LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Wie sich der Arbeitsmarkt in Luxemburg in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat

Der Druck aus der Großregion auf den hiesigen Arbeitsmarkt bleibe hoch, stellte vergangene Woche Arbeitsminister Nicolas Schmit (LSAP) im Rahmen einer Pressekonferenz über die Arbeitslosigkeit, die im Dezember zwar leicht zurück ging, allerdings mit über 18.200 bei der Arbeitsagentur Eingeschriebenen weiterhin auf einem historischen Höchststand für das Großherzogtum liegt. Die Arbeitslosenquote, die nun bei sieben Prozent liegt, dürfte laut Statec-Prognose im laufenden Jahr noch weiter steigen, bevor sie 2016 nach unten tendieren dürfte.

Dynamischer Arbeitsmarkt

Und das obwohl Luxemburg, das im vergangenen Jahr ein Wirtschaftswachstum von voraussichtlich 2,9 Prozent verzeichnete mit 2,3 Prozent mehr Stellen jährlich im EU-Ranking an zweiter Stelle hinter Malta liegt. Der luxemburgische Job-Motor, der im Zuge des Ausbruchs der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 ein wenig ins Stottern gekommen war - allerdings wuchs die Beschäftigung auch 2009 noch um 1,1 Prozent - dreht also wieder ordentlich. Auf jeden Fall ordentlicher als die Arbeitsmärkte in den Nachbarländern und -regionen.

Der internationale Wirtschaftsstandort Luxemburg bleibt also weiterhin der Magnet für Arbeitssuchende, der er nun schon seit fast 30 Jahren ist. Nach den Erdölschocks und der Stahlkrise Ende der 1970er/Anfang der 1980er hat der Aufstieg des Landes zu einer globalen Banken- und Finanzhochburg den Arbeitsmarkt stark angekurbelt.

Boomende Dienstleistungsbranche

Zwischen 1986 und 2008 wuchs dieser laut Statec im Durchschnitt um 3,4 Prozent jährlich. Besonders die boomende Finanzbranche suchte händeringend nach neuen Mitarbeitern, von denen in Luxemburg nicht genügend zu finden waren. Stellensuchende aus den umliegenden Regionen Deutschland, Frankreichs und Belgiens wurden mit offenen Armen aufgenommen. Die Zahl der Grenzgänger hat sich seit 1985 fast verzehnfacht, ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung ist seither von knapp zehn Prozent auf 44 Prozent angestiegen. Seit der Krise hat sich der Anstieg der Zahl der Grenzgänger allerdings deutlich verlangsamt.

Industrie rückläufig

Ein Großteil von ihnen arbeitet im Dienstleistungsbereich. Dieser zählt heute mehr als viermal so viele Beschäftigte als noch 1970. Die Beschäftigtenzahl in der Industrie ist ihrerseits relativ stabil geblieben, aber der Anteil der Branche an der Gesamtbeschäftigung ist von 33 Prozent im Jahr 1970 auf mittlerweile auf etwa neun Prozent gefallen.

Die Feinanalyse zeigt allerdings, dass verschiedene Industriesparten - Kautschuk- und Plastik-, sowie Lebensmittelherstellung gewachsen sind. Die Beschäftigung in der Metallherstellung und - verarbeitung war hingegen rückläufig. Laut der letzten Konjunkturprognose des Statec vom November ging die Beschäftigung in der Industrie insgesamt auch 2014 weiter zurück. Der gleiche Trend war auch im Transportsektor zu beobachten. In den anderen Branchen stieg die Beschäftigung im vergangenen Jahr weiter, wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Die Banken- und Versicherungssparte beispielsweise stellt seit Ausbruchs der Krise deutlich weniger ein.

Die Feinanalyse der Stellenschaffungen in den ersten sechs Monaten von 2014 zeigt, dass in dem Zeitraum in den öffentlichen Verwaltungen fast 900 neue Stellen geschaffen wurden - zehn Prozent der gesamten Stellen, die im ersten Semester des vergangenen Jahres entstanden. Weitere Job-Motoren waren in dieser Zeit die Sparten Rechtsberatung und Buchhaltung, der Sozialsektor und die Gastronomie.