LUXEMBURG
BENEDIKT WENCK (DPA)/LJ

„The Last Of Us Part 2“ im Test

Die Playstation 5 ist gerade angekündigt - aber die Zeit der Playstation 4 ist noch nicht vorbei. Kurz vor dem Ende der Lebenszeit seiner Konsole veröffentlicht Sony mit „The Last of Us Part 2“ noch einen echten Blockbuster. Allerdings keinen für die ganze Familie, im Gegenteil.

Mit der Fortsetzung zu einem der besten Spiele der Playstation 3 hat Entwickler Naughty Dog große Erwartungen zu erfüllen. „The Last Of Us“ überzeugte Spieler wie Kritiker 2013 vor allem mit seiner packenden Geschichte um den mürrischen Schmuggler Joel, Protagonist des Spiels, und seine Ziehtochter Ellie. Die beiden durchquerten die von lebenden Toten verwüsteten USA, um Sicherheit zu finden - und einen Funken Hoffnung für die Zukunft.

Am Ende trifft Joel eine schwerwiegende Entscheidung: Die gegen den allgegenwärtigen Pilz-Zombie-Virus immune Ellie könnte für ein Heilmittel genutzt werden, müsste dafür aber selbst sterben. Joel rettet Ellie vor diesem Schicksal, indem er andere Menschen tötet - ohne Ellie zu fragen und ohne, dass der Spieler es verhindern könnte. Ellie erfährt davon nichts. Als sie danach fragt, lügt Joel sie an.

Trügerische Sicherheit

Seit diesem Ende des ersten Teils sind mehrere Jahre vergangen. Im zweiten Teil dreht sich nun alles um Ellie. Sie ist kein Teenager mehr, sondern eine junge, erwachsene Frau. Sie lebt mit Joel in einer kleinen Stadt, die sich gegen die Infizierten und feindlich gesinnte Menschen erfolgreich zur Wehr setzt. Dort gibt es Stabilität und Sicherheit.

Doch ein traumatisches Erlebnis schickt sie auf einen Rachefeldzug in die weitgehend zerstörte und verfallene US-Metropole Seattle. In Seattle gerät Ellie zwischen die Fronten zweier verfeindeter Fraktionen - eine schwer bewaffnete Miliz auf der einen Seite, religiöse Fanatiker auf der anderen Seite. Und auch die vom Pilz-Virus infizierten Zombies sind weiter eine allgegenwärtige Gefahr.

All das räumt Ellie aus dem Weg, um ihrem Ziel nach Rache nachzukommen. Die beste Methode dafür ist das leise Ausschalten einzelner Gegner. Spieler können sich mit Ellie hinter Möbeln oder in hohem Gras verstecken und Feinde dann lautlos und mit einem gezielten Messerstich zu Boden ringen. Geht das schief, hat Ellie auch diverse Schusswaffen. Wer stets aggressiv und laut vorgeht, wird in den meisten Fällen aber scheitern.

Ein Spiel voller Gewalt

Gewalt ist in diesem Spiel allgegenwärtig. Von Infizierten zerfleischte Kadaver. Das kaltblütige „Shhhh“, mit dem Ellie hinterrücks Menschen niederringt. Videosequenzen, in denen Menschen mit einem Golfschläger das Gesicht zertrümmert wird. Während in Spielen wie „Doom“ Brutalität durch ungehemmte Übertreibung zum Slapstick wird, ist sie in „The Last Of Us Part 2“ realistisch, stumpf und abstoßend. So sehr, dass man Kämpfen aus dem Weg geht - nicht, weil das der leichtere Weg wäre, sondern einfach, weil man nicht noch mehr Blut sehen will.

Das ist kein Unfall, sondern Absicht: „The Last of Us Part 2“ will zeigen, welche Auswirkungen die Lust nach Rache hat und dass sich der daraus resultierende Teufelskreis der Gewalt nur schwer stoppen lässt.

Technische Meisterleistung

Ob das funktioniert oder ob das Spiel mit dieser realistischen Darstellung eher zum Gewalt-Porno wird, liegt wohl im Auge der Betrachtenden. Beim Autor dieses Artikels führte es vor allem dazu, nicht weiterspielen zu wollen - trotz des Bedürfnisses, die großartig geschriebenen Charaktere und intensive Geschichte weiter zu verfolgen.

Denn handwerklich ist „The Last of Us Part 2“ zweifellos ein Meisterstück. Selten sieht man so detailreiche, so echt wirkende Gestik und Mimik in Spielen.

Im Test fiel kein einziger Software-Fehler auf. Und selbst die ältere, schwächere Variante der Playstation 4 zeigt die teils atemberaubenden Bilder zwar laut schnaufend, aber ohne Einbrüche in der Performance.

Besonders hervorzuheben sind auch die Einstellungen für Schwierigkeitsgrad und Zugänglichkeit. Das Spiel lässt sich sehr gut auf individuelle Bedürfnisse anpassen, die möglichst vielen Interessierten den Zugang erleichtern sollen.

Ebenfalls positiv: Während die große Mehrzahl der Charaktere in vielen anderen Spielen nach wie vor weiß, männlich und heterosexuell ist, geht es hier in jeder Hinsicht vielfältiger zu - ohne dass „The Last of Us Part 2“ darum ein großes Aufheben macht.

Auch das Leveldesign ist grandios gut gemischt: Meistens geht es linear durch die Spielabschnitte, zwischendurch können die Spielenden aber einzelne Gebiete weitestgehend frei erkunden - und dabei begrenzt selbst entscheiden, wie sie ans Ziel kommen. Wichtige Entscheidungen trifft Ellie allerdings ohne Input des Spielers, so wie Joel im ersten Teil von „The Last of Us“.

Ist man mit diesen Entscheidungen nicht einverstanden, entsteht eine zunehmende Dissonanz zwischen Protagonistin und Spielenden.

Harter Tobak in Corona-Zeiten

Das macht es teils schwer, die Geschichte zu genießen - genau wie die Rahmenbedingungen ihrer Veröffentlichung. Denn gerade im tatsächlich erlebten Kontext einer globalen Pandemie ist „The Last of Us Part 2“ harter Tobak.