventuell an der Grafik stören, die selbst nicht so gut gealtert ist, wie es bei anderen, vergleichbaren Titeln der Fall ist. Tatsächlich sind die Animationen sehr dürftig und die Farbkombinationen, auch wenn sie sehr effektiv mit Komplementärfarben umgehen, irritieren schon. Absoluter Kult ist dagegen der tolle Soundtrack, der bis heute regelmäßig im Internet remixed wird. Das auch vollkommen zu Recht, ist dieser doch stimmig und passt perfekt zum Flair des Titels.

Mit „Castlevania“ lieferte Konami den Startpunkt für eine der langlebigsten Serien der Videospielgeschichte. Die Kunst lag hier darin, das Konzept immer wieder einmal zumindest ein wenig zu variieren, weshalb einige Titel der Serie bis heute Kultstatus genießen. Der Erstling war für seine Zeit einzigartig komplex und ist selbst heute noch uneingeschränkt spielbar. Aktuell ist das Original auf der Wii Virtual Console für 5€ erhältlich.