LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Jahresbilanz 2019 von Omega 90 - Niemand muss alleine sterben

Die letzten Wochen, Tage und Stunden seines Lebens sollte niemand alleine sein. Der Weg ist nicht nur für die Betroffenen eine schwerer, sondern auch für die Angehörigen, die nach der letzten Stunde zurückbleiben. Beiden hilft seit mehr als zwei Jahrzehnten „Omega 90“ als gemeinnütziger Verein, der für Sterbe- und Trauerbegleitung steht. Für diejenigen, die nicht zuhause sterben können es aber auch nicht umgeben von Apparaten tun wollen, gibt es das Haus Omega in Hamm – ein Hospiz mit 15 Betten für die allerletzte Palliativpflege. 2019 wurden dort 117 Patienten betreut, den letzten Weg beschritten 107 – zehn konnten in andere Einrichtungen oder nach Hause zurückkehren.
Bei der gestrigen Bilanzpressekonferenz für 2019 erläuterte Diane Dhur, Präsidentin des Verwaltungsrates, dass sich die allgemeine Situation der Palliativpflege in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert hat. Das Thema „Sterben“ werde auch wieder stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen, wie die Kunstaktion von Candy Chang „Before I die“ gezeigt habe.

Die letzten Fragen klären

Zwar wollten die meisten Menschen zuhause sterben, aber das sei aktuell oft nicht möglich. Um das zu erreichen, müsse noch viel getan werden – etwa der Aufbau einer lokalen palliativen Versorgung oder eine „Ausbildung“ der Familien die ihre im Endstadium erkrankten Mitglieder begleiten. Wie immer, geht es auch hier um die Sensibilisierung der Bürger. Drei Fragen stellten sich für Sterbende und ihre Begleiter in dieser Situation „Was muss ich tun?“; „Wie helfe ich?“; „Wie sieht mein letzter Wille aus?“
Dass die Sterbebegleitung kein Exotenthema mehr ist, zeigen die über 600 Zuhörer, die im letzten Jahr zu Omega 90- Veranstaltungen gekommen sind und die 2.160 Ausbildungsstunden, die in Sachen Palliativ- und Trauerbegleitung geleistet wurden. Von den weit über 700 Personen die im letzten Jahr neu durch Omega 90 betreut wurden, waren rund zwei Drittel Hinterbliebene, die eine Trauerberatung in Anspruch nahmen. Die restlichen Klienten waren unheilbar Erkrankte, die begleitet wurden. In 28 Prozent der Trauerfälle sind es hinterbliebene Kinder und Jugendliche, die betreut werden müssen. Bei den Erwachsenen ist es so, dass vier Fünftel nur zwei bis drei Beratungssitzungen in Anspruch nehmen.

Hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter

Neben den 61 hauptamtlichen Mitarbeitern arbeiten noch 70 ehrenamtliche, aber über viele Stunden ausgebildete, Freiwillige für Omega 90, vor allem in der Sterbebegleitung. Davon sind 58 Frauen und nur zwölf Männer. Das Altersspektrum reicht von 30 bis 77 Jahren (der Durchschnitt liegt bei 64 Jahren), ein Drittel ist neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für Omega 90 noch berufstätig. In den Tagen des Corona-Lockdowns konnten sie ihre Klienten zwar nur telefonisch oder via Skype betreuen, aber dafür nicht weniger intensiv.

Das Haus Omega

Das Hospiz „Haus Omega“ hat im letzten Jahr 117 Sterbende betreut. Die Aufenthaltsdauer der Bewohner beträgt im Durchschnitt 47 Tage, der Median liegt allerdings nur bei 22 Tagen.
Im Haus Omega verzichtete man darauf, das Haus während des Lockdowns völlig abzuriegeln, pro Patient wurde immerhin ein Besucher – unter strengen Regeln – zugelassen. Wenn es auf das Ende zuging, konnten sich Familien verabschieden.
Vor dem Haus Omega prangt ein „Hunde verboten“-Schild, das bezieht sich aber einzig und allein auf den gepflegten Rasen und soll die mit ihren Hunden Gassi gehenden Nachbarn verschrecken. Selbstverständlich seien im Haus Omega auch die Haustiere der Patienten als Besucher (nicht als Mitbewohner) zugelassen, betont man auf Nachfrage. Auch da weiß man um die starke emotionale Bindung zwischen Mensch und Tier.
Ein wichtiges Thema am Lebensende ist Religion. Egal was der Bewohner glaube oder nicht glaube und welcher Glaubensgemeinschaft er angehöre, das Haus Omega habe für jede Religion einen Ansprechpartner und auch einen Raum für religiöse Veranstaltungen, betont die Leiterin Alice Even. Bis hin zu einer Orthodoxen Kindtaufe, die im Haus Omega stattfand, weil der Großvater des Täuflings nicht mehr transportfähig war.