ESSEN/LUXEMBURG
PATRICK WELTER

„Techno Classica 2017“ - 185.000 Besucher auf der Oldtimermesse

Man fühlt sich fast wie auf dem luxemburgischen Wohnungsmarkt - die Preise steigen kontinuierlich an und gerade im Luxussektor scheint es überhaupt kein Problem zu sein, die teure Ware an den Mann oder die Frau zu bringen.

Allerdings geht es nicht um Wohnungen sondern um Autos - um alte Autos in jeder Form. Kleine Definition: Ins sammelwürdige Alter kommt ein normales Auto, wenn es das 20. „Lebensjahr“ erreicht hat, dann wandelt es sich beim richtigen Besitzer vom alten Gebrauchten zum „Youngtimer“ - ein reiner Szenebegriff. Anders ist es wenn das Auto mal 30 Jahre alt wird, dann ist es in vielen europäischen Ländern ein „Oldtimer“ und „automobiles Kulturgut“.

1.250 Aussteller aus aller Welt

Um dieses Kulturgut drehte sich von Donnerstag bis Sonntag alles auf der „Techno Classica“ in Essen, trotz großer Konkurrenz in Antwerpen, Paris und Stuttgart ist diese Messe immer noch Traumland aller Petrolheads. In den Messehallen gab es 1.250 kommerzielle Aussteller, 200 Oldtimer-Clubs und mehr. 2.700 Sammlerfahrzeuge wurden zum Kauf angeboten, kein Wunder, dass sich an den Messetagen rund 185.000 Besucher in den Hallen und auf dem Freigelände umsahen. Darunter auch hörbar viele Luxemburger.

Große Konzernauftritte

Für die Besucher gliedert sich die Messe in vier Bereiche. Da sind zunächst die Konzerne, die ihre Traditionsarbeit strategisch betreiben. Der Volkswagenkonzern mit allen Marken, Mercedes-Benz mit seinen anerkannten Markenclubs und BMW/Mini haben jeweils eine Messehalle für sich gebucht. Der große Auftritt wie auf der IAA oder beim Salon Genf. Zu den Ausstellern, die nichts verkaufen wollen gehören noch die rund 200 Clubs, die zum Teil das Vermächtnis längst untergegangener Marken pflegen oder deren Herz an großen Amerikanern hängt.

Keine Chance auf automobile Schnäppchen

Daneben gibt es die vielen freien Autohändler, deren Angebot und Auftreten unfassbar breit aufgestellt ist. Vom südfranzösischen Scheunenfund mit Pappschild auf dem Freigelände bis zum edel präsentierten Luxusklassiker im hohen sechsstelligen Bereich. Schnäppchen findet man eher im Internet oder in der nächsten Regionalzeitung als auf der Messe. Wer auf der Techno Classica ein Auto anbietet, hat meistens sehr selbstbewusste Preisvorstellungen. Wobei die Preise frei kalkuliert werden - für die wahren Enthusiasten eine echte Plage.

Mit den echten Fans und Schraubern sind wir beim dritten Bereich angelangt: Ersatzteile, Werkzeuge und Werkstätten. Hierhin verirrt sich nur, wer wirklich Ahnung hat und konsequent sucht.

Bunter Markt für Fans

Das vierte Geschäftsfeld der Techno Classica ist das bunteste: „Automobilia“: Automodelle in allen Größen und Qualitäten, von zwei bis zweitausend Euro, entweder Massenware oder Einzelanfertigung. Egal, es gibt alles. Altes und Neues. Auch den schweren Staubmantel zum Vorkriegsroadster oder das Kleid mit Petticoat, passend zum Opel Rekord Olympia, kann man kaufen. Alte und neue Blechschilder, kunstvoll gealterte Koffersätze. Natürlich Bücher über Bücher. Einen regelrechten Boom erlebt auch die Kunst rund ums Auto - Foto, Plastik oder riesiges Ölbild. Es gibt alles.

Eine steht fest, angesichts von Plastik und zu viel Elektronik in zeitgenössischen Autos, wächst die Anhängerschaft des rostigsten Hobbys der Welt kontinuierlich.