COLETTE MART

Prinzipiell ist das Zusammenleben der Generationen ein Miteinander und kein Gegeneinander. Ältere Menschen wissen von ihren Kindern und Enkelkindern, welche die Herausforderungen für die jüngeren Generationen im modernen Leben sind.

Jüngere Menschen sollten ihrerseits gelernt haben, ihre Eltern, und somit die Erfahrung, das Wissen und den Lebenseinsatz älterer Menschen zu respektieren und zu würdigen. Sieht man sich jedoch unsere Gesellschaft genauer an, so wird man den Eindruck nicht los, dass durch den kalten Wind, der auf dem Arbeitsmarkt weht, die Generationen gegeneinander ausgespielt werden, anstatt dass im Sinne der viel diskutierten Diversität ältere und jüngere Menschen voneinander lernen könnten. Aus zahlreichen Betrieben und Institutionen dringen Nachrichten an die Öffentlichkeit, nach denen ältere Mitarbeiter auf das Abstellgleis gedrängt und Jüngere systematisch bevorzugt werden, so dass in der Arbeitswelt ein Gegeneinander der Generationen entsteht, das schwerwiegende Konsequenzen auf die physische und psychische Gesundheit älterer Menschen hat, und deren Selbstvertrauen untergräbt.

Dass die Wirtschaft und die Verwaltung auf die Impulse jüngerer Menschen angewiesen ist, ist kein Thema; allerdings ist es für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sowie das Verständnis zwischen den Generationen verheerend, wenn die Älteren sich von den Jüngeren überhaupt nicht mehr respektiert fühlen. Andererseits haben jüngere Menschen ohne Zweifel oft einen schweren Stand. Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch, viele junge Menschen haben Schwierigkeiten, trotz guter Ausbildung einen sicheren Arbeitsplatz zu finden. Sie beobachten, dass gut vernetzte ältere Menschen manchmal sogar weit über das Pensionsalter hinaus noch lukrative Arbeitsaufträge haben, während sich den jüngeren viele Türen schließen.

Darüber hinaus sind ältere Menschen bei uns eher gut versorgt, die Renten haben im europäischen Vergleich ein gutes Niveau, während viele jüngere Menschen, insbesondere Alleinerziehende, armutsbedroht sind und einem sehr hohen alltäglichen Stresspegel ausgesetzt sind. Dem wäre hinzuzufügen, dass infolge der Berufstätigkeit der Frauen jüngeren Eltern heute kaum noch Hilfe bei der Kinderbetreuung zur Verfügung steht, weil Großmütter arbeiten. Viele Jugendliche leben lange in der Prekarität, Kinder sind häufiger in der „Maison Relais“ als bei den Großeltern, so dass im Laufe der Jahrzehnte die Generationen auseinanderdriften. Dies führt zu einer Vereinsamung aller in der Gesellschaft, und zu einer fortschreitenden Beziehungsunfähigkeit, die bei vielen Kindern festgestellt wurde. Die modernen Kommunikationstechnologien vertiefen noch den Graben zwischen Jung und Alt. Während heute manchmal bereits Dreijährige mit einem IPhone umgehen können, waren viele ältere Menschen noch nie im Netz und können bei manchen Themen nicht mehr mitreden.

Die Lösung dieser Probleme, respektive der Ansatz einer Lösung liegen ausschließlich in einer verbesserten Empathie, im Gespräch der Generationen miteinander, im Verständnis für die Probleme der anderen Generation. Allerdings ist es gerade die Empathie, und die Zeit für das Gespräch, die in unserer Zeit verloren gehen…