CORDELIA CHATON

In Zeiten der Krise trennt sich die Spreu vom Weizen, sieht man, wer seinen Posten zu Recht inne hat und wer nicht. Wer sich das Herumgeeiere von US-Präsident Donald Trump ansieht, der sich nicht entscheiden kann, ob ihm die Wirtschaft wichtiger ist oder die Gesundheit seiner Landsleute, der ahnt, was ich meine. Wenn die Wirtschaft läuft, ist seine Wiederwahl sicher, so glaubt Trump, der sich zwischendurch als Virus-Kriegsherr inszenieren wollte. Das Coronavirus als Wahlhelfer, mehr ist es nicht. Doch die Einschläge kommen näher, auch auf den Golfplätzen in Florida.

Es gibt auch andere Profile. Da ist beispielsweise Premier Xavier Bettel. Noch vor ein paar Monaten wurde er heftig kritisiert als politisches Leichtgewicht, als einer, der zu schnell den Bürgermeisterstuhl eingetauscht hat gegen den Sitz des Staatslenkers. Als lustiger, lächelnder Zeitgenosse, der zwar Themen der Unterdrückung sexueller Orientierung im Ausland mediatisiert, aber im Inland keine Lösungen für Probleme wie Wohnungsnot oder Armut findet. Es war ein regelrechtes Bettel-Bashing.

Das hat sich gravierend verändert. Spätestens seit seiner Rede zur Coronakrise vergangene Woche war klar: Der Mann hat Staatsformat. Und er packt die Probleme an. Selbst bei seinen Gegnern setzte sich die Erkenntnis durch: Nicht nur die Rede war gut. Sondern vor allem die Entscheidungen, die er erklärte und seither traf. Denn Bettel und seine Regierung haben schnell und entschlossen reagiert. Sie haben ihre Kräfte geeint, ihre Beziehung zu China genutzt, um möglichst schnell an Masken und anderes Material zu kommen. Sie haben früh begonnen, Notaufnahmezentren in verschiedenen Landesteilen hochzuziehen. Wer weiß, wie lange so etwas in Frankreich dauert, kann sich nur freuen, dass die Notstrukturen schon stehen, bevor Patienten ausgeflogen werden müssen. Die hat Luxemburg übrigens auch solidarisch aufgenommen. Auch das ist wichtig, dass man Partner in der Not nicht allein lässt. Flankiert von der Einbindung der Zivilgesellschaft durch Freiwillige, Aufrufe und Informationen für jene, die zu Hause bleiben, ist der Ablauf in dieser für alle völlig neuen und sich dauern verändernden Situation schon fast beispielhaft. Jetzt kommen noch die wirtschaftlichen Maßnahmen, bei denen Luxemburg von seiner bisherigen Wirtschaftskraft zehrt. Sie werden nicht die letzte Aktion dieser langen Krise sein.

Sicher, Bettel ist nicht allein. Vor allem seine Gesundheitsministerin Paulette Lenert, die durch Einsatzbereitschaft, Kompetenz und Bodenständigkeit auffällt, ist ein echter Lichtpunkt als Besetzung, der die Vorgänger sehr blass aussehen lässt. Doch auch das gehört zum Regieren: Ein Team sein und gute Leute haben.

Ich habe in meinem Bekanntenkreis viele Mediziner. Sie berichten von der Unvorhersehbarkeit des Virus. Von völlig überlasteten Strukturen in Frankreich, von fehlendem Material und der Unverantwortlichkeit der Leute in Deutschland. Viele beneiden Luxemburg um sein Handeln. In Krisen zeigt sich, wer Führungsqualitäten hat. Oder, wie es der französische Philosoph und Autor Honoré de Balzac sagte: In großen Krisen zerbricht das Herz oder wird zu Stahl. Eines ist klar: Diese Krise hat die Regierung gestählt. Luxemburg wird nicht nur wegen seines Finanzplatzes beneidet.