LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Antoine Guillaume erzählt von seiner großen Liebe, dem Musical

Mit acht Jahren spielte Antoine Guillaume bereits Theater in einer privaten Schule, wo er nach dem Willen seiner Eltern eigentlich einen qualitativ hochwertigen Beruf erlernen sollt. Stattdessen lernt er klassischen Tanz und besucht nach dem Sekundarabschluss das „Conservatoire Royale“ in Brüssel. Er erhält einen ersten Schauspieler-Vertrag im Brüsseler „Théâtre Royal du Parc“. Beim Theaterfestival in Avignon präsentiert er 2018 seine eigene Kreation „Vous avez dit Broadway?“, das anschließend ganz erfolgreich in Belgien und Paris gespielt wird. In diesem Stück versucht er seine Liebe zum Musical zu erklären und vor allem an den Zuschauer zu übertragen. Dazu benutzt er einige Lieder aus den rund 45 zitierten Musicals.

Der Flüsterer

Was direkt auffällt ist, dass Antoine Guillaume seine Texte flüstert. Er spielte 2014 im „Théâtre Le Public“ in Brüssel im Musical „Cabaret“ die Rolle des Emcee. Er flüsterte die Texte, während er die Lieder mit seiner reellen Stimme sang. Als das Musical für zwei Monaten in Paris gastierte, fragte man ihn, alles mit seiner Stimme zu spielen. Doch die erste Vorstellung war ein Fiasko. Seitdem flüstert er nur noch. Angesichts des benutzten Mikrofons stellt das aber kein Problem mit der Verständlichkeit dar. „La vie réelle n’est pas assez musicale“, meint der Artist, und startet sein Programm mit „Willkommen“ aus „Cabaret“. Begleitet wird er von Julie Delbart auf den Keyboards. Es folgt ein Song aus „West Side Story“, ehe er erzählt, dass er mit dem Musical-Virus infiziert wurde, als er mit der Schule als 17Jähriger in London das Musical „Oliver“ im Palladium Theatre sah, mit der Musical-Ikone Jim Dale. Er geht auf die Geschichte des Musicals ein. Das Vaudeville war ein Vorreiter des Genres, und George M. Cohan war ein Pionier des musikalischen Theaters in den 1920er Jahren. „Showboat“ von Jerome Kern kann man als eines der ersten Musicals ansehen, ehe sich das Genre in den 1940er Jahren erst einmal in Amerika ausbreitete. Cole Porter, Irving Berlin, Rodgers & Hammerstein II., Kurt Weill sind nur ein paar Namen, die Guillaume auflistet. Und er singt immer wieder Lieder, wie „Old Man River“ oder „Do Re Mi“. Es geht weiter mit Jerry Herman, John Kander oder Andrew Lloyd Webber. Nach rund circa 90 Minuten geht mit „Popular“ aus „Wicked“ sein Exposee zu Ende.

Infektion geglückt?

Dass Antoine Guillaume ein wahrhaftiger Fan des Musicals ist, kann man nicht wiederlegen. Nur ist seine Show oft etwas zu didaktisch, und was für ihn selbstverständlich ist, zum Beispiel Namen von Shows oder Komponisten, muss es nicht unbedingt für die Zuschauer sein. Er könnte ruhig deutlicher erklären, wer diese Leute und Shows sind. Er weiß auch genau, wo die Geschmäcker der Zuschauer heute liegen und präsentiert Disney-Musicals und Werke von Andrew Lloyd Webber.

Ob er im Laufe des Abends jemals irgendeinen skeptischen Zuschauer mit seiner Liebe infiziert hat, ist nicht wirklich gewusst, auch wenn er in den sozialen Medien sehr viel Lob erhält. Für Musical-Fans ist die Show sicher die Gelegenheit, die Erinnerungen an vergessene Werke aufzufrischen. Für alle anderen vielleicht der Anfang für weitere Musical-Besuche.

Im „Kinneksbond“ in Mamer ist die Show am Donnerstag, den 13. Februar um 20.00 Uhr zu sehen. Tickets und weitere Informationen unter www.kinneksbond.lu.