LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Jens W. Beyrich setzt Mathematik in Kunst um - Seine Werke sind international begehrt - Er ist bislang der einzige Künstler mit Dauerausstellung am Findel

Wer derzeit einen Flug am Findel nimmt, kommt zwangsläufig an den Werken von Jens W. Beyrich vorbei. Gleich am Ausgang des Flughafenshops sieht man sein großes „Star Mandala“, ein Kunstdruck mit 60 verschiedenen Sternen aus je sechs Elementen, die in verschiedenen Materialien gestaltet sind, Edelstahl, Granit und Spiegelglas. Je nachdem, wo man steht, scheint sich das Mandala zu wandeln, zu bewegen.

Gleich daneben steht in einer Vitrine ein goldener Ikosaeder, ein von zwanzig Dreiecken begrenzter Vielflächner. Auf dem Polyeder mit „world’s first marquetry algorithm with intervowen 2-D- and 3-D-symmetries“, wie neben der Aluminium-Skulptur steht, sind wiederum Sterne zu sehen. Sie bestehen aus sechs Komponenten in Gold-Bronze, Silber und Schwarz. „Nirgends stoßen die gleichen Farben aneinander“, erklärt Beyrich, „das macht ihn noch komplizierter“. Der gebürtige Tessiner mit zum Teil italienischen Wurzeln, hat von Kindesbeinen an eine Faszination für geometrische Spielereien und tüftelt ständig, wie er mathematische Muster in Kunstwerke umsetzt.

Erste Ausstellung in London 2013

„Hypersymmetrics“ hat er seine Kunst genannt, die nicht an Hochleistungscomputern entsteht, wie man meinen könnte, sondern „auf einem Blatt, mit einem Bleistift und sehr vielen Gleichungen“. Für den Ikosaeder, eines von Beyrichs ersten Kunstwerken, das er 2013 der Öffentlichkeit zuerst in London zeigte, hat der gelernte Maschinenbauer, der sich an der Technischen Universität Karlsruhe in der digitalen Simulation von dynamischen Prozessen spezialisierte und nach einem MBA am INSEAD im französischen Fontainebleau zum Unternehmer wurde, etwa zwei Jahre gebraucht. 2012 hat sich der leidenschaftliche Kunstsammler entschieden, selbst Kunst zu gestalten.

Beyrich liebt es auch, Räume zu dekonstruieren und aus verschiedenen Perspektiven zu zeigen. Viel mehr noch als bei „The City State“, „eine Allegorie auf Wachstum, Diversifizierung und Nachhaltigkeit“, das auch am „Gate 17“ am Passagierflughafen zu sehen ist, wird das bei „Equilibrium“ deutlich, in dem ein auf eine Kugel projizierter Raum perspektivisch zerlegt wird. Dieses große Werk steht im Empfangsbereich des „Business Aviation Terminal“, daneben Schmuck aus dem Hause Schaffrath aus Hanau (Deutschland), das Beyrichs „Hypersymmetrics“ in exklusive Kreationen aus Weißgold und Diamanten umsetzt.

Flughäfen: Ideale Orte, um einer großen Masse von Menschen Kunst näher zu bringen

Der Künstler, der viel Sorge dafür trägt, dass seine Schöpfungen in das richtige Licht gesetzt werden, empfindet die Erlaubnis, am Findel ausstellen zu dürfen, als große Chance. „Wo kann man Kunst am besten einer großen Menge von Menschen näher bringen? An Orten natürlich, wo reger Verkehr herrscht“, sagt Beyrich, der im vergangenen Oktober mit der Idee an die Flughafenleitung heran getreten ist. „Das ging sehr schnell, ich bekam sofort Zuspruch“, freut sich der Künstler, der die kurzen und unkomplizierten Wege in Luxemburg schätzt.

Seine Kunst findet man auch an anderen sehr exklusiven Orten. Zum Beispiel im berühmten Fünf-Sterne-Hotel Hassler in Rom und bald auch in Venedig. Seine verblüffenden symmetrischen Werke gehören aber auch bereits zum festen Inventar des Zentrum für Kunst und Medien ZKM in Karlsruhe - und für das Fürstentum Liechtenstein hat er übrigens bereits zwei Briefmarkenausgaben entworfen. Derzeit sucht Beyrich nach geeigneten Partnern für die Verwirklichung einer großen Kugel mit dem symmetrisch-asymmetrischen Sternenmotiv, die zum Beispiel schön auf einen öffentlichen Platz passen würde. Ob er in Luxemburg fündig wird? „Nicht ausgeschlossen“, sagt der Künstler lachend, „schließlich sind die Luxemburger sehr kunstinteressiert“.

Kontakt unter info@hypersymmetrics.com