LUXEMBURG
FLORENCE NITSCHMANN

35.000 Facebook-Fans und Vorliebe für Stürme:

Philippe Ernzer ist 18 Jahre alt und hat ein ganz spezielles Hobby: Er interessiert sich für Meteorologie. „2008 hat alles angefangen“, sagt Philippe. Er habe sich zu der Zeit viele Dokumentationen über Tornados oder ähnliche Wetterphänomene angeschaut. Auch die amerikanischen Wetterdienste haben ihn schwer beeindruckt. „Zu der Zeit gab es noch keinen detaillierten Wetterdienst in Luxemburg. Ich habe also eine Website erstellt, zunächst aber nur für Freunde und Familie.“ 2009 baute der zu dieser Zeit elfjährige Schüler seine eigene Homepage. Ein Jahr später folgte die eigene Facebook-Seite.

Tägliche Vorhersagen neben der Schule

Sobald der Donner grollt und Blitze den Himmel erleuchten, ist Philippe ganz in seinem Element. „Ich habe mich in den vergangenen Jahren vor allem auf Unwetter oder besondere Wetterlagen spezialisiert“, sagt er. Angst vor Stürmen habe er nicht, er fühle sich regelrecht von ihnen angezogen. „Vor zwei Jahren kam es zu einem seltsamen Erlebnis. Ich stand vor einem Gewitter, als ich plötzlich anfing zu zittern und einen verbrannten Geschmack auf der Zunge hatte“, erzählt er. Er gehe davon aus, dass „irgendwo ein Blitz eingeschlagen sein muss, dessen Energie sich über den nassen Boden ausgebreitet hat“. So ganz ungefährlich hört sich das dann doch nicht an.

Die Wetterstation, mit welcher er seine Messungen anstellt, bekam er 2009. Mit ihrer Hilfe und der von zahlreichen meteorologischen Karten erstellt er seine täglichen Vorhersagen. Die neun Meter hohe Station steht im Garten seiner Eltern, bei denen er derzeit noch wohnt. „An ruhigen Tagen investiere ich ein bis zwei Stunden in meine Arbeit, sollte ein Unwetter anstehen, können es auch mal vier bis acht Stunden werden“, erklärt Philippe.

Wie viel Arbeit und Mühe er tatsächlich investiert, erkennt man, wenn man sich seine Arbeit ansieht. „Wenn du erfolgreich sein willst, gibt es nur ein Zauberwort: Machen“, schreibt der junge Hobbymeteorologe auf seiner Facebook Seite. Seine Medienpräsenz ist groß, mehr als 35.000 Menschen abonnieren ihn bereits auf Facebook. Durch seine Webseite ist er anderen Schülern in seinem Alter, die sich ebenfalls für Meteorologie interessierten, weit voraus.

Festivalleiter bauen auf ihn

Dieses Jahr wird Philippe die Schule abschließen, doch bis dahin spielt diese in seinem Leben eine wichtige Rolle. „Noch schaffe ich es, meine Ausbildung und mein Hobby zu kombinieren“, erklärt er. Und in welche Richtung soll es nach der Schule gehen? „Ich möchte mein Wissen über Meteorologie auch nach der Schule erweitern. Dies vielleicht in Kombination mit einem Beruf im Medienbereich, was mich auch durchaus interessiert.“ Philippe hat sich durch seine präzise Arbeit in Luxemburg bereits einen Namen gemacht, weshalb er auch 2014 und im darauf folgenden Jahr den zweiten Platz als „Luxemburger des Jahres“ belegte. Mittlerweile vertrauen sogar die Veranstalter von Luxemburg größten Festivals bei der Planung auf ihn. „Es macht mich stolz, zu hören, dass viele Leute meine Wetterberichte denen der Hauptwetterdienste vorziehen.“ Auch verstehe er nicht, warum die Vorhersagen dieser Dienste ungenau oder gar falsch seien. „Die haben viel bessere Mittel als ich und doch ist deren Arbeit nicht präzise. Ich glaube, die haben einfach andere Prioritäten.“ Seine Priorität lautet: Volle Konzentration.

Mehr Infos unter www.facebook.com/meteoboulaide