MERTERT
CORDELIA CHATON

Das Start-up „Clear Logistics“ wächst rasant - doppelt so viele Mitarbeiter bis Ende 2019

Christian Wilhelm fühlt sich wohl in Luxemburg. Das liegt vor allem am Erfolg seines Unternehmens „Clear Logistics“, das er 2015 mit Stefan Maratzki und anderen zusammen gegründet hat. Jetzt ist „Clear Logistics“ laut dem CEO und Mitgründer dabei, ein führender Marktplatz für die Logistik zu werden. „Wir sind eine Plattform für Logistiker, die bei uns ihre Dienste buchen können“, erklärt er.

Wenn Wilhelm aus dem Fenster sieht, blickt er auf das Hafengelände von Mertert, das demnächst ausgebaut wird. Dann wird auch „Clear Logistics“ umziehen, denn die Mitarbeiter brauchen mehr Platz. Bislang arbeiten 28 Menschen für „Clear Logistics“. „Bis Jahresende wollen wir die Mitarbeiterzahl verdoppeln“, verrät Wilhelm. Dafür hat er schon neue Flächen im Hafen Mertert angemietet, der für ihn verkehrsgünstig liegt.

Big Data und Digitalisierung

Wilhelm selbst ist ein Logistiker von der Pike auf. Nachdem der Deutsche eine Logistik-Ausbildung in Trier absolviert hat, stieg er bei Kühne&Nagel zum „Procurement Manager“ auf. In seinen acht Jahren dort wurde ihm immer klarer, wie wichtig Digitalisierung wird. „Gleichzeitig wollte ich diesen Excel-Tsunami in meiner Branche beenden“, erinnert er sich. So entstand die Plattform von „Clear Logistics“, die auf Big Data und Digitalisierung aufbaut. Das Produkt, das „Clear Logistics“ verkauft, heißt „Shipsta“, eine Zusammenlegung von „Shipment“ und „Star“. „Es lässt sich für alle Transportwege nutzen“, versichert der 40-Jährige. Die Verlader stellen ihr Volumen auf der Logistikplattform ein und Unternehmen geben Angebote ab. „Genau so wie Autos autonom werden, wird auch unser System eines Tages den Einkauf vollautomatisch regeln“, ist der Gründer überzeugt.

Außer Luxemburg baut das Unternehmen derzeit noch eine Präsenz in Hamburg mit rund 15 Mitarbeitern auf, die sich vor allem um Marketing und Verkauf kümmern soll. „Dort sind die großen Reedereien und Verlader“, begründet Wilhelm. In Dortmund ist das Unternehmen im Digital Hub für Logistics, weil es dort von der Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut profitiert, das einen anerkannten Verkaufsexperten dort beschäftigt. „Das ist aber ein reiner Coworking-Space“, erklärt Wilhelm. „Die Entwicklung unseres Produkt läuft hier.“

Er findet es auch leichter, in Luxemburg qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Gerade hat er eine Bewerbung einer Kandidatin aus Indien angesehen, die den „Supply Chain Management Master“-Studiengang an der Universität Luxemburg absolviert hat. „Sie ist gut und wir nehmen sie“, hat er gemeinsam mit seinen Kollegen beschlossen. Eine andere Wunschkandidatin geht hingegen zu Amazon. „Insgesamt ist es sehr angenehm, dass die Mitarbeiter hier so vielsprachig sind“, urteilt Wilhelm. In seinem Team arbeiten Menschen mit sieben Nationalitäten. Nicht alle sind immer vor Ort, denn die Firmenleitung legt höchsten Wert auf Fortbildung und sorgt für entsprechende Kurse, die häufig von Berufsfachverbänden durchgeführt werden. Ein weiterer Vorteil des Standorts Luxemburg sei die Datensicherung, sagt Wilhelm, während er stolz jeden Mitarbeiter vorstellt.

Schwieriger Start

Schwierig fand er hingegen den Start. Das Start-up erhielt keinerlei Hilfen. Die Gründer spürten ein gewisses Misstrauen. Das verflog mit dem Erfolg. Der könnte durchaus noch ein Problem werden. „Wir haben jetzt neue Gebäude im Hafen Mertert gemietet“, sagt der Chef. Doch wenn das Unternehmen weiter so rasant wächst, wird es umziehen müssen. Luxemburgisch soll es auf jeden Fall bleiben, haben die Gründer beschlossen.