COLPACH-BAS
CLAUDE KARGER

Eine grenzüberschreitende Tour rund um Schloss Colpach

Darf ich Sie bitten, ihre Maske zu tragen, wenn Sie anderen Leuten begegnen?“, fragt ein freundlicher Sicherheitsbeamter im Park von Schloss Colpach durch seinen blauen Mundschutz. Dort sind zwar nur eine Handvoll Besucher unterwegs an diesem Samstagnachmittag. Aber die Sorge versteht man. Denn an diesem Ort kämpfen sich Menschen, die akute Phasen schwerer Erkrankungen hinter sich haben, ins „normale“ Leben zurück. Seit 1952 ist das Schloss ein Erholungszentrum des Roten Kreuzes. Seit Frühjahr 2018 ist das Zentrum, das zwischenzeitlich moderne Gebäude erhielt, als Sitz des „Service national de réhabilitation post-oncologique“ und des „Service national de réhabilitation physique“ eine bedeutende Komponente des nationalen Gesundheitssystems.

Von Ende März bis Mitte Juli wurden hier sogar exklusiv Patienten betreut, die sich von einer Covid-19-Infektion erholten. Frische Luft, Ruhe und Natur spielen bei der Rekonvaleszenz natürlich eine entscheidende Rolle. Das alles gibt es hier ganz in der Gemeinde Ell, hart an der Grenze zu Belgien, im Überfluss. Das wussten bereits die ehemaligen Schlosseigentümer zu schätzen.

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Vom Gutshof zum Kultur-Hotspot

Aber ein Erholungsort wurde die Anlage, die erstmals Anfang des 14. Jahrhunderts in historischen Quellen erwähnt wird, erst in den 1870er, als Baron Edouard de Marches, Herr von Guirsch (bei Arlon) rund um das 1747 errichtete Herrenhaus einen Park anlegen ließ. Was zuvor vor allem als Gehöft verwaltet wurde, wurde nach und nach zu einem beliebten Treffpunkt der gehobenen Gesellschaft aus Luxemburg und aus der ganzen Welt. Künstler gingen hier ein und aus wie etwa der ungarische Maler Mihály Munkácsy. Er sollte nach dem Tod des Baron de Marches 1873 dessen Witwe Marie-Anne Cécile Papier ehelichen. Das Paar war in den mondänen Pariser Salons zuhause. Im Sommer hielten sie sich aber meist in Colpach auf, wohin sie illustre Gäste einluden, wie etwa den Komponisten Franz Liszt, der hier vom 5. bis 20. Juli 1886 weilte.

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Der „Esprit de Colpach“

Der Platz des Anwesens als weit über die Grenzen hinaus bekannter Kultur-Hotspot festigte Schloss Colpach aber vor allem dank der Mayrischs. ARBED-Direktor Emile Mayrisch erwarb das Anwesen 1917. Der Maler und Architekt Sosthène Weis baut die Anlage für ihn im neobarocken Stil aus. Der Schlosspark füllte sich mit Skulpturen renommierter Künstler. Emile Mayrisch und seine Gattin Aline empfingen hier Autoren, Komponisten, Wissenschaftler, Wirtschaftslenker und Politiker. Mehrere Vereinigungen versuchen heute noch das Erbe des in ganz Europa ausstrahlenden „Esprit de Colpach“ hochzuhalten.

Durch den Park mit seinen Kunstwerken weht er zweifelsohne noch heute. Wann er wieder im 2002 als nationales Monument klassierten Schloss selbst weht, ist eine andere Frage. Das Gemäuer, das Aline Mayrisch 1947 dem Roten Kreuz vermachte und das die Anforderungen einer modernen Gesundheitsversorgung nicht mehr erfüllen konnte, steht seit 2010 leer und der Zahn der Zeit setzt ihm offensichtlich immer mehr zu...

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Grenzüberschreitend auf 13 Kilometern

Die Anlage ist Ausgangs- und Zielpunkt des grenzüberschreitenden Wanderwegs rund um Colpach, der der langjährigen Zusammenarbeit zwischen der belgischen Gemeinde Attert und den luxemburgischen Gemeinden aus dem Attert-Tal Ell, Beckerich, Préizerdaul und Redingen entsprang. Der rote Balken auf weißem Grund weist den mit einigen Informationstafeln bestückten Weg durch dichte Wälder, lauschige Ortschaften, über ein landwirtschaftlich intensiv genutztes Hochplateau und durch das grenzüberschreitende Naturschutzgebiet „Marais de Grendel“. Auf den rund 13 Kilometern vom Colpacher Schloss über Klein-Elcheroth (Petit Nobressart), Nothomb (B) und Grendel (B) stellt die Schleife mit reichlich Auf und Ab eine sportliche Herausforderung dar, lädt aber auch zum Verweilen an historischen Wegmarken einer Gegend, deren Bevölkerung durch den belgisch-luxemburgischen Grenzvertrag von 1843 ziemlich brutal getrennt wurde. Den engen Banden zwischen den Menschen und den Gemeinden beiderseits der Grenze tat das allerdings kaum Abbruch.

Plan des Weges: www.attert-tourisme.be/PDF/Colpach.pdf

Kunst in Colpach: www.colpart.lu

Naturschutz in Grendel: tinyurl.com/MaraisGrendel