LUXEMBURG
NIKI KIRSCH

Trotz Online-Handel, gigantisch anmutenden Supermärkten und Shoppingcentren, gibt es sie immer noch: die Märkte in unseren Dörfern und Städten. Dass so viele Menschen jede Woche die Stände besuchen, um dort Fleisch, Gemüse, Obst und andere Waren einzukaufen, hat zahlreiche Gründe und Vorzüge. Niki Kirsch, Präsident des „Lëtzebuerger Maarteverband a.s.b.l.“ (LMV) erklärt uns, worin diese bestehen:

„Einer der besten Gründe, den Markt zu besuchen, ist die Atmosphäre. Man kann auf einem Markt von Stand zu Stand gehen, um die Produkte miteinander zu vergleichen. Nicht nur, was die Preise angeht, sondern auch deren Qualität und den Service der Anbieter. Das sind alles Dinge, die man nicht unbedingt in einem Supermarkt tun kann.

Was der Markt im Gegensatz zu einem großen Supermarkt ebenfalls bieten kann, ist ein gewisses soziales Gefühl. Auf dem Markt trifft man sich, verabredet sich durchaus mit Freund und Familie, um sich dort auch zu unterhalten. Nach dem Einkauf geht man dann noch gerne etwas trinken oder man geht noch shoppen.

Der Markt nimmt auch das Tempo aus dem alltäglichen Leben heraus. Die Supermärkte wollen am liebsten, dass die Kunden sich einen Einkaufswagen nehmen, diesen möglichst gut füllen, um dann so schnell wie möglich die Kasse zu passieren und den Supermarkt wieder zu verlassen. Auf dem Markt nimmt man sich dagegen noch Zeit. Hauptsächlich auch, um mit den Personen hinter den Ständen zu sprechen und sich von diesen beraten zu lassen. Wie kann man die Ware aufbewahren und verarbeiten? Welche Ware eignet sich am besten für mich? All dies sind Fragen, die auf diesem Weg geklärt werden können. Man muss sich auch bewusst sein, dass man es hier auf einem Markt nicht bloß mit Händlern, sondern mit den Herstellern der Ware zu tun hat. Deshalb können wir unseren Kunden auch erklären, von wo die Ware herkommt.

Interessant finde ich, dass vor allem junge Leute, also junge Familien, den Markt wieder für sich entdeckt haben, auch weil sie sich über die Herkunft der Ware informieren möchten. Deshalb sucht diese Kundschaft auch das Gespräch. Die Bioproduktion hat auch in diesem Zusammenhang eine große Zukunft. Doch man muss sich vor Augen halten, dass bei der Bioproduktion 20-30 Prozent weniger auf gleicher Agrarfläche produziert werden kann. Das schlägt sich in höheren Preisen nieder, was sich längst nicht jeder leisten kann.

Was die Verteilung der Märkte im Großherzogtum angeht, sind wir der Ansicht, dass es genug Märkte in Luxemburg gibt. Jeder hat mit dem öffentlichen Transport oder mit dem Auto die Möglichkeit, einen Markt in seiner Nähe zu besuchen.  Neue Märkte müssten dementsprechend nicht gegründet werden. Außerdem sprechen verschiedene Märkte unterschiedliche Bedürfnisse an: Wochenmärkte verkaufen nur Lebensmittel, während Monatsmärkte auch Kleider und andere Produkte verkaufen können. Nur klassische Jahrmärkte machen sich mittlerweile rar.

Märkte stellen eine große Belastung für unsere Gemeinden und Städte dar. Denn sie müssen für die Sicherheit sorgen und auch ihre Infrastrukturen zur Verfügung stellen. Doch sie nehmen diese gerne auf sich, da sie einen wichtigen Mehrwert für die Zentren der Städte darstellen. Dort, wo früher eine kleine Wirtschaft, ein kleiner Laden oder ein Metzger war, übernimmt nun der Markt diese Aufgaben und Angebote. Der Markt belebt diese Zentren wieder, indem er diese Kundschaft anzieht.“