LUXEMBURG
LUC SPADA

Derzeit gibt es eine Art Shitstorm, eine Welle der Empörung, oder wie auch immer derartige Geschehnisse zu betiteln sind, bezüglich eines Smoothie-Produzenten. Einer Firma, die verschiedene Sorten Obst in eine Flasche quetscht und presst, wird vorgeworfen, dass sie mit ihren frechen Sprüchen Sexismus und Rassismus „unterstützt“. Sie warb mit einem Penis auf einem Frauenrücken oder bewarb einen schwarzfarbenen Smoothie als ihren Quotenschwarzen. Ein anderer Spruch: Abgefüllt und mitgenommen. Darüber kannst Du Dich im Internet schlau googeln.

Insbesondere die Internet-Aktivistinnen und -Aktivisten forderten zum Boykott der Getränke des entsprechenden Herstellers auf. Dieser wehrte sich, beleidigte zurück, entschuldigte sich nicht, äußerte sich klar gegen Rassismus und Sexismus, aber auch gegen diese Leute, die, sobald sie einen Skandal wittern, sich daran aufgeilen. Letzteren mit aller Kraft voranzutreiben und hoch zu bauschen. „La révolte pour rien“.

So wie es derzeit oft der Fall ist: Die eine Seite macht oder sagt etwas nicht ganz Schlaues, und die andere Seite dreht durch, weil es sexistisch ist oder rassistisch. Als kleines Extra kommt meistens dazu, dass die rechten Idioten aus ihren Löchern kriechen und diejenigen unterstützen, die vom Shitstorm betroffen sind. Grund: „Heutzutage darf ja gar nichts mehr gesagt werden, ohne dass gleich….“ Ihr wisst schon. Applaus von der falschen Seite. Eine meiner größten Ängste, spielt hier aber keine Rolle.

Es stimmt. Der betroffene Smoothie-Produzent hat fragwürdige Kampagnen gestartet. Manchmal etwas dumm. Manchmal etwas unüberlegt. Manchmal auch wirklich witzig, oder, wäre der Kontext ein anderer: satirisch.

Kontext, Interpretation, ja, das spielt immer eine Rolle. Feuchtgebiete-Expertin Charlotte R. hat auf Instagram dazu aufgefordert, die Regale in den jeweiligen Supermärkten umzuräumen, sodass „der böse Smoothie-Hersteller“ von „den guten Smoothie-Herstellern“ verdeckt wird. Prompt folgten Instagram-Posts von irgendwelchen Leuten, die stolz filmen, wie sie Gutes tun. Eben die Regale umräumen. Und feiern sich gegenseitig, wie sie Sexismus bekämpft haben (gegebenenfalls nur ihre eigene Langeweile).

Um was geht es hier? Scheiße, denke ich, es geht um einen Smoothie-Hersteller. Ein fucking Smoothie-Hersteller, es geht um Saft aus einer Glasflasche mit teilweise sehr dummen Sprüchen.
Nicht Donald Trump, nicht der brennende Amazonas, nicht die abartige Fleischindustrie, deren Produkte Ihr doch auch nicht mit Basilikum verdeckt.

Und nichts ist besser geworden, außer, dass sich mal wieder gut beschimpft wurde. Niemand einen Schritt aufeinander zu gemacht hat, nein, die Fronten haben sich verhärtet. Hauptsache, alle laufen mit einem Europa-Pulli durch die Gegend, für den Frieden, der sich einfach vorzugaukeln lässt, mit einer Eigentumswohnung, im vierten Stock. Um was also geht es?