LUXEMBURG
DAN CODELLO

Das Koalitionsabkommen der Regierung sieht im Kapitel Mobilität folgendes lapidar vor: „La gratuité des transports publics sera introduite sur le territoire du Grand-Duché de Luxembourg durant le premier trimestre 2020, (...)“. Vom 1. März 2020 an sind somit bekanntlich in ganz Luxemburg Bahn, Bus und Tram für Benutzer kostenlos - „das Sahnehäubchen auf einer umfassenden Verkehrsstrategie“, wie es von politischer Seite heißt. Mit freier Fahrt in den öffentlichen Verkehrsmitteln sollen die Straßen des Landes entlastet werden. Doch ist die Aktion auch entsprechend durchdacht, fragt sich Dan Codello, Petitionär, der gleichzeitig Zweifel anbringt.

„Diese im ersten Augenblick reizende Ankündigung entpuppt sich immer mehr als unorganisierte, ungeplante Aktion - schaut man sich alleine die Problematik des öffentlichen Transportes für behinderte Mitmenschen an -, die eigentlich auch den Zweck verfehlen wird, mehr Mitbürger zum Benutzen des öffentlichen Transportes zu überzeugen.

Seit geraumer Zeit werden die negativen Aspekte dieser ‚PR-Aktion‘ deutlicher und der Benutzer stellt fest, dass er sicherlich nicht der Gewinner dieser Maßnahme sein wird.

Die Einführung des Gratis-Transportes wird also auch die Schließung der Bahnhofsschalter mit sich bringen.

Das betroffene Personal wurde gebeten, innerhalb der SNCFL einen neuen Posten anzunehmen, da sie als Schalterbeamten nicht mehr gebraucht würden.

Jedoch wurden auch hier wesentliche Punkte nicht in Betracht gezogen: Gratis sind ab März 2020 nur Inlandstickets zweiter Klasse sowie einige vereinzelte grenzüberschreitende Tickets. Die Beamten an den Bahnhofsschaltern haben neben ihrer Aufgabe des Verkaufens von Tickets auch noch eine wichtige informative Aufgabe und sind öfters der verlängerte Arm eines Tourismusbüros. Die Beamten an den Bahnhofsschalter erfüllen eine wichtige, grundsätzliche Aufgabe eines qualitativ hochwertigen öffentlichen Dienstes am Bürger. Der Benutzer des öffentlichen Transportes wird im Regen stehen gelassen oder kann, wie vorgeschlagen, sich seine Tickets ja selbst online zuhause erstellen und drucken.

Dass unsere Gesellschaft jedoch auch Mitbürger zählt, die aus verschiedenen Gründen auf digitalem Plan nicht gut aufgestellt sind oder Mängel aufweisen, scheint den verantwortlichen Politikern egal zu sein.

Deswegen ist es umso wichtiger, neben der Forderung nach kostenlosem ÖPNV für Menschen mit Behinderung, die Petition 1335 zum Erhalt der Bahnhofsschalter zu unterstützen!“