CONTERN
PATRICK WELTER

Guy Lorent, der neue Bürgermeister von Contern, im Gespräch

So kann’s gehen. Morgens der Schritt in die Pension und abends tritt man dann gleich sein neues Amt als Gemeinderat an. Sechs Jahre später führt dann das kommunalpolitische Engagement auch auf den Stuhl des Bürgermeisters. Gestern wurde Guy Lorent (DP) als neuer Bürgermeister der Gemeinde Contern vereidigt, er wird nun für zwei Jahre die Geschicke der Gemeinde führen. Nötig wurde der Wechsel, weil sein Parteifreund Jean-Marie Mangen das Bürgermeisteramt aus gesundheitlichen Gründen abgeben musste. Zur Mitte der Legislaturperiode wird das Amt an den Koalitionspartner LSAP übergehen.

Guy Lorent war vor seiner Pensionierung 2007 Bauingenieur und lange technischer Direktor eines großen Bauunternehmens. Sein Zeit raubender Beruf war der Hauptgrund dafür, die kommunalpolitische Arbeit erst im Ruhestand aufzunehmen, allerdings ist das Wort „Ruhestand“ für den neuen Bürgermeister völlig falsch gewählt.

Die Conterner Dreierkoalition aus DP, LSAP und Grünen, an deren Spitze Lorent nun steht, basiere auf gemeinsamer Arbeit und habe sich im Prinzip schon am Wahlabend 2011 herauskristallisiert, so Guy Lorent im Gespräch mit unserer Zeitung. Natürlich habe man auch mit der CSV gesprochen, diese habe aber auf einer Umsetzung ihrer politischen Vorstellung bestanden. Im Gegensatz dazu arbeiteten die drei Koalitionsparteien von Anfang an als eine echte Gruppe zusammen. Für Lorent ergänzen sich die Mitglieder des Schöffenrates von ihren Fähigkeiten her komplementär. Jeder habe die Möglichkeit aufgrund seiner Fachkenntnis schnelle Entschlüsse zu treffen, die Abstimmung zwischen den Mitgliedern des Schöffenrates funktioniere perfekt. „Die Entscheidungen fallen heute viel schneller“, so der neue Bürgermeister wörtlich, und dass trotz der Tatsache, dass der neue Schöffenrat alles andere als eine One-man-Show sei. In der Sache entscheide die Kompetenz.

Ein einfacherer Weg zu Baugenehmigungen

Auch nach dem krankheitsbedingten Bürgermeisterwechsel gilt das Koalitionsabkommen weiter. Zu den Zielen gehört es die Dorfkerne zu erneuern und umzugestalten, dort sei in den letzten Jahren nicht viel passiert. Aufgrund der neuen gesetzlichen Vorschriften (2008) muss der Allgemeine Bebauungsplan (PAG) überarbeitet werden, obwohl Contern als eine der wenigen Gemeinden den Zeitplan des Kommunalplanungsgesetzes von 2004 eingehalten hatte.

Wichtig sei, so Lorent, dass Baugenehmigungen schneller erteilt werden können und nicht mehr für jedes, noch so kleine Bauvorhaben ein Teilbebauungsplan (PAP) vorgelegt werden muss. Entscheidungen sollten vor Ort und nicht in einem fernen Ministerium getroffen werden. Wer wenig eigene Verantwortung übernimmt, hat auch wenig eigene Ideen, so das Statement des Bürgermeisters.

Im Schulzentrum wird es wahrscheinlich noch in diesem Jahre einen Ausbau für den Zyklus II geben. In Moutfort soll das Jugendhaus im nächsten Monat fertig gestellt sein und neben der englischsprachigen Kinderkrippe in Moutfort soll auch noch eine weitere in der Gemeinde entstehen.

Service für die Bürger verbessern

Auf das Stichwort Gemeindefusionen reagiert Guy Lorent ganz gelassen. Er sei dem nicht abgeneigt, die gesetzlich an die Gemeinden delegierten Aufgaben würden ständig zunehmen, von der Kinderbetreuung über den aktiven Klimaschutz bis zum Abfallmanagement. Komplexe Aufgaben verlangten nach einer straffen Organisation, die aktuellen Kommunalverwaltungen seien eigentlich zu klein dafür. Zu den Lösungsansätzen zählt der Conterner Bürgermeister die gesetzliche Möglichkeit, dass sich Gemeinden unter 10.000 Einwohner technische Beamte, wie einen Ingenieur oder einen Architekten teilen können. Insbesondere dann wenn die Rathäuser nur vier Kilometer auseinander liegen. Die Arbeit könnte besser und preiswerter werden. Aber auch Fusionsgesprächen stehe er „positiv gegenüber“, durch ein Zusammengehen würde man nur stärker werden.

Für ihn sei es auf jeden Fall wichtig, gute Arbeit für die Bürger von Contern zu leisten und das sei keine Aufgabe für einen Einzelkämpfer. Ein Bürgermeister müsse als „Katalysator“ funktionieren. Unumgänglich sei auch die Einbindung der Bürger durch Informationsveranstaltungen, durch Mitarbeit in den Kommissionen und nicht zuletzt durch direkte Gespräche.