BARTRINGEN
CORDELIA CHATON

40 Jahre hat Michel Hubert Karriere in einer Bank gemacht, ging in Pension - und gründete sein Unternehmen mit 75 Jahren

Zwei Mal zwanzig Minuten Zeit nimmt er sich - jeden Tag, seit über vierzig Jahren. „Sie haben mein Leben gerettet“, sagt Michel Hubert. In diesen 20 Minuten schaltet er ab, zieht sich zurück und meditiert. Dann hat er neue Kraft. Für sein neues Unternehmen zum Beispiel. Denn Hubert ist beides: Erfahrene Führungskraft und Start-up Gründer.

Der Luxemburger ist 75 Jahre alt, sieht frisch und tatkräftig aus und blickt auf sehr vieles zurück, das Menschen stolz und froh macht: Eine Karriere bei der Bank bis in die Direktionsetage, eine Familie, Kinder, Enkel, ein angenehmes Auskommen. Und doch: Das reicht ihm nicht. „Als ich Anfang 20 war, war J.F: Kennedy Präsident in den USA. Der hat gesagt: Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern, was Du für Dein Land tun kannst“, sagt er. „Darum geht es: Geben. Das macht reich.“ Hubert möchte in diesem Sinne reicher werden.

Sieben Geschwister und kein Studium

Dabei hat er Reichtum von einer ganz anderen Seite kennen gelernt. In seiner Kindheit war Kinderreichtum an der Tagesordnung. „Wir waren acht zu Hause. Da war kein Geld für ein Studium da“, sagt er. Hubert ging zur Kredietbank. Und stieg auf.

„Als ich 28 war, gab es zwar das Wort burn-out noch nicht. Aber Stress schon“, erinnert er sich. Hubert hatte Herzprobleme, ging zum Arzt. Der sagte: „Sie können sich nur selbst helfen. Wenn Sie so weitermachen, werden Sie keine 30.“ Hubert probierte es mit Sport, heiratete, wurde Vater zweier Töchter. Mit 33 ging es ihm gesundheitlich immer noch nicht gut. Da hörte er bei einem Vortrag von Medidation. Als der Druck im Job zunahm, erinnerte sich Hubert daran und machte einen Kurs. „Diese 20 Minuten haben mein Leben verändert“, sagt er. „Ich wusste: Das ist es.“ Diese innere Stille, wie er sie nennt, half ihm, Kraft in sich selbst zu finden, und sich zu erneuern.

„Nach einigen Monaten des Meditierens habe ich kaum noch geraucht, wurde viel gelassener und regte mich nicht mehr so schnell auf“, berichtet er. Auch beruflich profitierte er vom Meditieren. „Man muss sich immer neu erfinden, neue Produkte haben, sich anpassen. Mir hat das Spaß gemacht“ So überzeugte er auch Kollegen, von denen viele seinen Aufstieg in der Direktionsetage bewunderten. „Meine Frau war anfangs nicht erfreut, dass ich immer erst 20 Minuten verschwand. Aber dann hat sie auch angefangen zu meditieren“, sagt er.

Hubert verbrachte einige Jahre als Rentner. „Ich habe mich gefragt: Was ist das Wichtigste, was ich teilen will?“, erzählt er. Die Antwort schien ihm klar: „Die Fähigkeit, mich von Stress abkoppeln zu können und innerlich zu wachsen.“ Hubert ließ sich zum Meditationslehrer ausbilden.

Schulung bei Nyuko

„Ich bin gut international vernetzt. Mit fünf Gleichgesinnten aus Belgien, Frankreich, der Schweiz und Luxemburg haben wir ein Unternehmen gegründet, um in Kursen unsere Kompetenzen weiterzugeben. Und weil Hubert methodisch ist, schulte er sich; nicht zuletzt im Inkubator Nyuko.

Die derzeit 33 Kurse seines Unternehmens vom kurzen Workshop bis zum Zwei-Tagesseminar zu Themen wie Führungsstärke, Management oder Persönlichkeitsentwicklung sind über www.lifelong-learning.lu buchbar. „Zur Zeit machen wir innerbetriebliche Fortbildungen in den Unternehmen. Wenn das wächst, werden wir vielleicht etwas anmieten. Eine Webseite kommt auch noch.“ Einfach ist es für den Senior und seine Geschäftspartner nicht. „Die Konkurrenz ist hart.“

Dennoch: Zeit hat Hubert genug. Seine Familie steht hinter dem Witwer. Er kümmert sich im neuen Unternehmen „SelfCompetence S. à r. l.“ um Kurse für ein stressfreies Leben. Um seine Glaubwürdigkeit muss er sich nicht sorgen.


www.lifelong-learning.lu/Formateur/selfcompetence/de