In der vergangenen Woche sind auf europäischer Ebene zwei Prozesse in Gang gesetzt worden, um kurz- und mittelfristig Missstände auszuräumen, die einer gesunden Weiterentwicklung der Gemeinschaft sehr hinderlich sind. Es handelt sich dabei auf der einen Seite um die Beschaffung der erforderlichen Geldmittel, um investitionsbereiten Unternehmen jene Finanzierungsmöglichkeiten zu schaffen, zu denen sich der Bankensektor trotz Überliquidität und von der EZB organisierten Geldschwemme nur in höchst ungenügendem Maße bereit finden kann. Auf der anderen Seite geht es darum, mit einem auf zwei Jahre angesetzten Programm schnell wirksame Schritte zu bewältigen, um die auf höchst bedenkliche Weise ansteigende Jugendarbeitslosigkeit einzugrenzen und zu verringern. Die beachtliche Summe von 8 Milliarden Euro soll dafür eingesetzt werden, wobei darauf geachtet wurde, die Wirkungsdauer dieser Maßnahme, die ursprünglich auf sieben bis acht Jahre ausgelegt war, möglichst kurzfristig zu halten
So löblich beide Ansätze auch sein mögen, so sehr muss doch ihre Wirkung in Zweifel gezogen werden, wenn nicht auch andere Maßnahmen ergriffen werden, die über die sicherlich benötigten Geldmittel hinausgehen. Die europäische Staatengemeinschaft leidet nämlich am wenigsten unter Geldmangel, wie die letzten Jahre bewiesen haben, da quasi aus dem Nichts hunderte von Millionen Euro für dringliche Maßnahmen zur Verhinderung des finanziellen Kollaps innerhalb weniger Tage bereitgestellt werden konnten. Was der Gemeinschaft derzeit am meisten und vor allem zu schaffen macht, weil es wie eine lähmende Decke über allem liegt, ist eine grundsätzliche Vertrauenskrise: Es fehlt an Vertrauen zwischen den Staaten, es fehlt an Vertrauen in die Zukunft, es fehlt an Vertrauen in die politische und administrative Führung, die in der jüngeren, noch leicht nachvollziehbaren Vergangenheit so viele Nachlässigkeiten und Versäumnisse zum Teil selbst verschuldet, zum Teil auch „nur“ zugelassen hat, dass es heute schwer fallen muss, neuen Glauben in eine resolute Kehrtwende herbeizuführen.
Bevor über die ganze Gemeinschaft hinweg neue Wachstumsansätze geschaffen werden können - und das gilt ja besonders für die südliche Peripherie, wo der wirtschaftliche und finanzielle Marasmus am größten ist -, bedarf es einer völlig neuen Herangehensweise, die bislang in einer auf friedliches und solidarisches Miteinander ausgerichteten Staatenunion nur höchst selten zu finden war. Das bedeutet im ersten Ansatz, mehr Verständnis für Unternehmen aufzubringen, die sich ja nicht nur unter sich auf europäischem Boden, sondern vor allem mit Konkurrenten aus anderen Weltregionen auf der globalen Bühne messen müssen. Mit Geldspritzen allein wird das Ruder nicht herumgerissen werden können, weder bei der Unternehmensfinanzierung, noch bei der Arbeitslosigkeit und bei der Jugendarbeitslosigkeit in spezie.
Mehr denn je gefragt sind Verständnis und Vertrauen in kleine und große Unternehmen, die eine permanent verengte Regulierung bis hin zur administrativen Gängelung endgültig satt haben.


