LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Wie die Stadt Luxemburg ihren bedeutenden Baumbestand managt

Roland Kirchs Bildschirm füllt sich mit Kreisen. Große, kleine, grüne, rote und braune. In jedem Kreis eine Nummer. Willkommen im Baumkataster der 111.000 Einwohner-Stadt Luxemburg. Das Baumkataster der Kapitale des Großherzogtums zählt aktuell etwa 20.000 erfasste Bäume. Und Roland Kirch, der Verantwortliche für das Baummanagement in der Park- und Gartenverwaltung der Stadt kennt viele von ihnen. Der gelernte Gärtner befasst sich seit über 25 Jahren mit Bäumen, hat eine Menge Kurse dazu absolviert, unter anderem die der deutschen „Forschungsgesellschaft für Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau e.v.“, im deutschsprachigen Raum eine der höchsten Autoritäten, wenn es um Bäume und Sträucher geht. Die Definitionen aus den FFL-Regelwerken bilden auch die Basis für das Baumkataster der Stadt Luxemburg, die über rund tausend Hektar Waldfläche auf ihrem etwa 5.000 Hektar großen Territorium verfügt. Eine Proportion, die wohl einzigartig in Europa ist.

Umso geforderter sind Roland Kirchs Mannschaften, sich um den Bestand zu kümmern, besonders um jenen, der sich an Straßen, Spielplätzen, in Parks oder an sonstigen Stellen befindet, wo regelmäßig Passanten unterwegs sind. „Die Stadtführung trägt die Verantwortung, wenn etwas passiert“, unterstreicht Kirch.
Der zertifizierte Baumkontrolleur weiß, wie schwierig es manchmal ist, heraus zu finden, ob ein Baum krank ist. „Einen Befall mit dem Brandkrustenpilz zum Beispiel, erkennt man von außen nicht immer. Aber dieser Pilz zersetzt den Baum von innen und kann ihn so schwächen, dass er von einem Moment auf den nächsten umkippt“, erklärt der Experte. Manchmal reichen Sondierungsstab und Hammerschläge nicht, um heraus zu finden, wie genau es um einen Baum steht. Dann kommen Schalltomografiegeräte zum Einsatz.

An den Kontrolleuren, die für die 23 Baumpflegebezirke der Stadt verantwortlich sind, alle ihre Observierungen zu Bäumen in die Datenbank einzutragen. Das tun sie in der Regel mit einem mobilen „Tablet“ und auf Grundlage einer „Checkliste“ nach FFL-Kriterien. Sogar Fotos und sonstige Dokumente können mit eingespeist werden, es gibt Dutzende möglicher Eintragsoptionen. „Wir versuchen aber, das Kataster nicht zu komplex zu machen“, sagt Roland Kirch.

Entwickelt hat das Programm die Firma „geoVAL“ aus Bremen. Die Spezialisten für Geographische Informationssysteme arbeiten seit langem auch mit der Stadt Hamburg zusammen, auf deren Territorium schon mal ein paar Hunderttausend Bäume erfasst sind. Doch die Verwaltung der Stadt Luxemburg, die bereits seit den 1990ern eine Baum-Datenbank hegt, hat sich zu einem präziseren System entschieden, das auch seit 2012 ständig weiterentwickelt wird. Es ermöglicht Roland Kirch, quasi aus seinem Büro heraus, den Zustand des Forsts zu überwachen und auch die notwendigen Fällentscheidungen zu treffen, die immer von der Natur- und Forstverwaltung beglaubigt werde müssen. „Manchmal“, erklärt Roland Kirch, „muss allerdings schnell gehandelt werden und kann nicht auf die Ausstellung des Papierkrams gewartet werden, wenn ein Baum umzustürzen droht“. Dann wird der Baum im Einvernehmen mit dem Förster beseitigt.

Aber nicht nur Fällorder, die Einteilung der Arbeiter oder die Organisation der Kontrollgänge werden aus Kirchs Büro im Stadteil Reckenthal gesteuert, sondern auch die Planung von Neupflanzungen. „Wir fällen im Durchschnitt etwa 200 Bäume im Jahr, das meiste Holz kommt in die Holzhackschnitzelanlagen auf dem Territorium der Stadt“, erklärt Kirch, „und es werden in der Regel wieder genauso viele angepflanzt“. In den kommenden Monaten werden allerdings mehrere Hundert hinzukommen, denn die luxemburgische Hauptstadt expandiert und die neuen Viertel bekommen natürlich auch Alleen und Parks. Für Roland Kirch und seine Mitarbeiter wieder viel Arbeit. Aber eine wichtige, denn die Baumbepflanzung ist essentiell für die Strukturierung der Viertel und auch die Lebensqualität darin. Und es ist eine Aufgabe, die Weitsicht erfordert: Schließlich stehen die Bäume mitunter Hunderte von Jahren. Dass die Erfahrung im relativ übersichtlichen Luxemburg, das quasi als „Laboratorium“ funktionieren kann, auch auf viel größere Städte angewendet werden könnte, liegt auf der Hand.

Fast die Hälfte des Gebiets von Luxemburg-Stadt besteht aus Bäumen und Parks. Foto: Claude Karger - Lëtzebuerger Journal
Fast die Hälfte des Gebiets von Luxemburg-Stadt besteht aus Bäumen und Parks. Foto: Claude Karger