LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Das Leben von John Callahan: „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“

Im Alter von 21 Jahren wird John Callahan 1972 während einer nächtlichen Sauftour bei einem Autounfall derart schwer verletzt, dass er querschnittsgelähmt im Rollstuhl landet. Außerdem ist er auch noch Alkoholiker, der das Trinken selbst in diesem Zustand nicht aufgibt. Irgendwann beginnt er zu zeichnen. Ein ganz spezieller schwarzer Humor dominiert seine Cartoons, in denen sehr oft Menschen in Rollstühlen vorkommen.

Regisseur Gus Van Sant hat die unterschiedlichsten Filme gedreht, vom verspielten „Even Cowgirls Get the Blues“ über die Dramen „Good Will Hunting“ und „Finding Forrester“ bis zum Schulmassaker-Film „Elephant“, der 2003 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, oder dem übernatürlichen „The Sea of Trees“. Nun hat er Callahans Autobiografie „Don’t Worry, He Won’t Get Far on Foot“ verfilmt.

Kein Mitleid

Das Leben von John Callahan (Joaquin Phoenix) erzählt der Regisseur nicht linear, sondern quer durch die Gegenwart sowie die Vergangenheit seines Protagonisten. Der Film fängt damit an, dass Callahan auf der Bühne in einem prallgefüllten Saal in seinem Rollstuhl sitzt und aus seinem Leben erzählt. Als er noch gehen konnte, hing er bereits an der Flasche. In einer Kneipe lernt er damals den trinkfreudigen Dexter (Jack Black) kennen. Beide unternehmen eine Kneipentour, bis sie ein Auto rammt, und Callahans Schicksal im Rollstuhl seinen weiteren Lauf nimmt. Er wird von der hübschen Annu (Rooney Mara) therapiert, und er besucht die Kurse der anonymen Alkoholiker von Donnie (Jonah Hill). Durch seinen schwierigen Charakter findet er in seinem neuen Umfeld keine Freunde und kann schon gar keine Hilfe oder Mitleid erwarten. Erst als er zum Zeichenstift greift und seine Ideen und Erfahrungen als Karikaturen zu Papier bringt, sie mit bissigen Texten versieht, ordnet sich sein Leben etwas.

Unterschiedliche Stile

In seinem neuen Film vermischt Gus Van Sant konventionelle und unkonventionelle Filmstile, wie das Screen-Splitting, was anfangs zu einem ungewöhnlichen Rhythmus führt. Mal sitzt John im Rollstuhl, mal säuft er oder macht ein Mädchen am Strand an. Und immer sind seine Cartoons zu sehen oder werden sogar animiert Sequenzen eingeblendet.

Hauptdarsteller Joaquin Phoenix spielt einen außerordentlich überzeugenden Rollstuhlfahrer, dem es an Humor und Sarkasmus nicht fehlt. Speziell Jonah Hill überrascht als Donnie. Er bringt es fertig, diesen Leiter der Anonymen Alkoholiker als einen Mann darzustellen, dem das Heil seiner kranken Patienten am Herzen liegt, selbst wenn man nicht erfährt, was es mit diesem Kerl wirklich auf sich hat. Leider hat Van Sant nach rund 90 Minuten alles gesagt, was das Thema interessant macht, doch die Geschichte dehnt sich weiter zu einem 114-minütigen Film aus. Ein paar Kürzungen und die konsequente Nutzung seiner verschiedenen Stile hätten aus dem Film mehr als nur ein mittelmäßiges Werk gemacht. John Callahan starb indes 2010 im Alter von 59 Jahren an den Folgeschäden einer Operation.