LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Piraten-Abgeordneter Marc Goergen fragt nach Doppelfunktion des Obersauer-Stausees als Trinkwasserspeicher und Magnet für den Tourismus

Wahrscheinlich war sich Marc Goergen, Abgeordneter der „Piraten“, der Aktualität seiner parlamentarischen Fragen rund um den Obersauer-Stausee, kurz Stausee, gar nicht bewusst. Insgesamt zehn Einzelfragen von Goergen drehen sich um die Doppelfunktion des Stausees als Trinkwasserspeicher und touristischem Anziehungspunkt. Angesichts der Tatsache, dass es seit Wochen nicht geregnet hat und in der Folge der Corona-Krise ein „Heimat-Urlaub“ für die meisten von uns immer wahrscheinlicher wird, passen die Fragen wie die „Faust aufs Auge“.

Keine Entleerung des Stausees

Seine erste Sorge, dass der Stausee zwecks technischer Revision leerlaufen muss und damit Probleme bei der Trinkwasserversorgung auftreten, konnten Transport- und Bauminister François Bausch und die für Trinkwasser zuständige Umweltministerin Carole Dieschbourg ausräumen. Für die anstehende Zehnjahresrevision 2023 muss der See nicht entleert werden, dabei wird vor allem der Zustand der Staumauer geprüft. Die Frage nach den Kosten der Revision könne man aber erst beantworten, wenn die Revision den Reparaturbedarf aufgezeigt hat, so Bausch.

Wasserversorgung ist gesichert

Für den Fall einer Unterbrechung der Trinkwasserversorgung aus dem See habe der Trinkwasserversorger SEBES Ersatzlösungen vorbereitet. So kann in Zukunft auch unterhalb der Staumauer Wasser aus der Sauer entnommen werden. An vier Standorten im Land kann im Notfall Grundwasser aus Tiefbrunnen gepumpt werden.

Die Sicherung der Trinkwasserversorgung beruht laut Dieschbourg auf drei Standbeinen: Zunächst der Ausweisung von 55 Wasserschutzgebieten, die 90 Prozent der Trinkwasserressourcen abdecken. Diese Zonen seien notwendig, um die Belastung mit Nitraten und Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Zusätzliches Trinkwasser könne man durch sogenanntes Uferfiltrat aus der Mosel gewinnen. Drittens sollten die Verbraucher ihren Wasserverbrauch senken. Es sei weiterhin nicht vorgesehen, zusätzliche Trinkwasserreserven im Ausland zu erschließen.

Die Produktionskapazität des Stausees hängt von den technologischen Möglichkeiten der SEBES ab. Durch die neue Wasseraufbereitungsanlage in Eschdorf wird die Kapazität ab 2021 von 72.000 Kubikmetern auf 110.000 Kubikmeter pro Tag steigen. Ob diese Menge mittelfristig ausreicht, hänge von der klimatischen und wirtschaftlichen Entwicklung der nächsten Jahre ab, meint Dieschbourg.

Das Verhältnis von Stromproduktion an der Staumauer und Trinkwasserbevorratung sei vertraglich geregelt und sehe Mindest- und Höchststände des Wassers im Stausee vor. Die Prioritäten würden von Fall zu Fall festgelegt.

Mehr Tourismus am Stausee?

Tourismusminister Lex Delles äußerte sich zu Goergens Frage, ob er nicht mehr „Attraktionen“ rund um den See schaffen wolle, zurückhaltend. Nicht weil er nichts von derartigen Ideen hält, sondern weil das Tourismusministerium nicht als Projektträger agieren kann. Allerdings sei im aktuellen Fünfjahresplan ein Ausbau des „Centre récréatif du Lac de la Haute-Sûre“ und die Anlage eines „Wasserspielplatzes“ vorgesehen. Außerdem könne der Ausbau weiterer Anlagen am See über die Tourismus-Direktion gefördert werden.

Eine Hängebrücke? Warum nicht!

Die von Goergen vorgebrachten Idee einer Hängebrücke à la „Geyerlay“ (im Hunsrück) kann laut Minister interessant für den Tourismus sein, wenn sich ein Projektträger findet und der Bau alle mit dem Trinkwasserreservoir verbunden Auflagen erfüllt.

Sollte sich außerdem eine Initiative finden, die die Geschichte des im See versunken Dorfes touristisch verwerten will, und so einen „Mehrwert“ für den Tourismus schafft, könne dieses Vorhaben aus dem Fünfjahresplan unterstützt werden, so Delles abschließend.