MONT ST. MICHEL
HELMUT WYRWICH

Wie die Krimis von Jean-Luc Bannalec dem Tourismus in der Bretagne auf die Sprünge helfen

Er heißt Kommissar Dupin, ist von Paris in die Bretagne strafversetzt worden, arbeitet in Concarneau, fährt immer zu schnell, weil er es eilig hat und wird auch entsprechend häufig geblitzt. Kommissar Dupin wird in deutschen Fernsehfilmen gespielt von dem Schweizer Pasquale Aleardi, der sein Publikum von Beginn an verzaubert hat. Jean-Luc Bannalec hat 2012 in Deutschland seinen ersten bretonischen Krimi veröffentlicht und daraus eine Serie gemacht. Im vergangenen Juni ist der achte Fall erschienen.

Seit dem ersten Fall des Kommissars hat der Autor Jean Luc Bannalec Bestseller geschrieben. Die „Bretonischen Verhältnisse“ erzielten eine Auflage von bisher drei Millionen Exemplaren und wurden in 13 Sprachen übersetzt. Im Juni ist gerade der achte Fall erschienen.

Liebenswürdig und leicht ironisch

Die bretonischen Krimis handeln von Kommissar Dupin. Der Kommissar ist aus Paris in die Bretagne strafversetzt worden und hat mit den seltsamsten Fällen zu tun. Da handelt es sich um einen falschen echten Gauguin, der in Pont Aven gestohlen wird, um einen blutigen Mord in den Salinen von Guérande, oder um Fälle auf den Inseln von Glénan, oder der Fischversteigerung von Douarnenez. Es sind alles Fälle, wo vieles offensichtlich ist, aber von den handelnden Personen nicht gesehen wird.

Mithin eigentlich nichts Besonderes, fände das Ganze nicht in der Bretagne statt mit einem Kommissar, der sein Büro in einem Bistro aufgeschlagen hat und der seinen eigenen Charakter hat.

Die Romane sind mit Stereotypen gefüllt wie etwa mit dem Präfekten, der Dupin dauernd im Nacken hängt, großen Respekt vor echten oder vermeintlichen Persönlichkeiten und natürlich dem Innenminister in Paris hat. Es steckt viel Wahres in den Romanen, ist aber liebenswürdig und leicht ironisch beschrieben. Die bretonischen Krimis sind wahre Werbeschriften für Landschaft, Kultur und bretonische Eigenheiten. Alles geschickt miteinander vermischt, sind die Romane leichte Sommerlektüre. Hat man einen gelesen, möchte man zu den anderen greifen.

Und: Die Bücher machen Lust, in die Bretagne aufzubrechen. Sie sind von einem außergewöhnlich guten Kenner der Bretagne und französischer Verhältnisse geschrieben. Nach den Millionenauflagen in Deutschland kam der Film-Erfolg. Bannalec verdankt ihn dem Schweizer Schauspieler Pasquale Aleardi. Groß, schlank, mit griechischem Profil, eigenwillig und charakterstark verkörpert er in idealer Weise den Kommissar, wie man ihn sich beim Lesen der Romane vorstellt.

Die erste deutsche Fernsehkette ARD hat den kautzigen Fernsehkommissar, an dem sich die Verwaltung schließlich rächt und ihm den Führerschein entzieht, weil er dauernd zu schnell fährt, mit einem grandiosen Erfolg verfilmt. Über vier Millionen Fernsehzuschauer verzeichnet Kommissar Dupin mit jedem Fall.

Fernseh-Tourismus

Das liegt nicht zuletzt daran, dass hier an Schauplätzen mit hohem Wiedererkennungwert direkt gedreht wird. Das Tourismus-Büro von Concarneau hat eine Steigerung der deutschen Touristen um 53 Prozent verzeichnet. „Seit 2014 spüren wir eine deutliche Zunahme der Zahl deutscher Touristen, die hier auch Hotelzimmer und Fremdenzimmer mieten“, sagt eine Mitarbeiterin der Fremdenverkehrszentrale von Concarneau gegenüber dem „Journal“.

„Die Deutschen haben die Briten überholt, die sonst hier an erster Stelle unter den Touristen liegen. Sie besuchen die Drehorte und bleiben mehrere Tage in der Region.“ Selbst das Tourismus-Büro von Quimper stellt bereits fest, dass der „Dupin-Effekt“ sich durch Rundreisen auswirkt. Während es ursprünglich die Dreh-Teams mit etwa 50 Personen waren, die ein willkommenes Zubrot für Hotellerie und Restaurants waren, hat sich zwischenzeitlich ein Fernseh-Tourismus entwickelt, der die Orte überwältigt. Die in den Romanen genannten Hotels und Bistros sind während der Urlaubszeiten überflutet. Denn: Alle Orte und Örtlichkeiten sind in den Romanen mit ihren echten Namen genannt.

Nach einem Mann aber drehen sich währen der Dreharbeiten die Bretoninen immer um: Hauptdarsteller Pasquale Aleardi findet bei ihnen besondere Aufmerksamkeit. „Ein schöner Mann“, sagen sie.

Es ist allerdings nicht nur der Bucherfolg, der die Bretagne seit einigen Jahren zu einem touristischen Erfolg werden lässt. Die Hitzewellen, die vor allem den Süden Frankreichs regelmäßig im Sommer überfluten, lassen Touristen in den Sommermonaten zögern, an die Côte d’Azur zu fahren.

Die Bretagne mit ihrem Seeklima, mit ihren wilden Küsten, Wäldern Seen und Kanälen hat sich als Ausweich-Urlaubsregion etabliert. Übrigens: Der deutsche Autor mit dem bretonischen Pseudonym ist von den Bretonen zwischenzeitlich mit dem Titel „Mäzen der Bretagne“ ausgezeichnet worden.