LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Anne Majerus leitet den Bereich eHandwierk bei der Handwerkskammer und berät Unternehmen bei der Digitalisierung – die fällt nicht allen leicht

Die Digitalisierung im Handwerk fördern: das gehört zu den Aufgaben von Anne Majerus. Sie leitet bei der Handwerkskammer Luxemburg den Bereich eHandwierk. Dorthin können sich seit 2018 alle Unternehmen wenden, die Hilfe im Bereich Digitalisierung suchen. Bislang hat er mehr als 270 Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation geholfen. Mehr als 2.000 Teilnehmer haben die 42 Konferenzen, Workshops, Webinare und Firmenbesuche zum Thema Digitalisierung genutzt. Auf der Website www.yde.lu gibt es zudem 140 Artikel und ein Selbstdiagnose-Tool. Doch immer noch ist die Zahl der Unternehmen, die digital präsent sind mit 82 Prozent seit 2017 stabil. Auch deshalb wurde Ende Juni das Hilfspaket „Fit 4 Digital Package Artisanat“ vorgestellt. Wir haben mit Anne Majerus darüber gesprochen, wo es hakt und was zu tun ist.

Frau Majerus, was sind die häufigsten Fragen, mit denen die Kunden zu Ihnen kommen?

Anne Majerus Das sind Fragen wie: Brauche ich Facebook, Social Media oder Twitter? Muss ich das haben? Die Antwort hängt natürlich auch davon ab, ob das Unternehmen im B2B-Bereich arbeitet oder nicht. Bei der Verwaltung oder dem Ausstellen der Rechnungen kann man sich das Leben schon enorm vereinfachen. Man darf nicht vergessen, dass Handwerker nicht unbedingt IT-Experten sind und daher nicht zwingend Zugang zur Digitalisierung haben. Doch ihnen kann Digitalisierung helfen. Das fängt oft schon bei Details wie dem Zählen der Stunden auf der Baustelle an. Die kleinen Handzettel sind schnell verschwunden oder unleserlich. Hier kann Digitalisierung sinnvoll sein.

Gibt es Branchen, bei denen der Bedarf höher ist als bei anderen?

Majerus Besonders viele Anfragen kommen aus dem Bereich Bau und Ausbau. Aber auch Schönheitsinstitute sind gut hier vertreten, der Bereich Lebensmittel hingegen weit weniger. Für sehr kleine Unternehmen ist das Thema oft schwieriger als für große Unternehmen.

Warum haben kleine Unternehmen mehr Probleme?

Majerus Wenn ein Unternehmen nur zwölf Mitarbeiter hat, dann arbeitet der Chef mit. Das sind Unternehmen mit einem hohen Einsatz. Bei größeren Unternehmen gibt es oft noch einen Informatiker oder jemanden für die Verwaltung, während kleine und mittlere Unternehmen sich häufig nur eine Halbtagskraft fürs Büro leisten. Da fehlt einfach die Manpower.

Wie lange brauchen Unternehmen für die Umsetzung?

Majerus Wir vereinbaren ein bis zwei Termine mit ihnen und machen eine Art Bestandsaufnahme, also einen Status Quo, in welcher Phase der Digitalisierung sich der Betrieb befindet. Mein Team und ich begleiten die Betriebe allerdings nicht von a bis z bei der Umsetzung. Wir beraten und vermitteln unser Wissen, zum Beispiel, dass die Handwerksbetriebe vom Hilfspaket „Fit 4 Digital“ profitieren können.
Es gibt Bereiche, da lässt sich mit Digitalisierung schnell etwas bewegen wie im Marketing. Bei anderen – wie beispielsweise der Lagerhaltung – ist eine wesentlich zeitaufwendigere Umsetzung notwendig. Das kann bis zu einem Jahr dauern. Der Chef oder die Chefin muss in jedem Fall dahinter stehen. Und man sollte nicht zu wenig Zeit einplanen, denn da kann immer noch etwas nachkommen. Man muss sich auch überlegen, was man wo macht. Der Malerbetrieb Alain Kutten beispielsweise ist sehr aktiv auf Facebook. Das funktioniert, weil seine Kunden auch dort sind.

Wie viel Leute arbeiten bei der Handwerkskammer in der Beratung?

Majerus Neben mir sind zwei Mitarbeiter damit befasst. Aber wir arbeiten eng vernetzt mit anderen Abteilungen im Haus und Netzwerken zusammen. Oft kommen dann auch andere Fragen auf, die wir gemeinsam lösen können. Es ist ein Multitasking. Die Nachfrage nach unserer Beratung ist ja auch nicht gleichbleibend, sondern schwankt immer. Ich denke, die Zahl der Unternehmen, die wir beraten, liegt bei rund hundert im Jahr.

Welche Instrumente sind Ihrer Erfahrung nach besonders sinnvoll?

Majerus Je geringer die administrativen Hürden sind, desto besser läuft es. Deshalb gibt es ja auch das „Fit 4 Digital Package Artisanat“. Da erhalten Unternehmen 5.000 Euro Hilfe für die Beraterkosten, die meist bei 6.000 bis 10.000 Euro liegen und, das ist wichtig, sich auf ein konkretes Projekt beziehen. Denn die Unternehmen brauchen ja mehr als nur einen Rat, die brauchen ja etwas ganz Konkretes. Viele haben aber auch ganz spezifische Fragen, die beispielsweise während der COVID-Zeit aufgekommen sind.

Geht es auch ohne Beratung?

Majerus Bei kleinen Projekten vielleicht, bei großen ganz sicher nicht mehr. Deshalb stellen wir auf unserer Internetseite ja auch Erfolgsgeschichten vor, aus denen man schon allerhand lernen kann.  Wir sehen auch oft, dass die Kinder des Inhabers aktiv sind und da kräftig mithelfen.

Mehr Information unter www.yde.lu