HARLANGE
DANIEL OLY

Freiwillige Schülerorganisation „Natur AG“ nimmt den Schutz der Tier- und Umwelt ernst

Wie wird eigentlich Honig gemacht? Und wo kommt die Milch her - oder die Eier? Im Supermarktregal wächst das ja wohl sicher nicht. Fragen, die normalerweise die Schule beantwortet. In der Obersauer-Regionalschule in Harlange kommt die Antwort aber von den Klassenkameraden.

Verantwortlich dafür ist die „Natur AG“. Die knapp 26 Mitglieder starke freiwillige Vereinigung von engagierten Schülern hält nämlich Vorträge zum Naturschutz, bringt den Mitschülern Tierpflege und Mülltrennung bei, zeigt unterschiedliche Fische oder das Wuseln im Bienenstock. Entstanden ist das Projekt 2016 als Idee des Klassenlehrers Jacques Kass, der sich eine höhere Beteiligung der Schüler im Naturalltag erhoffte. „Seitdem hat sich die Idee aber weiterentwickelt und weiter ausgebaut, und beschränkt sich nicht mehr nur auf eine Klasse“, erklärt Kass. Inzwischen kann so jeder Schüler aus dem „Cycle 4“ (also der fünften und sechsten Klasse) Mitglied bei der „Natur AG“ werden.

Alle arbeiten mit

Dabei zu sein ist aber nicht so leicht, wie die Schüler stolz erklären. „Wir fordern zuerst eine schriftliche Bewerbung, die wir dann auswerten - einfach so mal mitmachen geht erst mal nicht“, erklärt so Louis, der als Präsident der „Natur AG“ auftritt. Die Motivation müsse klar sein. Das heißt natürlich auch, dass ein Rausschmiss möglich ist. „Das war leider auch schon mal nötig, weil einzelne Mitglieder ihrer Verantwortung nicht nachkamen“, bedauert Anouk, ebenfalls Mitglied.

Dass man sich so etwas nicht leisten kann, liegt auf der Hand. „Schließlich arbeiten wir mit Tieren, um die wir uns angemessen und verantwortungsvoll kümmern müssen“, betont sie. Zwischen Fischen, Hühnern, Ziegen und Bienen kommt dabei reichlich Arbeit zusammen. Im Gegenzug können sie die Tiere auch als Lehrmaterial nutzen. „Wir haben die einmalige Gelegenheit, unseren Mitschülern diese Tiere zu zeigen, ihnen eine mögliche Angst zu nehmen und ihr Interesse an der Natur zu wecken“, sagt der „Natur AG“-Präsident. Daneben betätigen sie sich auch sehr stark in der Mülltrennung und -sammlung, mit einem verstärkten Fokus auf die Müllvermeidung. „Was wir nicht verhindern können, versuchen wir zu sammeln - unverkäufliches Obst verarbeiten wir zu Smoothies, während wir verdorbene Ware für die Biogas-Anlage sammeln“, meint er.

Und wie es sich für ein waschechtes Mini-Unternehmen gehört, gibt es einen Verwaltungsrat, in dem Entscheidungen gefällt werden. Unter anderem auch, für die „Natur AG“ in den jüngeren Semestern zu werben. Dadurch gibt es auch immer wieder Nachwuchs: „Dadurch, dass wir anderen Schülern die Natur immer wieder näher bringen und sie auch mal in Kontakt mit den Tieren bringen, machen wir die beste Werbung“, erklärt Léini. „Das kommt gut an. Wir haben regelmäßig jüngere Mitschüler, die sich darauf freuen, ein Mitglied werden zu können.“

So erhält sich die Organisation selbst. Denn selbstverständlich können die Mitglieder in der Regel nur zwei Jahre in der „Natur AG“ bleiben, bevor sie die Schule verlassen. „Die Idee ist aber auf jeden Fall, dass sie in dieser Zeit etwas fürs Leben und für ihre Zukunft erlernen“, erklärt David Marth, Präsident des Schulkomitees der Schule. Deshalb können die Mitglieder der „Natur AG“ auch alles möglichst selbst entscheiden. „Dahinter steckt die Idee des ,Enfant auteur‘ bei dem sich die Schüler selbst und ihren Mitschülern etwas beibringen“, erklärt der Lehrer.

Ein toleranter Umgang mit Mitmenschen und der Umwelt stellt sich damit quasi automatisch ein. „Bei den ,Fridays for future‘-Klimaprotesten haben wir zum Beispiel auch unseren Teil beigetragen - wir haben Plakate für die Proteste hergestellt“, erklärt Louis. Zudem hat die „Natur AG“ diese mitsamt ihrer Botschaften im Rest der Schule erklärt. Die „Natur AG“ kooperiert mit dem Bauernhof hinter der Schule; auf dessen Gelände können die Hühner und Ziegen in den Ställen leben. „Im Wald haben wir zudem zusammen mit dem Imker Koch mehrere Bienenstöcke“, erklärt der Präsident. Durch den Verkauf von Honig und Hühnereiern sammelt die „Natur AG“ so genügend Geld, um ihre Aktionen sicher zu stellen. Sie gehen auch gemeinsam auf den Viehmarkt, um neue Hühner zu erwerben.

Auch sonst haben die motivierten Kids der „Natur AG“ bereits viel erreicht; so gibt es dank ihnen inzwischen Sandtonnen, um Zigaretten-Abfall rund um das der Schule angrenzende Fußballfeld zu vermeiden. „Wir haben uns auch etwas gegen den Kaugummi-Abfall auf unserem Schulhof einfallen lassen“, erklärt das „Natur AG“-Mitglied Sébastien. Die schlaue Lösung: kleinere Mülltonnen aus alten Dosen, in denen das Kau-Zeug landen kann. „Projekte wie diese zeigen die Motivation der Mitglieder der ,Natur AG‘ um etwas positives zu bewirken“, meint Kass. Bemerkenswert daran auch, dass sich die Schüler dabei souverän im Gespräch mit den Verantwortlichen präsentiert haben.

Und wie sieht es eigentlich mit der eigenen Motivation aus? „Ich kann mich hier um Tiere kümmern - ein Haustier darf ich nämlich noch nicht haben“, erklärt Anouk. „Hier kann ich einen Beitrag für den Erhalt der Natur leisten“, meint Sébastien. Auch bei Anne, einem weiteren Mitglied, sieht das ähnlich aus: „Aus Liebe zur Natur und zu den Tieren - das macht mir einfach Freude, selbst etwas Gutes zu tun.“ Allen Mitgliedern demnach gemein: Die Überzeugung, durch Naturverbundenheit und Respekt für die Um- und Tierwelt etwas fürs Leben lernen zu können. Die Mission der „Natur AG“ scheint demnach erfüllt.


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