COLETTE MART

Ein 46jähriger Afroamerikaner kam vor einem Supermarkt durch willkürliche Polizeigewalt in Minneapolis ums Leben. Mittlerweile demonstrieren zehntausende Menschen in zahlreichen Städten, weil sie den Rassismus in Amerika nicht mehr akzeptieren. Die Unruhen, auf die Präsident Donald Trump unangebracht reagierte, nämlich mit Kraftmeierei und Androhung von Gewalt gegen Demonstranten erinnert an die Geschehnisse in Ferguson im August 2014, als der Tod eines schwarzen Teenagers durch die Polizei ebenfalls zu Unruhen im Land geführt hatte.

In der Tat sind die Rassenkonflikte in den USA, und die damit verbundene Brutalität weißer Polizisten ein strukturelles und historisch gewachsenes Problem. Die transatlantische Sklaverei wurde nämlich mittlerweile 400 Jahre alt. Die ersten Schiffe, die Afrikaner aus Ghana nach Amerika brachten, landeten 1619, und läuteten Jahrhunderte der Grausamkeit, Unterdrückung und Ungerechtigkeit und unrechtmäßigen Bereicherung ein, die ungenügend aufgearbeitet wurden, auch wenn hin und wieder eine symbolische Geste geschah, wie zum Beispiel die Verleihung des posthumen Pulitzerpreises 2020 an die afroamerikanische Journalistin Ida B. Wells.

Damit sind aber die Probleme nicht gelöst, wie in Minneapolis errechnet wurde; laut einer Datenauswertung waren hier in den letzten zehn Jahren 60 Prozent der Menschen, die durch Schüsse der Polizei starben, Schwarze, obwohl diese nur 19 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Demnach hat Amerika ein grundsätzliches Problem des Rassismus und der Ungleichheit zwischen Schwarzen und Weißen seit der Abschaffung der Sklaverei 1865 nicht gelöst. In den Vereinigten Staaten wurden soziale Absicherung, Gerechtigkeit in der Bildung und Krankenversorgung nie konsequent umgesetzt . Während in einer Zeit der Globalisierung der Wirtschaft und weltweit hohen Migrationszahlen nicht mehr angehen kann, Menschen nach ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder ihrer Hautfarbe aufzuteilen, da jede Aufteilung von Menschen bereits eine Diskriminierung an sich darstellt, sind die Unruhen in Amerika rassistisch bedingt und halten einer anderen Analyse kaum stand.

Die Rassenkonflikte, die mangelnde soziale Integration der ehemaligen Sklaven, die gesetzlich gefestigte Rassentrennung und Diskriminierung, die bis in die sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts andauerte, sowie fehlende Investitionen in sozial benachteiligte Gegenden und Stadtviertel haben dazu geführt, dass jetzt wieder zehntausende Bürger auf der Straße sind, um zu demonstrieren. Der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, reagierte seinerseits richtig, indem er Probleme des systematischen Rassismus zumindest benannte und unterstrich, dass sie gelöst werden müssen.

„Rassismus ist das amerikanische Trauma. Das hört nicht auf, wie auch? Es bräuchte erstens ein Ende des alltäglichen Rassismus und ein Ende der Ungleichheit, zweitens eine Aufarbeitung der Vergangenheit, drittens eine versöhnende und gerechte Politik für die Zukunft“ schreibt „Die Zeit“ hierzu. Demnach einen Neuanfang, von dem derzeit die ganze Welt spricht, aber auf eine andere Art.