LUXEMBURG
DANIEL OLY

Vom Netzwerk ins Bauernhandwerk: Ein ungewöhnliches Hobby

Stephane Kraus führt einen knapp 70 Hektar fassenden Bauernhof. Er ist verantwortlich für rund 70 Kühe, züchtet Mais, Spelz oder Getreide; seit ungefähr 2000 tut er dies - wie anfangs auch immer noch als Hobby-Bauer, seit rund drei Jahren nimmt die Beschäftigung aber zu. Deshalb gehen auch jüngste Entwicklungen im Bereich der digitalen Landwirtschaft wie Melkmaschinen oder Ernte- und Spritzroboter nicht spurlos an Kraus vorbei. Der Landwirt ist dabei aber vielleicht besser auf die digitale Zukunft vorbereitet als so manch anderer Bauer: Er verfügt seit zwanzig Jahren über eine Zertifizierung als „Cisco Certified Internetwork Expert“ (CCIE). Damit gehört er zu einem recht exklusiven Club, denn in Luxemburg gibt es nur zwölf Experten mit dieser Zertifizierung. Dass einer davon außerdem noch nebenbei Landwirt ist, ist äußerst selten. Das macht Kraus ziemlich einmalig.

„Ich habe die Landwirtschaft quasi durch den Schwiegervater mit übernommen“, erklärt Kraus lachend. Vom Hobby wurde es dann zunehmend zu einer waschechten Passion, bei der er mit Leib und Seele bei der Sache ist. Seine Rinder, sogenannte Weißblaue Belgier, sind ein hervorragendes Beispiel: „Sie können nicht auf natürlichem Wege gebären und müssen deshalb rund um die Uhr überwacht werden, falls sie doch irgendwann kalben“, weiß Kraus. Dabei seien dann technologische Hilfsmittel äußerst wichtig, damit im Ernstfall der Tierarzt verständigt und der Kaiserschnitt angefordert werden kann. „Das ist dann schon etwas, wo man ständig bei der Sache bleiben muss“, betont er.

Ständig unter Strom

Die starke Vernetzung des modernen Bauernhofs durch den Fortschritt beim Internet der Dinge schreckt ihn deshalb schon ohnehin nicht ab; Kraus weiß, wie wichtig jeder technologische Vorteil sein kann. Die Landwirtschaft ist nämlich für einen der wenigen Experten mit CCIE-Zertifizierung das zweite Standbein. Eigentlich ist Kraus als Ingenieur mit seinem Expertenwissen für das Netzwerk bei der Encevo-Gruppe zuständig. „Das heißt konkret: Alle verschiedenen Verwaltungen, alle Umspannwerke, die wichtigen Zentralen, Rechenzentren“, erklärt er. All das laufe bei seinem Dienst zusammen. Dabei gehe es meist um alltägliche Büroprobleme, wenn zum Beispiel der Rechner den Zugang zum Internet verweigert oder „die Leitung“ langsam erscheint. „Wenn also irgendwo ein Telefon nicht funktioniert oder ein Rechner keinen Empfang hat, werden wir mit der Fehlersuche beauftragt“, meint er weiter. Dann geht es an die Analyse und Auswertung des Problems - „liegt es wirklich an dem Netz, oder ist der Fehler woanders zu finden“, erklärt er.

Dabei setzt Encevo eng auf die Lösungen des großen Anbieters Cisco. Das bedeutet voll integrierte Produkte zur Fernwartung und einen glatteren Betrieb über möglichst wenige Schnittstellen. „Das ist wichtig, weil zum Netzwerk ja unter anderem auch die Notrufzentralen und ähnlich kritische Systeme gehören“, erklärt der Netzwerkadministrator. Dementsprechend wichtig ist die CCIE-Zertifizierung, die es Kraus erlaubt, die Netzwerkprodukte nahtlos in die Encevo-Infrastruktur zu integrieren, ohne dabei zwingend auf externe Hilfe zurückgreifen zu müssen.

Modernisierung im Hauptprogramm

„Da sind insgesamt knapp 1.300 Mitarbeiter davon abhängig, dass das System reibungslos klappt.“ Und durch die fortwährende Modernisierung des Netzwerks, etwa mit internetfähigen Geräten von „Luxmetering“ zur Messung des Verbrauchs bleibt die Arbeit auch nicht stehen. „Wir sind so zum Beispiel auch damit beschäftigt, Automatisierungen für bestimmte Handgriffe einzuführen“, meint Kraus. Etwa beim Aufsetzen von virtuellen Computern für die Nutzung oder bei der Fehlerfindung. „Dieser Modernisierungsschritt steht ebenfalls vor der Tür. Aber bis es soweit ist, wird es wohl noch dauern.“ Das gilt auch für weitere wichtige Modernisierungsprojekte wie dem Einführen den Bi-Modalen IT. Auch hier ist Kraus mit seinem Team beteiligt; die Bi-Modale IT vereint zwei verschiedene Arbeitsformen und spielt eine wichtige Rolle in der digitalen Transformation der Encevo Gruppe: Modus 1 wird angewendet in den Bereichen die Plansicherheit, Stabilität, Zuverlässigkeit und Vorhersehbarkeit erfordern. Modus 2 fokussiert auf die Schwerpunkte Agilität, Erforschung und Kundenerfahrung, um innovative Lösungen zu finden in den Bereichen Produkt- und Serviceentwicklung.

Dabei hilft ihm nicht nur die spezialisierte Zertifizierung, sondern auch eine langjährige Arbeitserfahrung: „Ich habe zuvor rund zwanzig Jahre lang beim großen Systemintegrator ,Telindus‘ gearbeitet und mir dabei ein gewisses Vorwissen angeeignet“, erklärt er. In dem Rahmen hat er auch die Cisco-Zertifizierung angestrebt, die er dann 1998 schlussendlich erhalten hat. Kein leichtes Ding: „Ich brauchte jede Menge Erfahrung im Feld, aber auch noch sehr viel weiteres Wissen, weil die Techniken derart modern waren, dass sie vor Ort beim Einsatz in Luxemburg kaum oder gar nicht zum Einsatz kamen“, erklärt Kraus. Lange Weiterbildungen waren die Folge, schließlich dann eine praktische und theoretische Prüfung. Jetzt ist er einer von knapp zwölf Experten, die alle zwei Jahre die Zertifizierung erneuern. „Erneuern deshalb, weil es immer neue Technologien und Protokolle gibt“, weiß er. Stillstand bedeutet, abgehängt zu werden. In der Landwirtschaft gilt das genauso wie in der IT. Kraus ist für beides hervorragend gerüstet.