LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Seit 2014 ist Unterernährung weltweit wieder auf dem Vormarsch -Für Luxemburg bedeutet das zweite UN-Nachhaltigkeitsziel indes: Kampf dem Übergewicht

Mit dem zweiten UN-Nachhaltigkeitsziel in unserer Serie geht es der Weltgemeinschaft vor allem um die Bekämpfung des Hungers. Doch das zweite „Sustainable Development Goal“ umfasst noch viele andere Aspekte: So sollen bis 2030 die Einkommen von Kleinbauern, Fischern oder Angehöriger indigener Völker verdoppelt werden „unter anderem durch den sicheren und gleichberechtigten Zugang zu Grund und Boden“. Auch die Nachhaltigkeit der Nahrungsmittelproduktion soll bis 2030 sichergestellt sein. Produktivität und Ertrag sollen zwar gesteigert werden, doch auch ein Beitrag zum Erhalt der Ökosysteme geleistet oder die Bodenqualität verbessert werden. Der Erhalt der genetischen Vielfalt von Saatgut, Kulturpflanzen sowie Nutz- und Haustiere und ihren wildlebenden Artverwandten findet ebenfalls Erwähnung. Zudem sollen „Handelsbeschränkungen und -verzerrungen auf den globalen Agrarmärkten korrigiert“ werden. Exportsubventionen sollen beispielsweise parallel zu einander abgeschafft werden. Vor dem Hintergrund einer rapiden Verschlechterung der Böden, Wasserressourcen, Wälder und der biologischen Vielfalt mahnen die Vereinten Nationen einen tiefgreifenden Wandel des weltweiten Nahrungs- und Landwirtschaftssystems an.

Laut UN-Angaben ist jeder neunte Mensch - insgesamt schätzungsweise 821 Millionen Menschen - unterernährt. Bis 2050 könnte ihre Zahl auf mehr als zwei Milliarden ansteigen. Dabei machte die Menschheit über viele Jahre Fortschritte im Kampf gegen Unterernährung. 14,5 Prozent der Weltbevölkerung nahmen noch im Jahr 2005 zu wenige Nährstoffe zu sich. Seit 2014, als sich dieser Prozentsatz bei 10,7 Prozent stabilisierte, wächst die Kurve allerdings wieder.

Übergewicht, Biolandwirtschaft, Naturschutz

Was in anderen Ländern Hunger ist, ist in Luxemburg Übergewicht: Im Entwurf des dritten Nachhaltigkeitsplans wird das zweite SDG vor allem unter insgesamt vier Blickwinkeln betrachtet: einer gesunden Ernährung, eine nachhaltige Lebensmittelproduktion, dem Schutz der natürlichen Ressourcen sowie die Stärkung der landwirtschaftlichen Produktion in Entwicklungsländern.

Die gesundheitliche Herausforderung zeigt eine Statistik der OECD: 58,1 Prozent der Bevölkerung in Luxemburg gelten als übergewichtig oder fettleibig. „Zu viele Menschen und insbesondere Kinder sind übergewichtig oder fettleibig“, hält der Bericht dazu fest. Das knapp 200-seitige Dokument verweist auf bekannte Initiativen wie den Aktionsplan „Gesond iessen, méi bewegen“ (GIMB) oder Sensibilisierung in den Schulen. Die Verteilung von Obst und Gemüse in Schulen will sich der Staat jedes Schuljahr 800.000 Euro kosten lassen. Mehr zu diesem Aspekt gibt der Bericht allerdings nicht her.

Ambitionierter sind die Ansprüche in der Lebensmittelproduktion: Bis 2050 will die Regierung die Landwirtschaft vollständig auf Bio umstellen und den Pestizideinsatz bis 2030, wohl im Vergleich zu heute, halbieren. Auf diesem Weg soll auch die Lebensmitteleigenversorgung erhöht und das Handelsdefizit durch Nahrungsimporte (2015: mehr als 650 Millionen Euro) reduzieren. Die Bio-Umstellung soll über „gezielte Aktionen, unter anderem die Aufstellung eines Fahrplans für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion auf der Grundlage der Transparenz und des Vertrauens“ erfolgen. Der Weg ist jedenfalls noch lang: Weniger als fünf Prozent der Agrarnutzfläche werden laut Angaben von Eurostat biologisch angebaut.

Auf diese Weise sollen auch die natürlichen Ressourcen geschützt werden, eine andere Priorität im Nachhaltigkeitsplan. In sehr vielen Grundwasservorkommen finden sich Nitrat- und Pestizidrückstände. Die Trinkwasserversorgung könnte so mittelfristig zu Spitzenverbrauchszeiten nicht mehr gesichert sein.

Die landwirtschaftlichen Kapazitäten in Entwicklungsländern aufzubauen ist indes ein Anliegen der luxemburgischen Entwicklungszusammenarbeit. Laut OECD-Angaben, die der Statec herausgesucht hat, investierte das Großherzogtum 2016 rund zehn Millionen Euro in die Stärkung der Landwirtschaft in Entwicklungsländern. In den vergangenen Jahren war es mehrfach weniger.


Im nächsten Teil der Serie geht es um die Herausforderungen in Gesundheitsfragen