LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Am ersten Weihnachtstag findet zum 35. Mal „Noël de la Rue“ für Bedürftige in der Aula der Fieldgen-Schule statt

Am Sonntag kommen die Erwachsenen in die Schule. Freudestrahlend stehen sie ab 10.30 in die Turnhalle der Fieldgen-Schule im Bahnhofviertel. Ihre Kleidung trägt keine auffälligen Markenschilder und sie sind nicht mit der Nobelkarosse hergekommen. Viele der Eingeladenen sind vom Leben auf der Straße oder in Armut gezeichnet. Deshalb hat ihr Weg sie hergeführt.

Seit 1982 bereits findet der „Noël de la Rue“ statt; immer am 25. Dezember. „Wir wollen allen Menschen, die nicht vom Schicksal geküsst sind, unsere Solidarität schenken, ein offenes Ohr und warmes Herz“, erzählt Frank Stammel, der an dieser jährlichen Begegnung seit 2004 teilnimmt und in den letzten Jahren zusammen mit anderen Freiwilligen unter dem Namen der „Noël de la Rue Asbl“ organisierte. „Wir sind sehr froh ist und dankbar, dass die Schule uns ihre Räume dafür zur Verfügung stellt.“

Von einer Initiative zum Verein

Die Idee geht auf die mittlerweile verstorbene Ordensschwester Josette zurück, die 1982 zum ersten Mal die Idee von Weihnachten - Miteinander, Teilen, Brüderlichkeit und Nächstenliebe - in dieser Form leben wollte und in Leon Kraus einen Mitstreiter fand. „Jetzt findet Noël de la Rue schon zum 35. Mal statt“, unterstreicht Stammel. Was einst als private Initiative begonnen hat, ist mittlerweile zu einem Verein vieler freiwilliger Helfer geworden.

Seine Gäste melden sich nicht an. „Für jeden Bedürftigen sind die Türen weit offen“, sagt er. Schließlich gibt es einen Gottesdienst, gefolgt von einem Festmahl und einem gemütlichen Beisammensein mit Spielen wie Bingo, Tischtennis oder Tischfußball. Das Musikensemble „Origer and Friends“ begleitet traditionell die Messe. „Nachmittags wird viel gesungen zusammen mit anderen Musikgruppen“, erzählt ein Teilnehmer des vergangenen Jahres. Nach Kaffee und Kuchen kommt der Höhepunkt die Bescherung in Form von warmer Kleidung. Gegen 18.00 klingt der Tag aus.

60 Freiwillige bedienen

Den Service stellen rund 60 Freiwillige sicher, die sich im Vorfeld anmelden. Sie bringen die Speisen und Getränke, legen nach, holen auch mal ein Spiel, das sie mitmachen, und haben ein offenes Ohr. Zu ihnen gehört auch ein Geschäftsmann aus Esch, der namentlich nicht genant sein will. Er findet es gut, dabei zu sein. „Ich mache regelmäßig mit, es ist wirklich schön zu sehen, dass diese Menschen das genießen.“

Das scheint nicht nur er zu denken. In diesem Jahr kann Stammel keine Freiwilligen mehr annehmen, so viele Anfragen hat er. Das Profil der Helfer geht quer durch alle Berufsschichten. Einige kommen jedes Jahr und sind Stützpfeiler der Organisation, andere sind einmalig dabei. „Uns ist es wichtig, dass viele junge Menschen mitmachen, um den Menschen zu begegnen, die von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, das baut viele Vorurteile des Alltags ab und schafft Integration“, ist er überzeugt. Das Mindestalter für Helfer liegt bei 17 Jahren.

„Das Ziel ist auch, dass sich die Menschen kennen lernen. Unsere Gäste sollen loslassen und unbeschwerte Stunden verbringen. Aber es tut ihnen auch gut, mit ganz anderen Menschen zu reden“, weiß er aus Erfahrung. Deshalb kommen auch bekannte Leute der Gesellschaft. „Eine Schirmherrin oder einen Schirmherren haben wir aber nicht. Wer hierher kommt, ist privat hier“, betont der Organisator.

Immer mehr Gäste: Von 20 auf 300

Die Zahl der Gäste hat in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. „ beim ersten „Noël de la Rue“ wurden 20 Gäste empfangen, 2004 rund 120 und jetzt kommen 250 bis 300 Menschen. Das zeigt, wie es auf der Straße aussieht“, betont Stammel. Nicht alle sind obdachlos, einige haben ein Notbett oder sind in karitativen Häusern als Übergangslösung untergebracht. Alle sind Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben und deren Stimme im Alltag wenig zählt, weiß Stammel.

Umso dankbarer ist er für Geschenke und Gaben. „Wir leben ausschließlich von Geld-und Sachspenden. Vergangenen Sonntag haben Freiwillige einen eigenen Weihnachtsmarkt organisiert, um das Fest und die Geschenke finanzieren zu können.“ Die Wahl des 25. Dezember hat sich als klug erwiesen. „Es gibt an diesem Tag wenig Plätze, wo Obdachlose hinkönnen, viele sind ganz allein“, unterstreicht Stammel.

Gemeinden unterstützen die Aktion

Am Weihnachtsabend fahren die Gäste mit Bussen zurück nach Esch und Luxemburg. „Die Busse werden von den Gemeinden gestellt, das ist eine super Sache“, freut sich der Vizepräsident des Vereins. Aber mit dem Ende des Tages ist es für ihn nicht vorbei. „Die Anerkennung, die zurückkommt, die ist Wahnsinn, die Herzlichkeit und der Dank sind enorm. Und die Kontakte wirken noch über Monate nach.“

 

Kontakt:

noeldelarue@gmail.com

Spenden an: Noel de la Rue ASBL

Kontonummer: LU 08 0141 6545 0290 3000, CELLLULL