„Der Garten der verlorenen Seelen“ ist der Titel eines weltliterarischen Werkes der somalischen Schriftstellerin Nadafi Mohamed, die das Leben dreier Frauen im Somalia der achtziger Jahre beschreibt. Das Buch führt uns ins Herz jener Problematik, die im Mittelpunkt des Europäischen Jahres der Entwicklung 2015 stehen soll. Es ist also sinnvoll, in einer Domäne, die noch vielfach mit Klischees und Vorurteilen besetzt ist, in der auch noch immer sehr viel falsch gemacht wird und nicht unbedingt nachhaltig überlegt wird, über neue Wege der Kommunikation nachzudenken, und dies in einer Art und Weise, die auch europäische Bevölkerungen überzeugen kann, die ja auch ihre Probleme haben und verschiedentlich weniger großzügig mit Entwicklungsgeldern umgehen wollen. Wer die Debatten über das luxemburgische Entwicklungshilfe-Budget in der Entwicklungshilfe während der letzten Monate verfolgt hat, konnte feststellen, dass letztere in den Nichtregierungsorganisationen eine starke Lobby hat, und dass die Entwicklungshilfe auch zahlreiche Arbeitsplätze schafft. Dass Luxemburg auf EU-Ebene zu den großzügigsten Geldgebern gehört, ändert nichts daran, dass die Entwicklungshilfe kulturelle Unterschiede beinhaltet, die oft noch ungenügend erforscht sind.

So offenbart in der Tat Nadafi Mohameds literarisches Werk, dass ein respektloser Umgang mit Menschenrechten, sowie die Unterdrückung der Frauen in Somalia, die damit verbundene Genitalverstümmelung, defizitäre Familienplanung, Gesundheitsfürsorge und Bildung wichtige kulturelle Faktoren der Unterentwicklung sind, auf die europäische Entwicklungshelfer nur relativ schwer Einfluss gewinnen. Die Hommage auf den Sakharov-Preisträger Denis Mukwege, die hier in Luxemburg organisiert wurde, rührte ihrerseits an jene ethnischen Konflikte, die von den europäischen Kolonialmächten geschürt wurden, und an Bürgerkriege, die durch Bodenschätze angeheizt werden. Die Reichtümer Afrikas werden von multinationalen Firmen ausgebeutet, ohne dass die lokale Bevölkerung impliziert wird und ihr Land aufbauen kann.

Kulturelle Hindernisse in der Entwicklung eines Landes, historische Begebenheiten, in denen es ohne Zweifel eine europäische Schuld gibt, schlechte Infrastrukturen und defizitäre Verwaltungen führen dazu, dass viele gut gemeinte Entwicklungsgelder dann doch irgendwie versickern, die Armut nicht reduzieren, und auch Katastrophen, wie den Völkermord in Ruanda, sowie die aktuellen Bürgerkriege in Kongo und Somalia nicht vermeiden können.

Wie der Europaabgeordnete Charles Goerens es anlässlich der Ehrung von Denis Mukwege formuliert hatte, ist es darüber hinaus schwierig, auf der Ebene der internationalen politischen Zusammenarbeit jene Kompromisse in Verträgen zu finden, die keine Seite verletzen und die Entwicklungsländer trotzdem weiterbringen. Das Europäische Jahr der Entwicklung sollte eine Gelegenheit bieten, die Komplexität des Nordsüddialogs besser zu verstehen und in diesem Sinne auch in die sozialpolitische Forschung zu investieren. Darüber hinaus muss über eine konstruktive und sozial nachhaltige wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern nachgedacht werden.