LUXEMBURG
NADINE BARTHEL UND ANNA-CRISTINA RINGS

Im November feiert der luxemburgische Hebammenverband sein 100. Jubiläum. Rund 100 der etwa 260 Hebammen sind in der Vereinigung zusammengeschlossen, die mit neuem Vorstand, neuem Elan und neuem Logo den Beruf fördern will. Präsidentin Nadine Barthel und  Vorstandsmitglied Anna-Cristina Rings über Geschichte und  Bedeutung der Hebammen und die Ziele der Vereinigung.

„Hebammen spielen seit jeher eine zentrale Rolle nicht nur in der Betreuung von Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt, sondern auch für die Familie und der Gesellschaft insgesamt. Denn von ihrem Wissen und Können hängt viel ab, wie sich Leben weiterentwickeln. Unsere Arbeit besteht nicht nur in der Entbindung, sondern umfasst auch, vor, während und nach der Geburt, Gesundheitsberatung sowie die Beratung der Eltern in punkto Umgang mit dem Baby, Stillen und andere Ernährung . Eine Hebamme leistet neben der physiologischen auch ein stückweit psychologische Betreuung. Vor 100 Jahren, als unser Verband gegründet wurde, war unser Beruf ein liberaler Beruf. Heute zählen wir lediglich rund 30, meist auch nur zum Teil freischaffende Hebammen, die meisten sind im Klinikbereich angestellt.

Wobei  sie seit den Gesundheitsreformen in den 1960ern nicht mehr viel selbst entscheiden können, denn sie dürfen in den allermeisten Fällen nur auf ärztliches Rezept aktiv werden. Und da Leistungen ohne Rezept nicht von der Gesundheitskasse rückerstattet werden, haben freischaffende Hebammen einen schweren Stand, wenn sie unabhängig arbeiten möchten. Wir möchten, dass das ändert und sie vor allem auch bessere Tarife für ihre Arbeit bekommen. Die Nachfrage nach Hebammen ist bei über 7.000 Geburten jährlich in Luxemburg jedenfalls enorm. Auch in Kliniken gibt es nicht genügend Hebammen um überall Mütter zu betreuen. Was viele Frauen nicht wissen: jede hat ein Recht auf Betreuung durch eine Hebamme. Aber völlig frei zu entscheiden, wo sie gebären möchten, etwa zuhause, sind sie nicht, weil in der Gesetzgebung und in der Vergütung Hausgeburten nicht vorgesehen sind.

Wir möchten einerseits erreichen, dass die Leistungen der Hebammen wie gesagt, besser vergütet werden.  Zum 1. Januar ist zwar eine neue Leistungs-Nomenklatur in Kraft getreten, die einen Schritt in diese Richtung geht, aber das reicht noch nicht aus, so dass wir weitere Verhandlungen mit der Gesundheitskasse anstreben. Zweitens muss die Ausbildung angepasst werden.

Momentan kann man nach dem Abitur in drei Jahren ein ‚Brevet de Technicien Supérieur‘ erreichen. Dasist eine sehr intensive Ausbildung, die nur ein Drittel der Anwärter auch schafft. Wir plädieren für ein Ausdehnung der Ausbildung auf vier Jahre und die Schaffung eines ‚Bachelor‘-Diploms, wie es auch andere Länder in Europa derzeit einrichten. Die Kompetenzen, die sich eine Hebamme aneignen muss, werden nämlich immer umfangreicher.

Was alles mit dem Beruf verbunden ist, wollen wir in diesem Jahr in einer Ausstellung zeigen, wir werden aber auch Fachkonferenzen zum Thema organisieren, um ihn sichtbarer für die breite Öffentlichkeit zu machen. Auch in der Hoffnung natürlich, dass junge Leute sich dafür interessieren. Denn es ist ein verantwortungsvoller Beruf mit viel Zukunft.”

www.sages-femmes.lu