ERPELDINGEN
NORA SCHLEICH

Ein 25-Jähriger erzählt, was ihn an der Imkerei als Hobby fasziniert

Die Imkerei gehört normalerweise nicht zu den gewöhnlichen Hobbies der Luxemburger. Werktags arbeitet Mike Diener (25) aus Erpeldingen als Koordinator beim ‚Comité Nationale de Défense Sociale‘. In seiner Freizeit widmet er sich leidenschaftlich seinem Hobby: der Imkerei. Wir trafen ihn zum Interview, um mehr über diese untypische Freizeitbeschäftigung zu erfahren.

Wie bist Du zu dem ungewöhnlichen Hobby gekommen?

Mike Diener Durch einen Arbeitskollegen, der selber Imker ist. Er hat mich mit zu seinen Bienen genommen. Danach habe ich auch sofort Imker-Kurse belegt und habe dann mit der Imkerei begonnen. Ich bin eh ein Naturmensch und fühle mich der Natur verbunden. Nebenbei bemerkt, ich wollte schon seit gut zehn Jahren Imker werden. Damals hat mich aber das hohe Startkapital, das man braucht, etwas abgeschreckt.

Gibt es viele junge Imker?

Mike Nein, nicht genug! Das ist auch einer der Gründe, weswegen ich unbedingt junger Imker werden wollte. Es muss wieder eine neue Generation geben, die die älteren Imker ersetzen können, wenn diese aufhören. Imker gibt es tatsächlich immer weniger, was auch den Bienenbestand beeinflusst. Und da die Natur unbedingt Bienen braucht, muss es Imker geben, die sich um sie kümmern. Ich selbst habe auch schon einen Freund mit der Imkerei angesteckt, und setzte mich für den Imkernachwuchs ein!

Was muss ein Imker tun?

Mike Da gibt es wirklich sehr viel, was ich nun erzählen könnte. Zunächst muss man dem Bienenvolk ein Zuhause geben, also die Kisten aufstellen, das sind die, die man oft in der Natur sieht.

Am Anfang der Saison, im März oder April, muss der Imker seine Bienenvölker im Auge behalten. Wenn sie sich zu sehr vermehren, kann es sein, dass ihnen die Kiste zu klein wird und sie dann anfangen auszuschwärmen. Fängt die Frühlings-Honigsaison gegen Mai an, muss der Imker einen Honigraum auf die Kisten stellen, damit die Bienen dort ihren Honig sammeln können. Nach der ersten Rapsblüte wird der Honigraum ausgetauscht, um den Bienen Platz für die Sammlung des Sommerhonigs zu bieten. Von den Schleudern, das sind die Rahmen an denen die Bienen ihre Waben gebaut haben, wird dann der Honig losgelöst. Dieser wird noch vom Bienenwachs gesäubert und gründlich gerührt, damit er schön cremig wird. Nach einiger Zeit wird er etwas zäher und dann kann man ihn auch schon in Gläser füllen. Die Bienen müssen nach der Honigsaison aber auch direkt gegen Varroamilben behandelt werden, damit sie nicht von diesen Schädlingen befallen werden. Dann werden die Bienen mit Zuckerwasser gefüttert, damit sie den Winter gut überstehen. Den ganzen Winter über kann der Imker die Bienen auch in Ruhe lassen, nur einmal werden sie noch gegen die Milben behandelt.

Wie viele eigene Bienenvölker hast Du?

Mike Acht. In der Hochsaison besteht ein schönes, großes Volk aus 30.000 bis 40.000 Bienen. Im Winter sind es deutlich weniger, so etwa um 6.000.

Ist es ein sehr zeit- und kostenaufwendiges Hobby?

Mike Der Zeitaufwand ist eher unterschiedlich. Am Anfang der Saison muss man die Völker öfter besuchen, um nach dem Rechten zu sehen. Zum Schluss ist dann sicher, dass sie nicht mehr schwärmen und dass sie noch genug Pollen finden, um ihre Brut zu füttern. Im Durchschnitt sollte man so jeden elften Tag vorbeigehen. Anfangs ist es tatsächlich sehr kostenintensiv. Mittlerweile kann ich dies mit dem Honigverkauf wieder etwas wettmachen. Ich habe, obwohl ich nur acht Völker besitze, schon recht viel investieren müssen. Die Imkerei als Hobby lässt sich aber durchaus gut mit meiner Arbeit und Freizeit verbinden.

Gibt es einen landesweiten Imkerverband?

Mike Es gibt zwar mit Apis einen landesweiten Verband , aber ich bin bloß Mitglied im „Cliärrwer Beieveräin“. Wir haben auch eine monatlich erscheinende Bienenzeitung, in der alle möglichen Informationen bezüglich der Bienenzucht und Imkerei drinstehen.

Wie oft bist Du bereits gestochen worden?

Mike Oh je, oft. Natürlich trage ich ja stets meinen Imkeranzug. Aber trotzdem werde ich fast jedes Mal mindestens einmal gestochen. Das macht mir aber mittlerweile nichts mehr aus. Einmal bin ich jedoch 27 Mal hintereinander gestochen worden. Ich hatte die gute Idee, abends noch schnell einmal ohne den Anzug zu den Bienen zu fahren und den Honigraum abzunehmen, weil ich am nächsten Tag schleudern wollte. Die Bienen wollten wohl nicht gestört werden und haben dann zugestochen. Ich musste dann tatsächlich zum Arzt fahren, der mir eine Spritze gegen das Bienengift gab, dann war wieder alles gut.