LUXEMBURG
DANIEL OLY

Elektroautos sind toll - aber auch 2019 bleibt der Preis noch immer zu hoch

Soviel vorab: Elektroautos sind toll. Sie bieten ein sehr angenehmes Fahrgefühl, sind bequem, leise und durch die schweren Batterien, die von schlauen Köpfen in den Designteams der Autohersteller möglichst mittig und tief unten im Auto angebracht werden, sogar verhältnismäßig besser ausbalanciert. An die nahtlose, sanfte Beschleunigung dank tollem Drehmoment kommen vergleichbar motorisierte Verbrenner wohl kaum ran. Fazit: Elektroauto fahren ist toll.

Warum hat das Elektroauto also nur einen verhältnismäßig kleinen Marktanteil bei den Neuzulassungen? Immerhin ist Luxemburg flächenmäßig klein genug, um selbst bei pessimistischen Reichweiteschätzungen bequem von daheim zur Arbeit zu kommen. Elektroautos kosten zwar durch die Bank mehr als ihre vergleichbaren Verbrenner. Das ist aber erst einmal logisch, schließlich kostet neuere Technik immer was, und „Early Adopter“ zahlen eben drauf, wenn sie früher in den Genuss kommen wollen. Aber neuen Beihilfen und Vergünstigungen zum Trotz: der eigentliche Preis, den man zu bezahlen bereit sein muss, bleibt immer noch zu hoch.

Die Rede ist dabei nicht nur von der finanziellen Hürde, den ein Elektroauto darstellt. Neben der eigentlichen Anschaffung (teurer als Verbrenner) muss nämlich erst mal zuhause nachgerüstet werden, bevor die heimische Garage wirklich E-Auto-fit ist. Eine Ladestation zuhause kostet zwar nicht die Welt, ist aber zwingend notwendig, wenn man verlässlich in sein Auto steigen möchte, um den Weg zum Supermarkt des Vertrauens anzutreten.

Die Infrastruktur mangelt

Und da fängt der Spaß schon an: Nicht jeder kann bei sich zuhause in der Garage an der Steckdose tanken. Wer sich glücklich schätzen kann, einen Parkplatz auf der Arbeit zu haben, schaut meistens ebenfalls in die Röhre. Bleiben nur öffentliche Ladesäulen wie das Chargy-Netz, für die es dann meist ein monatliches Abo sein muss. Ladekarte vergessen? Pustekuchen! Ganz davon zu schweigen, dass das Netz der Ladesäulen noch immer im Ausbau steckt und deshalb einfach noch nicht bereit ist. Ein Beispiel gefällig: Die nächsten Ladestationen rund um die Redaktion des „Journal“ sind knapp vier, fünf Straßen entfernt.

Natürlich wird das in Zukunft besser, aber für die Kunden, die sich jetzt für ein Elektroauto entscheiden wollen, bringt das reichlich wenig. Das lässt sich auch alles begründen mit der Tatsache, dass für die nötige Infrastruktur bislang nicht genug Nachfrage - sprich: nicht genügend Elektroautos - existierten. Wie bei der Henne und dem Ei, fragt sich, was denn zuerst kam, der kleine Stromer oder die Ladesäule? Derzeit sieht es jedenfalls so aus, dass man entweder zuhause oder auf der Arbeit aufladen können muss, damit sich die Autos wirklich zuverlässig fahren lassen.

Keine weiße Weste

Zuletzt das Problem mit den Rohstoffen: Das für die Batterien so nötige Lithium oder Kobalt ist alles andere als umweltverträglich in seinem Abbau. Dafür schuften Menschen - zum Beispiel im Kongo oder in Chile, in der Wüste, wo Millionen Tonnen Wasser gebraucht werden, um das Lithium aus dem Boden zu pumpen. Sehr zum Leidwesen von indigenen Bevölkerungen, denen das Wasser abgezwackt wird. Kobalterz hingegen ist vor allem ein Riesengeschäft für chinesische Unternehmen und die Oberen im Kongo - die Bevölkerung sieht von dem Geld quasi nichts. Von der Verschmutzung und Vergiftungsgefahr für die Minenarbeiter, die nur Notgroschen erhalten, ganz zu schweigen.

Das ganze Rohmaterial geht dann per Schiff in eine Schmelze nach China, von da aus meist auf dem Seeweg weiter nach Japan, dann erst in die Batterie und letztendlich ins Auto - wieder auf dem Seeweg; eine Batterie hat dann schon reichlich Kilometer und Schadstoffe auf der Uhr, bevor das Auto auch nur einen Meter weit gefahren ist. Diese Stoffe werden zwar nicht nur für die Batterien der Elektroautos benötigt, sondern für alle Batterien - die Scheinheiligkeit eines E-Autos, ganz doll sauber zu sein, bröckelt dabei aber sehr. Dass der Strom auch von irgendwo herkommt und möglicherweise aus Braunkohle-Kraftwerken stammt, verlagert den schmutzigen Auspuff zudem nur.

Ein weiteres Problem ist die Reichweite: Was im Prospekt steht, ist in der realen Welt nie und nimmer erreichbar - da hilft auch die beste Rückgewinnung wenig. Jede Sekunde im Stau ist ebenso heikel wie rasante Überholmanöver oder Kavalierstarts. Die sollte man zwar ohnehin vermeiden - auch im Verbrenner. Aber anders als bei herkömmlichen Autos kann man eben immer noch nicht an unzähligen Orten zuverlässig und schnell wieder volltanken. Das heißt letztendlich, dass man sich auf einen Kompromiss einlassen will; ein Lebensstil, den sich nicht jeder erlauben kann.

Tests mit E-Autos wie dem kleinen elektrisch betrieben Volkswagen (eUp!) oder Jaguars Konzept eines sportlichen E-Autos (I-Pace mehr dazu auf Seite 31) zeigen das immer wieder: Mit keinem anderen Auto muss man sich doppelt und dreifach überlegen, wo man parkt, wo man noch hinfahren möchte, und ob man den Weg zurück überhaupt noch schafft. Mit keinem anderen Auto steht man vor dem Problem, das Auto abends vollgetankt in der Straße geparkt zu haben, und morgens ein Viertel seiner Reichweite eingebüßt zu haben. Das ist schade: Einerseits machen E-Autos richtig Spaß und haben eindeutig ihren Platz im Alltag verdient. Andererseits ist die Liste der faulen Kompromisse einfach zu lang, um das Auto wirklich attraktiv zu halten. Wer es sich leisten kann - logistisch, nicht finanziell - überall einen Stecker zu haben, für den kann der Elektro-Lifestyle ruhig kommen. Für die breite Masse jedoch bleibt das Elektro-Auto wohl leider auch weiterhin ein teuer erkaufter Spaß.