LUXEMBURG
PAUL HAMMELMANN

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, sang Udo Jürgens im Jahr 1977. Eine rezente Studie des deutschen KWA – Kuratorium „Wohnen im Alter“ analysierte jetzt das Mobilitätsbewusstsein der Altersgruppe der Senioren und „behauptet zu Recht, dass der Pkw als wichtiges Zeichen von Autonomie und Selbständigkeit gedeutet wird”, resümiert Paul Hammelmann, Präsident von der Securité Routière.

„Heutzutage würde man den altgedienten Schlager von Udo Jürgens doch eher ‚Mit 77 Jahren‘ betiteln, da dank der Medizin und einer gesünderen Lebensweise die Bevölkerung an Jahren immer älter wird. In der Studie des deutschen KWA wird, wiederum zu Recht, auf einige Gefahrenpunkte dieser Altersgruppe hingewiesen, welche auf biologisch unwidersprochenen Tatsachen wie abnehmender Sehkraft oder Nachlassen des Reaktionsvermögens beruhen.

Allerdings werden diese Leistungseinbußen durch lange Erfahrung und Besonnenheit kompensiert. Die älteren Bevölkerungsgruppen sind deshalb auch in unserer Verkehrsstatistik nicht überrepräsentiert, im Gegensatz zu den Jüngeren.

In Luxemburg hat die Securité Routière deshalb auch nicht den Schwerpunkt ihrer Präventionsarbeit auf eben diese Altersgruppen fokussiert, sondern begnügt sich damit, an punktuellen Aktionen zugunsten der älteren Mitbürger teilzunehmen oder auch selbst zu inszenieren: Regelmäßige Vorträge in Altersstrukturen sowie noch im Juni dieses Jahres das Verkehrssicherheitsseminar anlässlich des ‚Senior Drivers Day‘ in Colmar-Berg organisiert auf Initiative des Familienministeriums.

Aus eben diesen objektiven Tatsachen und Zahlen hat die Sécurité Routière auch die Initiative der Regierung gutgeheißen, welche das Alterslimit für den altersbedingten Arztbesuch von 50 auf 60 Jahre angehoben hat.

Seither sieht der luxemburgische Gesetzgeber eine erste medizinische Kontrolle ab einem Alterslimit von 60 Jahren vor, mit einer Gültigkeit von zehn Jahren.

Dann ab 70 Jahren ist die Gültigkeit auf fünf Jahre und ab 80 Jahren auf zwei Jahre beschränkt. Diese Kontrollen haben ihre Wichtigkeit auch deshalb, weil verschiedene Patienten sich ihrer physischen Defizite nicht bewusst sind und erst vom Kontrollarzt - sofern dieser kein Gefälligkeitszeugnis ausstellt - darauf hingewiesen werden müssen.

Manche älteren Verkehrsteilnehmer sind sich ihrer Defizite allerdings bewusst, fahren deshalb nicht unbedingt in Ballungsgebieten und lassen ihren Wagen zu Spitzenstunden auch gerne in der Garage.
Schlussendlich darf auch noch darauf hingewiesen werden, dass die neu entwickelten Fahrassistenzsysteme auch für die älteren Generationen eine willkommene Hilfe darstellen und verschiedene Defizite durchaus wirkungsvoll ersetzen oder aber wenigstens unterstützen.

Deshalb auch der Gedankenanstoß der Sécurité Routière gegenüber der Politik: Wäre eine finanzielle Subventionierung seitens der öffentlichen Hand ebensolcher, leider noch sehr teuren Systeme nicht sinnvoll... für alle Alterskategorien?”