Der Schwangerschaftsabbruch ist eine unendliche Geschichte in der öffentlichen Debatte. Während über Jahre die Dringlichkeit einer Reform heftig diskutiert wurde, da eine gesetzliche Regelung der Abtreibung aus dem Jahr 1978 aktualisiert werden musste, kam es 2012 zu einem neuen Gesetz, das immerhin dazu führte, dass der Schwangerschaftstourismus in andere Länder drastisch abgenommen hat.

Das bestehende Gesetz soll jedoch noch weiter liberalisiert werden, u.a. soll die zweite obligatorische Beratung abgeschafft werden, damit Frauen noch eigenständiger entscheiden können, ob sie ein Kind behalten wollen oder nicht. Die anstehende Reform findet dann auch ihren Niederschlag in den Medien, es wird wieder über den Beginn des Lebens philosophiert und die moralische Verpflichtung, einen Embryo als werdendes Leben zu schützen. Natürlich beginnt das Leben im Moment der Befruchtung, und natürlich sind ein Embryo, und mit ihm die Mutter, schützenswert. Allerdings sieht die soziale Realität der Menschen im Laufe der Geschichte und überall in der Welt anders aus als Moral und Philosophie. Gesetzgeber müssen schlicht und einfach Menschen helfen.

So registrierte zum Beispiel der Planning Familial im Jahr 2013 389 Schwangerschaftsabbrüche. Die jüngst betroffene Frau war zwölf Jahre alt, die älteste 47. Viele waren nicht über die Gesetzeslage in Luxemburg informiert, und nur 52% griffen auf moderne Verhütungsmittel zurück, die aber nicht richtig verwendet wurden. Frauen, die abtreiben wollen, sind in keiner festen Partnerschaft, haben Vorurteile gegenüber Verhütungsmitteln, oder hatten vielleicht unbewusst den Wunsch nach einem Kind. Schaut man sich also hier die sozialen Realitäten an, die oft gepaart sind mit finanzieller Prekarität, versteht man das Ausmaß der Problematik in unserem Land. Verbesserte sexuelle Aufklärung, erleichterter Zugang zu Verhütungsmitteln, eine bessere soziale Integration aller Frauen sind einige Hebel, bei denen bei uns angesetzt werden muss.

Ein Blick über unsere Grenzen hinaus offenbart, dass zwischen vier und fünf Millionen Afrikanerinnen jährlich abtreiben, wobei die Gesetze in den meisten afrikanischen Ländern sehr restriktiv bleiben. Etwa 30.000 Frauen sterben dabei an den Konsequenzen unhygienisch durchgeführter Schwangerschaftsabbrüche. Wie in einer Pressemitteilung von Amnesty International kürzlich zu lesen war, werden in Salvador Frauen über Jahrzehnte eingesperrt, sogar wegen einer Fehlgeburt. Das Abtreibungsverbot führt also in vielen Ländern der Welt zu einer unendlichen menschlichen Misere. Weltweit, aber auch in Luxemburg, bleibt eine liberale Gesetzgebung und in diesem Sinne auch eine Humanisierung der Gesellschaft allgemein ein „Must“, und dies im Sinne des Respektes des menschlichen Lebens.

Wenn wir uns also den Schutz des Lebens auf die Fahne schreiben wollen, müssen wir uns um die Enttabuisierung der Sexualität, um Aufklärung, soziale Integration, Information, medizinische und psychologische Versorgung, und um den Abbau von Vorurteilen überall in der Welt bemühen.