Im Jahr 2002 entzückte der englische Film „Bend It Like Beckham“ von Gurinder Chadha, mit Parminder Nagra, Keira Knightley und Jonathan Rhys Meyers in den Hauptrollen, das Kinopublikum weltweit. Die indischstämmige britische Regisseurin verwandelte zusammen mit ihrem Mann Paul Mayeda Berges ihr Filmdrehbuch zu einem Musical-Buch. Sie selbst führt Regie beim gleichnamigen Bühnen-Musical, das Ende Juni seine Premiere im Londoner Phoenix Theatre feierte. Howard Goodall komponierte die Musik, Charles Hart schrieb die Liedtexte.
David Beckham über alles
Jesminder Kaur Bhamra (Natalie Dew), kurz Jess genannt, liebt Fußball über alles, und ihr Idol ist David Beckham. Es gibt nur ein Problem: Ihre Eltern (Tony Jayawardena und Natasha Jayetileke), die nie und nimmer einer Karriere als Fußballerin zustimmen würden. Die indische Tradition will, dass sie einen indischen Mann heiraten und sich ganz ihrer Familie widmen soll. Heimlich spielt sie im Park mit ihrem homosexuellen Freund Tony (Jamal Andréas) Fußball und wird von Juliette, alias Jules (Lauren Samuels), entdeckt, die sie zum Training ihres Damen-Teams einlädt. Ohne das Wissen der Eltern nimmt sie an den Trainingseinheiten unter Coach Joe (Jamie Campbell Bower) teil. Ihr gelingt es sogar zu einem Freundschaftsspiel nach Hamburg zu reisen. Ein weiteres Problem ist die Hochzeit ihrer Schwester Pinky (Preeya Kalidas) mit Teetu (Raj Bajaj), die auf denselben Tag fällt, wie das Finale der Damenliga, was den Start einer professionellen Karriere bedeuten könnte.
Fußball auf einer Bühne zu spielen ist nicht einfach, da nur ein kleiner Fehltritt genügt, um den Ball im Zuschauerraum verschwinden zu lassen. Daher haben die Musical-Macher einen Videoball erschaffen, der neben echten Bällen immer dann ins Spiel kommt, wenn ein Schuss simuliert werden soll. Dann wird wie von Zauberhand aus dem Ball ein projiziertes Bild, das durch den Saal fliegt, um im Tor zu landen.
Der Hintergrund, den Miriam Buether erschuf, besteht aus drehbaren Wänden, die sich in Windeseile in einen Park, eine Umkleidekabine oder eine Einkaufsstraße verwandeln.
Etliche Melodien von Komponist Goodall haben zudem Hitpotenzial, wie zum Beispiel „Girl Perfect“, „Glorious“, „People Like Us“ und speziell „Bend It“. Neben rockigen Klängen sind auch indische Töne à la Bollywood zu hören wie in „Sadaa Charhdi Kalaa“. Goodall wurde durch das Musical „The Hired Man“ (1984) bekannt und schrieb auch die Musik für die Musical-Adaption von „Love Story“ (2010). Charles Hart ist unter anderem der Texter der Andrew-Lloyd-Webber-Musicals „The Phantom of the Opera“, „Aspects of Love“ und „Love Never Dies“.
Erfrischend anders
War der Film bereits ein kleines Juwel, so ist es auch das Musical. Von der ersten Minute bis zum Happy-End in dieser lustigen originellen Geschichte überzeugt das ganze Ensemble mit Herz und Seele und tanzt in Perfektion die fantastischen Choreografien von Aletta Collins. Natalie Dew hat eine wunderbare Stimme und spielt die junge Frau mal ganz scheu, mal ganz enthusiastisch. Lauren Samuels begeistert ebenfalls durch ihr schauspielerisches und gesangliches Talent. Hervorzuheben ist ebenfalls Sophie-Louise Dann als Jules „heiße“ Mutter. Das Musical „Bend It Like Beckham“ ist eine wunderbare Mischung aus flotten Melodien, viel Witz, Charme und sogar einigen emotionalen Szenen, wie jene in der der Vater seiner Tochter letztlich ihren Willen lässt.
Weitere Informationen und Tickets unter
www.benditlikebeckhamthemusical.co.uk.




