COLETTE MART

Mit dem „Feierkrop“ wird unsere Medienlandschaft jetzt genau jene Wochenzeitung verlieren, die alle anderen Printmedien als „Doofpresse“ bezeichnete, und einen frechen, aber grundsätzlich wichtigen Blick auf die Aktualität warf.

Der „Feierkrop“ zwang uns dazu, uns hin und wieder in den Spiegel zu schauen und uns zu fragen, ob in dieser humorvoll verzerrten Darstellung politischer Realitäten nicht doch manchmal der Nagel auf den Kopf getroffen wurde.

Als politischer Kommentator der „Doofpresse“ konnte man durchaus mal sich selber, oder auch bekannte Gesichter aus dem eigenen Umfeld in den sogenannten „Helden des Alltags“ erkennen. Trends, Ausdrücke, moderne und manchmal oberflächliche Werte, althergebrachte und ganz neue Klischees wurden hinterfragt. Die Absurdität verschiedener politischer Entscheidungen, die typische Luxemburger Kleinlichkeit und Kleinbürgerlichkeit, die kleinen und größeren Geheimnisse hinter den politischen Türen des „Marienlandes“ wurden Woche um Woche, „gekropt“, was etwa 22.000 Leser zum Schmunzeln brachte. Führende Persönlichkeiten aus der Politik und die Luxemburger Monarchie wurden entthront, und die Scharfsinnigkeit, mit der die Charaktere entlarvt wurden, ließ einen manchmal erschaudern.

So kam es immer wieder vor, dass man im „Feierkrop“ Geschichten las, die zwar frei erfunden, aber doch die soziale Realität darstellten, oder aber eine Situation ins Lächerliche zogen, die wirklich jenen kritischen Blickwinkel verdiente, in dem die sogenannte „Doofpresse“ dann doch nicht so geübt war. Gerade in den letzten Monaten wurden im „Feierkrop“ verschiedene ungesunde Verflechtungen etwa zwischen der Politik und den Medien denunziert, und es ist absolut wichtig, diesen wunden Punkt der Demokratie zu benennen. Ohne Zweifel spielen die traditionellen Medien eine oft kritische und aufklärerische Rolle, und decken die Schwierigkeiten in der Gesellschaft auf. Das erfrischend Andere am „Feierkrop“ ist allerdings, dass ihm nichts heilig ist, dass er immer wieder Kompromisse mit der Macht aufdeckt, Fake-News entlarvt, und Politiker, die sich vielleicht allzu wichtig nehmen und abheben, einen Spiegel vorhält, und ihre kleinen und großen Fehler lächerlich macht. Im Laufe seiner Existenz konnte die Wochenausgabe des „Feierkrop“ aber auch verletzen, oder allzu sehr verzerren, und musste sich Presseprozessen stellen. Im Zuge der aktuellen Infragestellung der Rolle der Printmedien hätte sich auch der „Feierkrop“ den Gedanken um redaktionellen Nachwuchs, Erneuerung und Selbstkritik stellen müssen. Die Redaktion traf allerdings eine andere Entscheidung.

Nun müssen wir uns fragen, wer uns denn jetzt daran erinnern wird, dass wir ein winziges Land sind, das nicht alles richtig macht, auch wenn es scheinbar reich ist. Der Abschied vom wöchentlichen „Feierkrop“ wird also eine Leere hinterlassen, über die wir nachdenken sollten. Vielleicht werden andere sie füllen, aber die Fussstapfen in die sie werden treten müssen, sind gewaltig.