LUXEMBURGNATALIA SLIOUTOVA

Spielkritik: „The Witcher 3: Wild Hunt“

Nach langem Warten und Bangen hat CD Project Red endlich den dritten Teil der beliebten Witcher-Saga herausgebracht. Mit „The Witcher 3: Wild Hunt“ feiert der Hexer Geralt ein Comeback, das sich gewaschen hat. Atemberaubende Grafik, ein stimmiger Soundtrack und eine Weltkarte, die „The Elder Scrolls V: Skyrim“ vor Neid erblassen lässt: Das und noch viel mehr hat der neue Titel der Hexer-Saga zu bieten. Eigentlich gibt es erstaunlich wenig, was man an „Wild Hunt“ kritisieren könnte, bedenkt man die intensive Werbung und die hohen Erwartungen der Fans. Fast alles, was von den Entwicklern versprochen wurde, ist auch so umgesetzt worden: Die offene Weltkarte, die reibungslosen Übergänge zwischen den Sequenzen und natürlich eine Geschichte, die ihresgleichen sucht.

Die wilde Jagd hat begonnen

Obwohl das Gesamtpaket mehr als nur stimmig ist, fallen einem trotzdem ein paar Schönheitsfehler auf. Die Tränkeherstellung zum Beispiel oder die Bearbeitung der Rüstungsteile, die einfach zu komplex sind, um richtig Spaß daran zu haben. Die benötigten Zutaten beziehungsweise Komponenten sind anfänglich schwer zu finden und die Anzahl der hergestellten Tränke ist auf drei begrenzt.

Will man sich einen neuen Trank brauen, muss man zuerst die alten Phiolen zerstören, was nicht sehr umweltfreundlich ist und zudem auch recht nervig.

Hinzu kommt, dass das Inventar ziemlich begrenzt ist, was den Spieler dazu zwingt, genau abzuwägen, was eingesammelt werden soll. Natürlich kann diese Einschränkung als ein Versuch angesehen werden, das Spiel realistischer zu gestalten. Mich persönlich hat es jedoch eher gestört. Manche Beschriftungen von den gefunden Gegenständen sind zum Teil irreführend. „Junk“ (Müll) zum Beispiel ist nicht immer zum Wegwerfen gedacht, sondern kann zur Herstellung oder Verbesserung von Rüstungen beitragen.

Dann ist da noch das Auswahlsystem. Mit der x-Taste werden nicht nur Dinge aktiviert, sondern auch Truhen geöffnet und Gegenstände aufgehoben. Steht ein Kerzenhalter zu nah an einem Gegenstand, kann es passieren, dass man zuerst zehnmal die Kerzen an- und ausmacht, bis man endlich das gewünschte Objekt aufhebt. Das alles ist aber Meckern auf wirklich hohem Niveau, bedenkt man all die positiven Aspekte des Spiels.

Entscheidungen,Entscheidungen und noch mehr Entscheidungen

Was bei vielen RPGs inzwischen Usus ist, hat „Witcher 3“ perfektioniert: Die freie Wahl oder auch die spielbeeinflussenden Entscheidungen des Protagonisten. Obwohl die meisten Antworten von Geralt auf den ersten Blick harmlos und unwichtig wirken, haben sie eine schwerwiegende Auswirkung auf die späteren Ereignisse im Spiel. Alles sollte zwei Mal überdacht werden und doch ist es so, dass man oft zwischen zwei Übeln das kleinere aussucht. Die freie Wahl ist ein wichtiger Aspekt, da sie die vollkommene Immersion in die Welt des Hexers erlaubt. Doch auch andere, unbedeutendere Details tragen zu einem unvergleichlichen Spielerlebnis bei. Die zahlreichen Aufträge, die kurzen Ladezeiten oder die detailreiche Charaktergestaltung. Das alles macht für mich „The Witcher 3: Wild Hunt“ zu dem Spiel des Jahres, von dem sich andere Games eine Scheibe abschneiden können.