MERSCH
LIZ MIKOS

Jérôme Jaminet will Menschen in Isolation mit der passenden Lektüre versorgen

Die Solidarität im Großherzogtum wächst von Tag zu Tag. Ein weiteres Beispiel hierfür ist die neuste Initiative, die Jérôme Jaminet ins Leben gerufen hat. Er will Menschen in Isolation mit neuster Literatur versorgen, die nicht nur unterhalten, sondern auch Trost spenden soll. Er hat sich mit bekannten luxemburgischen Autoren zusammengetan und wartet nun darauf, dass Sie sich bei ihm melden, um ihr Herzenswerk bis vor die Haustür geliefert zu bekommen - das natürlich ohne jeglichen Kontakt. Per E-Mail wird besprochen, welches Buch es sein soll - und schon kann das große Lesen beginnen. Wie genau die Aktion ablaufen soll und wie er auf diese Idee kam, erklärt er im Interview.

Wie kamen Sie auf die Idee, diese Initiative zu starten?

Jérôme Jaminet Ich habe gesehen, wie viele Menschen sich schon solidarisch gezeigt haben und mich gefragt: Wie kann auch ich mich nützlich machen? Auf diese Frage gab es für mich eigentlich nur eine Antwort, nämlich meine Passion, die Literatur an meine Mitmenschen zu vermitteln, vor allem da sie auch Trost spenden kann. Da ich sowieso immer recht viele Bücher von nationalen und internationalen Verlagen zur Verfügung gestellt bekomme, - die ich bestmöglichst versuche zu lesen und zu rezensieren, allerdings nicht immer die nötige Zeit habe, um es für jedes Werk zu tun - gebe ich diese gerne an Leute, die gerade alleine und auf der Suche nach einem Zeitvertreib sind, ab. Mit dieser Aktion will ich natürlich auch erreichen, diese Personen aufzumuntern und auf andere Gedanken zu bringen. Durch die sozialen Netzwerke und die Medienverbreitung ist es heutzutage zum Glück auch einfacher, eine solche Initiative zu starten. Auf meine Anfrage hin haben gleich mehrere bekannte Schriftsteller sich gemeldet, um signierte Exemplare ihrer Bücher zur Verfügung zu stellen. Mit dabei sind Gast Groeber, Roland Meyer, Jean Back, Raoul Biltgen, Francis Kirps, Tullio Forgiarini, Florent Toniello und Maryse Krier. Es geht mir wirklich darum, Bücher an die Leute zu bringen - ich will nicht anfangen, sie bei mir zuhause zu horten. Selbstverständlich dürfen mich Bücher von weiteren Personen erreichen, die sich an der Aktion beteiligen wollen, aber der Sinn soll nicht sein, dass ich meine Bibliothek erweitere. In erster Linie suche ich nach Abnehmern für Literatur. Da sollte jetzt auch niemand zögern, sich bei mir zu melden. Im Umkreis Mersch und Zentrum werde ich die Werke persönlich ausliefern, zur Not fahre ich aber auch ein bisschen weiter raus. Die Hauptsache ist jetzt, dass die Leute sich mit mir in Verbindung setzen. Hier geht es auch tatsächlich um neue Bücher.
Die Idee dahinter ist dann womöglich auch noch weitere Menschen für diese Initiative zu begeistern?

Jaminet Das wäre natürlich schön, wenn die Aktion so ins Rollen käme, dass innerhalb eines Ortes oder unter Nachbarn Bücher ausgetauscht werden. Das kann man per E-Mail oder per Telefon abklären und sie vor den Haustüren ablegen, sodass der körperliche Kontakt immer noch gemieden werden kann. Hier gilt es eben auch darauf zu achten, dass die Aktion im Endeffekt nicht mehr schlecht als recht macht, gerade weil wir auf Distanz bleiben sollen. Es geht in keinster Weise darum, jemandem einen Besuch abzustatten, sondern einen intellektuellen Austausch zu haben, ohne sich physisch zu begegnen. Wer sich beteiligen will und selbst zum Literaturlieferant werden möchte, kann dies auch auf den sozialen Netzwerken mit dem Hashtag #Literaturliwwerer teilen.

Geht es auch darum, die Leute wieder mehr für die Literatur zu begeistern?

Jaminet Das ist natürlich der Idealfall. Es gibt sehr viel Netflix zwischen zwei Buchdeckeln und das vergessen immer mehr Menschen. Vor allem, wenn man wirklich ganz neue Werke geschenkt bekommt, - was bei dieser Aktion der Fall ist - kann ich mir gut vorstellen, dass Leute durchaus davon profitieren werden. Vor allem, weil ein Buch zu lesen nicht nur etwas für den Kopf und das Herz tut, sondern auch für die Umwelt. Zudem geht es mir darum, Lesern Neues zu zeigen, unter anderem nationale Autoren, mit denen sie vielleicht noch nicht vertraut sind. Daher freue ich mich auch umso mehr darüber, dass die vorhin genannten Autoren ihre neuesten Werke ebenfalls signiert zur Verfügung stellen.


Verfolgen kann man die Initiative unter

www.facebook.com/derkritischeblick